Ein Radfahrer auf einer Kreuzmarkierung auf dem Tempelhofer Feld (Bild dpa)

Yzer will High-Tech, Müller Wohnungen - Rot-Schwarz sucht Richtung für Tempelhof-Pläne

Die Zukunft des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof ist unklar. Wirtschaftssenatorin Yzer hat nun ihre Vorschläge für eine Bebauung vorgestellt - die Bausenator Müller sofort abschwächte.

Die bisherigen Pläne des Berliner Senats für das Tempelhofer Feld werden nach Angaben von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) nicht geändert

Müller sagte am Sonntagabend im rbb, der klare Schwerpunkt in Tempelhof werde die große freie Fläche und das Thema Wohnen sein. Es werde auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens sicher auch Gewerbeansiedlungen geben, aber keinen Produktionsstandort.

Müller reagierte damit auf Aussagen von Wirtschafssenatorin Cornelia Yzer (CDU). Sie hatte zuvor einen Vorstoß für eine andere Nutzung des früheren Flughafens Tempelhof unternommen: eine "Modellstadt für moderne Technologien" solle auf dem Areal entstehen. Neue Technologien für Energie, Bauen und Verkehr sollten zum Einsatz kommen, sagte Cornelia Yzer (CDU) der "Berliner Morgenpost".

Die sei kein Widerspruch zu den bisherigen Plänen, so Müller. Im Senat werde über die Zukunft des Tempelhofer Feldes diskutiert und dabei spiele auch die Nutzung modernen Technologien eine Rolle oder das Thema aufofreies Wohnen.

Das Land solle intensiv um entsprechende Investoren werben, forderte Yzer. Unternehmen aus den Branchen Energie, IT und Mobilität zeigten bereits Interesse an Berliner Standorten. Ihnen solle man Angebote in Tempelhof machen, aber auch in Adlershof oder im Clean-Tech-Park Marzahn.

Konkretere Angaben über mögliche Bauprojekte machte Yzer nicht.

Cornelia Yzer (dpa, September 2012)
Will anderen Metropolen zeigen, wie die Stadt der Zukunft funktioniert: Cornelia Yzer

Angeblich breite Zustimmung

Hintergrund ist, dass der Flughafen Tegel, wo ein Industriepark für Smart Technologies vorgesehen ist, wegen des Debakels um den neuen Airport BER noch nicht so bald geschlossen werden kann. "In dem Moment, wo ein Investor kommt, müssen wir einen geeigneten Standort anbieten können“, sagt Yzer.
 
Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD), der selbst Tempelhofer ist und bisher stark die Randbebauung befürwortet hatte, sei in die Pläne eingeweiht, sagte Yzer der Zeitung. Beide Politiker sitzen im Aufsichtsrat der landeseigenen "Tempelhof Projekt GmbH“, die das Gelände in den nächsten Jahren entwickeln soll. Dort sei man sich "sehr einig“, so Yzer.
Das Festival der Riesendrachen auf dem Tempelhofer Feld. (Bild dpa)
Die so genannte Tempelhofer Freiheit wird von der Bevölkerung stark genutzt, etwa beim Festival der Riesendrachen.

Widerstand aus der Bevölkerung zu erwarten

Yzers Vorstoß birgt Zündstoff. Bisher ist nur vorgesehen, das Gelände in der Innenstadt an seinen Rändern mit Wohnungen und Gewerbe zu bebauen. Außerdem soll ein Neubau für die Zentral- und Landesbibliothek entstehen - angeblich das Lieblingsprojekt des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit, dessen Heimatbezirk Tempelhof ist.

Doch selbst gegen diese Pläne regt sich Widerstand. Die Initaitve „100 Prozent Tempelhofer Feld“ sammelt derzeit Unterschriften für ein Volksbegehren, damit die Freifläche so bleibt, wie sie ist. Aus der Sicht der Initiative hat das Feld des früheren Flughafens in seiner Gesamtheit einen einmaligen Wert. Nach Darstellung der Aktivisten ist das Interesse an ihrer Unterschriftensammlung sehr groß.

Der Flugbetrieb am innerstädtischen Airport Tempelhof ist seit 2008 eingestellt.