
Frist abgelaufen - Mehr als 220.000 Unterschriften für ein freies Tempelhofer Feld
Die Zahl verspricht Erfolg: Mehr als 220.000 Stimmen haben die Initiatoren des Volksbegehrens gezählt - wie viele Berliner genau für den Erhalt des Tempelhofer Feldes gestimmt haben, will die Landeswahlleitung im Laufe des Tages bekannt geben. Die Unterschriftensammlung ging am Montag bis zur letzten Minute.
Die Bürgerinitiative für den Erhalt eines freien Tempelhofer Feldes erwartet nach der Übergabe der Unterschriftenlisten einen Erfolg ihres Bürgerbegehrens. Direkt nach Ablauf der Frist für die Abgabe der Unterschriften zählten sie bereits 223.000 Stimmen. Das gab die Initiative auf ihrem Twitter-Account bekannt.
Dort zeigt sie sich auch zuversichtlich, dass es zum Volksentscheid kommt - am 25. Mai, dem Tag der Europawahl. Ein Sprecher der Initiative sagte: "Ich bin fest davon überzeugt, dass trotz ungültiger Stimmen die 174.000 Unterschriften geknackt sind."

Am Dienstagmittag will die Berliner Landeswahlleiterin Dr. Petra Michaelis-Merzbach bekannt geben, wie viele Stimmen tatsächlich eingegangen sind. Das amtliche Ergebnis soll am 29. Januar feststehen und am 7. Februar veröffentlicht werden.
Die Landesabstimmungsleiterin hatte bei den bereits überprüften Unterschriftenlisten eine Fehlerquote von 16 Prozent festgestellt - ein ziemlich hoher Anteil. Selbst bei dieser Fehlerquote würden 222.000 Unterschriften insgesamt für einen Erfolg reichen.
Ist das Volksbegehren erfolgreich, muss die Bebauung des Tempelhofer Felds noch einmal im Abgeordnetenhaus diskutiert werden. Spricht sich das Parlament gegen eine Übernahme der Forderungen aus, gibt es einen Volksentscheid.
Unterschriften-Endspurt am Montag
Auch am Montag hatten die Initiatoren noch zahlreiche Unterschriften gesammelt - und das obwohl die Mindestzahl der Stimmen längst erreicht war. Unter den abgegebenen Stimmen seien aber aber viele Unterschriften von Brandenburgern, Touristen oder Berlinern ohne Wahlrecht, die ein Statement hätten abgeben wollen, sagte Margarete Heitmüller, Mitbegründerin der Initiative, am Montagmorgen dem rbb.
Damit sind diese Stimmen ungültig. Dies könne der Kampagne am Ende auf die Füße fallen, so Heitmüller. Um die benötigten rund 174.000 Stimmen zu erreichen, wollte man daher mindestens 200.000 Unterschriften abgeben. Das ist der Initiative gelungen.
Senat plant längst Bebauung – Grüne fordern Planungsstopp
Währenddessen plant der rot-schwarze Senat längst die Bebauung: An drei Rändern sollen auf rund 50 Hektar Wohnhäuser und Gewerbebauten entstehen. Insgesamt sind dort rund 4.700 Wohnungen geplant. An einer der Seiten, im neu entstehenden Quartier am Tempelhofer Damm, sollen laut einer Informationsbroschüre der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung "mindestens die Hälfte" der bis zu 1.700 Wohnungen zu Quadratmeterpreisen von sechs bis acht Euro für "kleine und mittlere Einkommen" erschwinglich sein.
Bausenator Michael Müller (SPD) will zudem prüfen, die übrige Fläche von rund 230 Hektar Größe gesetzlich schützen zu lassen.
Die Berliner Grünen hingegen fordern ein Planungsstopp. Noch während des laufenden Volksbegehrens habe der Senat mit seinen Ausschreibungen und Planungen bereits Tatsachen geschaffen, kritisierte der Grünen-Landesvorsitzende Daniel Wesener am Sonntag.


