Ein Radfahrer auf einer Kreuzmarkierung auf dem Tempelhofer Feld (Bild dpa)

Bürgerinitiative Tempelhofer Feld hat 63.400 Unterschriften gesammelt - "Viele denken, die Bebauung wäre längst vom Tisch"

Die Initiative "100% Tempelhofer Feld" will erreichen, dass das gesamte ehemalige Flughafengelände unbebaut bleibt. Doch zur Halbzeit des Volksbegehrens hat die Initiative erst ein gutes Drittel der Unterschriften zusammen. Julius Dahms von der Bürgerinitiative im Gespräch mit rbb online über Schneeballeffekte, sein Verhältnis zum Senat und was die Europawahl mit dem Ex-Flughafen zu tun hat.

rbb online: Zur Zulassung des Volksbegehrens braucht die Bürgerinitiative 172.880 Unterschriften. Zur Halbzeit der Sammlung haben Sie jetzt 63.400 Unterschriften zusammen. Das ist deutlich weniger als die Hälfte. Ist das überhaupt noch zu schaffen?

Julius Dahms: Da sind wir sehr optimistisch. Das Unterschriftensammeln verhält sich ja nicht linear zum Zeitraum. Wir gehen von einem Schneeballeffekt aus. Das heißt, dass wir in den nächsten zwei Monaten aufgrund unserer steigenden Bekanntheit deutlich mehr Unterschriften sammeln werden als in den ersten zwei Monaten.

Julius Dahms (Quelle: privat)
Julius Dahms

Was macht Sie da so sicher?

Wir liegen bereits jetzt deutlich vorne. Wir haben mehr Stimmen gesammelt als der Berliner Energietisch für sein Volksbegehren im selben Zeitraum.

Welche Resonanz erleben Sie bei den Berlinern auf Ihre Sammelaktion?

Wir erfahren nicht nur Zuspruch aus Neukölln und den angrenzenden Stadtbezirken, sondern aus ganz Berlin. Auch in Spandau, Reinickendorf oder Köpenick interessieren sich die Leute für das Volksbegehren und unterschreiben.

Unterschreiben die meisten Leute, die Sie ansprechen?

Die deutliche Mehrheit der Leute unterschreibt. Ich würde sagen, von 20 Leuten unterschreiben 19. Wobei die Informationslage uneinheitlich ist. Viele Leute denken, die Bebauung wäre längst vom Tisch. Mit unserer Unterschriftensammlung klären wir also auch auf, dass das Gegenteil der Fall ist.

Fühlen Sie sich vom Senat ernst genommen?

Teilweise. Stadtentwicklungssenator Michael Müller kommt auf uns zu und unsere Bürgerinitiative wird zu allen relevanten Podiumsdiskussionen als aktiver Teilnehmer eingeladen. Allerdings wird sich in unmittelbarer Zukunft zeigen, wie ernst es dem Senat mit der Bürgerbeteiligung hinsichtlich des Tempelhofer Feldes ist.

Wieso?

Herr Müller hat gesagt, dass keine Bagger auf das Tempelhofer Feld rollen werden, solange das Volksbegehren im Gange ist. Doch seit kurzem werden erste Baufelder hinsichtlich des geplanten Wasserbeckens eingezäunt. Und Informationen zum konkreten Baubeginn werden nicht preisgegeben. Sollten wir den ersten Bagger sehen, hätte der Senator sein Wort gebrochen.

Darüber hinaus planen wir bei ausreichender Unterschriftenanzahl des Volksbegehrens, den daraufhin stattfindenden Volksentscheid parallel zum Termin der Europawahl am 25. Mai 2014 stattfinden zu lassen. Die Berliner Regierung, speziell Herr Henkel von der CDU, hat enorm viel Glaubwürdigkeit eingebüßt, als sie den Volksentscheid des Berliner Energietisches vom Bundestags-Wahltermin entkoppelt hat. Wir setzen daher bereits jetzt ein klares Zeichen für eine Kopplung der zukünftigen Wahltermine!

Interview: Gregor Klaudius

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