Infopavillion auf dem Tempelhofer Feld (Quelle: Tempelhof Projekt GmbH)

Senat greift Bürgerinitiave an - Neuer Pavillon informiert über Tempelhofer Feld

Von außen sieht er nicht spektakulär aus, doch der Inhalt birgt eine Menge Zündstoff: Der Berliner Senat wirbt in dem Infopavillion "Schaustelle Wohnen" für seine Bebauungspläne für das Tempelhofer Feld. Kritik hagelt es von Seiten der Bürgerinitiative "100% Tempelhofer Feld".

Ein neuer Pavillion steht seit Dienstag nahe dem Haupteingang auf dem Tempelhofer Feld: Besucher können sich in der "Schaustelle Wohnen" über die Baupläne für Berlins neueste Großgrünfläche informieren. Das teilte Michael Müller (SPD), Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, zur Eröffnung mit. Die Pläne sind nicht unumstritten. Vor allem die Bürgerinitiative "100% Tempelhofer Feld" sind sie ein Dorn im Auge. Sie initiierte ein Volksbegehren, dass das Areal so erhalten soll, wie es ist: ein Naherholungsgebiet für die Hauptstadtbewohner.

Flyer der Bürgerinitiative "100% Tempelhofer Feld" (Quelle: 100% Tempelhofer Feld e.V.)
Der Flyer mit seiner Vision für 2030

Provokanter Flyer sorgt für Ärger

Senator Müller warf am Dienstag den Initiatoren erneut vor, falsche Behauptungen zu verbreiten. Es stimme nicht, dass die Stadt das gesamte Feld bebauen wolle. Lediglich an den Rändern sollen Wohnungen und Bildungseinrichtungen entstehen.

Die Initiatoren wiesen den Vorwurf in einer Presseerklärung vom Dienstag zurück, dass sie falsche Behauptungen aufstellen würden. Es gebe "lediglich einen Flyer vom Mai 2013 mit der Vision eines zugebauten Feldes bis zum Jahr 2030". Im Text des Volksbegehrens tauche dies aber gar nicht auf.

Allerdings befürchtet die Bürgerinitiative, dass die geplante Randbebauung nur der Anfang für eine langfristige Entwicklung eines neuen Stadtteils auf dem Tempelhofer Feld ist, da es planungsrechtlich keine Hindernisse dafür gibt, so Michael Schneidewind von "100% Tempelhofer Feld".

Bürgerinitiative hat bereits über 75.000 Unterschriften

Die Initiative will erreichen, dass das gesamte ehemalige Flughafengelände unbebaut bleibt. Bislang sind nach eigenen Angaben 75.600 Unterschriften gesammelt worden - bis zum 13. Januar müssen es 174.000 sein, damit über ihren Gesetzentwurf abgestimmt wird.

Ist das Volksbegehren erfolgreich, muss innerhalb von vier Monaten ein Volksentscheid durchgeführt werden. Die Bebauung der Randgebiete soll erst 2016 starten.

Der rot-schwarze Senat dagegen will nur die große Freifläche in der Mitte erhalten. Zudem soll ein riesiger künstlicher See entstehen, der bereits für Kritik sorgte. So hat der Umweltverband BUND Klage eingereicht, weil er meint, dass die Baugenehmigung für das Becken gegen bestehendes Umweltrecht verstößt.

An drei Rändern sollen desweiteren Wohnhäuser und teilweise auch Gewerbeflächen entstehen. Zudem ist der Neubau der Zentral- und Landesbibliothek in der Randbebauung vorgesehen.

Eine Grafik veranschaulicht das Wasserbecken, das auf dem Tempelhofer Feld entstehen solll. (Quelle: CROSS.MAX, www.tempelhoferfreiheit.de)
Umweltschützer kritisieren das geplante Wasserbecken.

Für Bürgerinitiative bleibt Infopavillon verwehrt

Die Bürgerinitiative wirft dem Senat vor, er suggeriere, dass am Rand des Feldes günstiges Wohnen möglich sei. Alle Aussagen, die bisher aber zur Preisgestaltung gemacht wurden, betreffen einen kleinen Teil der Wohnungen am Tempelhofer Damm. Der Mietpreis läge hier bei sechs bis acht Euro pro Quadratmeter. Somit wären sie deutlich teurer als die Wohnungen, die für Berlin dringend notwendig wären, kritisiert die Initiative. Zum Südring und dem geplanten Quartier in Neukölln gebe es noch keine konkreteren Aussagen.

Die Initiative bemängelt außerdem, dass während des laufenden Volksbegehrens der Senat aufwändig auf dem Tempelhofer Feld informiere, während ihr "Steine in den Weg gelegt werden würde". So werde eine vorherige Anmeldung und eine Kennzeichnung der Sammlerinnen und Sammlern gefordert, obwohl es sich beim Tempelhofer Feld um öffentlichen Raum handelt. Auch bleibt es der Initiative verwehrt, in dem Infopavillion ihre Argumente zu präsentieren.

Pläne des Senats für das Tempelhofer Feld

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