Randbebauung gegen Naturraum - Senat lehnt Volksbegehren zu Tempelhofer Feld ab

Der rot-schwarze Senat in Berlin will kein naturbelassenes Tempelhofer Feld. Das machte er am Dienstag klar. Wenn auch das Abgeordnetenhaus den Antrag der Bürgerinitiative ablehnt, bleibt nur noch der Volksentscheid.
Ein naturbelassenes Feld ohne jegliche Randbebauung wird es aus Sicht des Berliner Senats nicht geben: Die SPD/CDU-Regierung lehnte am Dienstag den Antrag auf ein Volksbegehren zum Erhalt des Tempelhofer Feldes ab. Die im Gesetzesentwurf "100% Tempelhofer Feld" formulierten Ziele seien nicht zustimmungsfähig, teilte der Senat am Dienstag mit.
Frühling 2013: Sonnenuntergang vom Hochsitz auf dem Tempelhofer Feld (Quelle: dpa)
Das Tempelhofer Feld ist bei Besuchern beliebt
Ziel des Volksbegehrens ist es, den Naturraum und die Weite auf dem Tempelhofer Feld vollständig zu erhalten. Eine Bebauung an den Rändern soll ausgeschlossen werden. "Dies entspricht nicht den stadtentwicklungspolitischen Zielen des Senats", erklärte Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD). Der Senat will Randgebiete für den Wohnungsbau nutzen.

Ende Januar übergab die Bürgerinitiative dem Senat eine Liste mit mehr als 33.000 Unterschriften.

Es gibt noch eine kleine Chance

Das Abgeordnetenhaus hat jetzt nach Angaben Müllers vier Monate Zeit, zu überlegen, ob es den Gesetzesentwurf zum vollständigen Erhalt des Tempelhofer Feldes ohne Bebauung übernehmen will. Das gilt als unwahrscheinlich, da SPD und CDU dort eine klare Mehrheit haben. Anschließend kann die Initiative innerhalb eines Monats entscheiden, ob sie einen Volksentscheid beantragen will. Dafür muss sie innerhalb von vier Monaten rund 170.000 Unterschriften sammeln.

Grün in der Mitte, Wohnen und Arbeiten am Rand

Derzeit ist das Gelände des früheren Flughafens Tempelhof wohl die größte Spielwiese der Hauptstadt. In einer Stadt wie Berlin weckt eine solche Fläche natürlich Begehrlichkeiten. Im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat die Tempelhof Projekt GmbH einen Masterplan für das Feld mit seiner Fläche von insgesamt 386 Hektar entwickelt.
Der "Masterplan Tempelhofer Freiheit" sieht vor, dass am Rand des Feldes Wohnungen und Gewerbe ihren Platz finden. Auch die neue Zentral- und Landesbibliothek soll hier ihren Platz finden.

In den kommenden Jahren sollen rund 4.700 Wohnungen und 7.000 Arbeitsplätze entstehen, kündigte Müller am Dienstag an. Die Chance, die die riesige Freifläche in der Stadt angesichts der angespannten Wohnungslage biete, wolle der Senat nutzen.

Brücke, Schule und ein See

Der Senat wolle aber auch das Herz des Areals als 230 Hektar große Frei- und Parkfläche erhalten, betonte Müller. Diese solle nur behutsam in den kommenden Monaten entwickelt werden. Fuß- und Radwege, Bänke und Toiletten sollen geschaffen werden, Bäume sollen Schatten spenden. Die Wohnungen und Gewerberäume seien auf 45 Hektar geplant, 30 Hektar umfasse die dazugehörige Infrastruktur mit Wegen, Verkehrsflächen, einer Kita und einer Schule.

Unterhalb des Flughafengebäudes wird ein rund 3 Hektar großes Wasserbecken gebaut, in dem das anfallende Regenwasser vom Gebäude gesammelt und zur Parkbewirtschaftung genutzt werden soll. "Das wird keine öffentliche Badeanstalt", sagte Müller. Das Becken soll jedoch an den Rändern attraktive Aufenthaltsbereiche erhalten.