
Spekulation um Kosten für Neubau - Landesbibliothek hält Kostendebatte für "haltlos"
270 Millionen Euro soll sie maximal kosten, die neue Zentral- und Landesbibliothek. Nicht mehr. Das teilte die Bibliothek am Montag mit und kritisierte damit die derzeit laufende Diskussion um die Kosten als "haltlose Gespensterdebatte". Zuletzt hatten einige Politiker geäußert, höhere Kosten seien durchaus möglich, darunter Senatsbaudirektorin Lüscher.
Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin hat die Diskussion um Kosten für den geplanten Neubau am Tempelhofer Feld als "haltlose Gespensterdebatte" kritisiert. Die Grenze von 270 Millionen Euro einzuhalten, sei erklärtes Ziel aller Projektbeteiligten, teilte die Bibliothek am Montag mit.
"Zu einem so frühen Zeitpunkt Kosten von 350 Millionen Euro zu behaupten, weist die ZLB als unbewiesen und rein spekulativ zurück", heißt es in der Mitteilung. Natürlich gebe es noch einen Kostenspielraum nach unten wie nach oben - vor allem sei dieser abhängig vom Entwurf - auf sich konkretisierende Risiken könne man aber planerisch reagieren, um das Budget einzuhalten.
Senatsbaudirektorin Regula Lüscher hatte vor einigen Wochen die bisher veranschlagten 270 Millionen Euro für den Bau eine "grobe Schätzung" genannt. Die Fehlerquote liege "bei plus/minus 30 Prozent". Andere Politiker hatten in der Kostendebatte Alternativen für den Prestige-Bau in Tempelhof ins Spiel gebracht.

Clara Herrmann von den Grünen spekulierte im Tagesspiegel, die Kosten könnten bei 350 Millionen Euro liegen. Senatsbaudirektorin Lüscher hatte demnach auf steigende Baupreise verwiesen. Zudem könne man angesichts der generellen Erfahrung mit öffentlichen Bauvorhaben höhere Kosten als erwartet nicht ausschließen, hieß es in dem Bericht.
"Neubau an anderer Stelle nicht billiger"
Die Bibliothek wies das in ihrer Stellungnahme zurück. Die Angaben zu inflationsbedingten Kostensteigerungen seien in ihrer Höhe "völlig spekulativ".
Weiter heißt es, "ein Neubau an anderer Stelle wäre nicht billiger." Die Möglichkeit einer Erweiterung der Amerika-Gedenkbibliothek in Kreuzberg sei geprüft worden. Nicht nur aufgrund zu klärender Denkmalschutzfragen sei diese problematisch: Sie würde, wenn die bestehende Bibliothek einen sieben- oder achtfach größeren Bau bekäme, etwa sieben bis zehn Jahre dauern. Ohne Ersatz könnte die Bibliothek den 3.500 täglichen Nutzern dann nicht zur Verfügung stehen.
Siegerentwurf steht noch nicht fest
Zuletzt waren die zwei Gewinnerentwürfe für den Neubau auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens ausgestellt. Ein Gewinner steht noch nicht fest. Die Jury hatte sich zunächst für zwei erste Preise an die Architekten Sarah Miebach und Rico Oberholzer aus Zürich sowie die Stuttgarter Regina Kohlmayer und Jens Oberst entschieden. Vor einer endgültigen Entscheidung sollen sie ihre Entwürfe noch einmal überarbeiten.
Bisher ist die Zentral- und Landesbibliothek auf drei Standorte verteilt, der Neubau ist auf der südwestlichen Randzone des ehemaligen Flughafens Tempelhof geplant. Auf einer Nutzfläche von rund 51.000 Quadratmetern sollen hier täglich rund 10.000 Menschen lesen und forschen können. Als Kosten sind bisher 270 Millionen Euro veranschlagt. Der Baubeginn ist für 2016 geplant, 2021 soll die Bibliothek dann fertig sein.



