Tempelhof Projekt: Wasserbecken Übersicht (Quelle: Tempelhof Projekt GmbH)

Umweltschützer kritisieren Baupläne - BUND will gegen See auf dem Tempelhofer Feld klagen

Freie Bahn für Fußgänger und Radler, dazu Himmel ohne Ende: Dass das Tempelhofer Feld jetzt an seinen Rändern bebaut werden soll, sorgt bei vielen Berlinern für Unmut. Bausenator Michael Müller (SPD) musste bei einer Bürgerversammlung am Dienstagabend viel Kritik einstecken. Umweltschützer kündigten zudem am Mittwoch eine Klage gegen die Baupläne an.

Der Umweltverband BUND will gegen die Senats-Pläne für das Tempelhofer Feld vor Gericht ziehen. Derzeit werde ein Antrag auf einstweilige Verfügung vorbereitet, sagte Landesgeschäftsführer Tilmann Heuser am Mittwoch in Berlin. Die Umweltschützer wollen verhindern, dass ein künstlicher See und ein Rundweg auf einem erhöhten Damm errichtet werden.

Beide Maßnahmen plane die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung als naturschutzfachlichen Ausgleich dafür, dass am Rande des Feldes Wohnhäuser entstehen sollen, hieß es von Seiten des BUND. In Wahrheit aber seien weder Wasserbecken noch Damm naturschutzfachlich positiv einzuordnen. Der BUND sieht zudem das Recht auf Bürgerbeteiligung verletzt.

Gegen die Baupläne des Senats hatte sich auch am Dienstagabend auf einer "Erörterungsveranstaltung" am Dienstag mit rund 300 Bürgern heftiger Widerstand geregt. Bei der Veranstaltung stellte Berlins Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) noch einmal konkret vor, welche Bebauung für das sogenannte B-Planungsgebiet, also am Tempelhofer Damm und entlang der Stadtautobahn, vorgesehen ist.

Aktivisten, Anwohner, Stadtplaner und Verwaltungsbeamte kamen zu dem Treffen. Bei der Bürgerversammlung wurde kritisiert, die Bebauungspläne seien schon bis in alle Einzelheiten ausgearbeitet. Die frühzeitige Bürgerbeiteiligung sei für Politik und Verwaltung nur eine lästige Farce. Konkret wurde die Sorge um hohe Mietpreise angesprochen. Auch der geplante Neubau der Zentral- und Landesbibliothek stieß auf Widerstand.

"Bürgerbeteiligung ist eine Farce"

Die Initiative "100% Tempelhofer Feld" kritisierte die Veranstaltung als "Scheinöffentlichkeit". Margarete Heitmüller sagte rbb online, Einwände von Bürgern würden kaum berücksichtigt.

Bausenator Müller wies dagegen darauf hin, dass zum einen noch nicht alle Einzelheiten der Bebauung feststehen. Zum anderen habe es dank engagierter Bürger immer wieder Umplanungen gegeben. So seien die früher diskutierten Pläne für ein Columbiaquartier, eine Internationale Gartenausstellung oder einen zentralen Omnibusbahnhof auf dem Tempelhofer Feld längst vom Tisch.

Im übrigen gehe es nur um die Randbebauung; das ehemalige Flugfeld selbst bleibe als Freifläche erhalten, hob Müller hervor.

Das Festival der Riesendrachen auf dem Tempelhofer Feld (Bild: dpa)
Beliebtes Freizeitgebiet: das Tempelhofer Feld

Unterschriften gegen die Bebauung

Inzwischen haben mehr als 30.000 Menschen für den Erhalt des Tempelhofer Feldes in seiner ganzen Größe unterschrieben. Das teilte die Landeswahlleitung am Montag mit. Für einen Erfolg des Volksbegehrens der Initiative "100 % Tempelhofer Feld" wären insgesamt 174.000 Stimmen nötig. Noch bis zum 13. Januar können Unterschriften abgegeben werden.

Die Initiative will erreichen, dass das gesamte ehemalige Flughafengelände unbebaut bleibt. Für Natur, Erholung und als kulturhistorischer Ort habe es einmaligen Wert, heißt es zur Begründung.

Der rot-schwarze Senat dagegen will nur die große Freifläche in der Mitte erhalten und zudem einen See anlegen. An drei Rändern sollen Wohnhäuser und teilweise auch Gewerbeflächen entstehen. Zudem ist der Neubau des Landesbibliothek in der Randbebauung vorgesehen.

Eine Grafik veranschaulicht das Wasserbecken, das auf dem Tempelhofer Feld entstehen solll. (Quelle: CROSS.MAX, www.tempelhoferfreiheit.de)

Tempelhofer Feld - Streit um geplantes Wasserbecken

Auf dem Tempelhofer Feld soll ein großer künstlicher See entstehen. Der Senat hat am Freitag seine umstrittenen Pläne verteidigt. Umweltschützer befürchten dagegen massive Eingriffe in die Natur. Notfalls wollen sie sogar vor Gericht ziehen.

Beleuchteter Schriftzug "Zentralflughafen" am Flughafen Tempelhof (Bild: Sebastian Schöbel)

Flughafen Tempelhof bekommt neue Mieter - Es brennt noch Licht in der alten Hütte

Alle reden über das Tempelhofer Feld - aber was geht eigentlich im Flughafengebäude selbst vor sich? Die Mode- und Musikmessen sind längst vorbei, Konzerte finden auch keine mehr statt. Die meiste Zeit wirkt der festungsartige Bau jetzt ziemlich tot. Doch der Eindruck täuscht: Das gewaltige Gebäude wird innen nämlich immer lebendiger.