Eine Grafik veranschaulicht das Wasserbecken, das auf dem Tempelhofer Feld entstehen solll. (Quelle: CROSS.MAX, www.tempelhoferfreiheit.de)

Tempelhofer Feld - Streit um geplantes Wasserbecken

Auf dem Tempelhofer Feld soll ein großer künstlicher See entstehen. Der Senat hat am Freitag seine umstrittenen Pläne verteidigt. Umweltschützer befürchten dagegen massive Eingriffe in die Natur. Notfalls wollen sie sogar vor Gericht ziehen.

Das geplante, drei Hektar große Wasserbecken auf dem Tempelhofer Feld gefährdet nach Darstellung des Berliner Senats nicht das Ökosystem auf dem Areal. Es entstehe sogar neuer Lebensraum für Insekten und Amphibien, sagte Umweltstaatssekretär Christian Gaebler am Freitag. Naturschützer dagegen sehen Naturschutz- und Planungsrecht verletzt und drohen mit gerichtlichen Schritten.

Das Wasserbecken soll unter anderem deswegen angelegt werden, weil das Regenwasser vom Vorfeld und dem ehemaligen Flughafengebäude bisher ungeklärt in den Landwehr-Kanal geleitet wird. Im Becken dagegen werde es durch Schilfzonen gereinigt, berichtete Gaebler. Der künstliche See - etwa so groß wie vier Fußballfelder - soll auf dem Brutgebiet von 36 Feldlerchen-Pärchen gebaut werden. Für diese seien anderswo in Berlin Ersatzflächen geschaffen worden, sagte Gaebler. "Wir sind aber optimistisch, dass sie sich selbst vor Ort Ersatzbrutflächen suchen."

Feldlerche (Quelle: dpa)
Feldlerche - wenn der See kommt, muss sie umziehen.

Nutzung des Sees: "Die Grenzen sind fließend"

Naturschützer hatten kritisiert, das Wasserbecken gefährde die Population der geschützten Art. Die Feldlerchen auf dem Tempelhofer Feld seien aber nicht so empfindlich, wie viele befürchten, erklärte Gaebler. Die Population habe um ein Fünftel zugenommen, obwohl das Feld für Freizeitaktivitäten genutzt werde. Außerdem sei die Anlage einer Wasserfläche auf dem Tempelhofer Feld ein Wunsch der Nutzer gewesen, sagte Gaebler. Sie steigere die Aufenthaltsqualität gerade an heißen Sommertagen. Wie der durchschnittlich zwei Meter tiefe künstliche See genutzt werden wird, ist allerdings noch unklar. "Die Grenzen sind fließend", betonte Gaebler. Auch das Baden oder Bootfahren sei denkbar. Die Nutzung dürfe nur das ökologische Gleichgewicht nicht beeinträchtigen.

Die ersten Bagger sollen in den kommenden drei bis vier Wochen anrollen. Bis die Wasserfläche fertig ist, sollen allerdings noch bis zu zwei Jahre vergehen. Der Bau des sichelförmigen, 500 Meter langen und zwischen 10 und 120 Meter breiten Beckens soll 11 Millionen Euro kosten. Etwa 4,5 Millionen übernehme die Europäische Union, teilte der Senat mit.

Umweltschützer kritisieren die Planung

Beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) stößt das Vorhaben auf Kritik. Es seien "massive Eingriffe in den wertvollen Natur- und Landschaftsraum des Tempelhofer Feldes" zu erwarten. Statt des Wasserbeckens könne auch eine deutlich günstigere Versickerungsmulde angelegt werden. Ebenso unnötig sei die Anlage eines bis zu drei Meter hohen Damms - der Weg darauf führe durch wertvolle Biotope. "Die Vorhaben verstoßen unseres Erachtens sowohl gegen naturschutzrechtliche wie auch planungsrechtliche Bestimmungen", erklärte BUND-Landesgeschäftsführer Tilmann Heuser. Die Naturschützer seien bereit, gegen die Planung gerichtlich vorzugehen.

Mehr zum Thema

Beleuchteter Schriftzug "Zentralflughafen" am Flughafen Tempelhof (Bild: Sebastian Schöbel)

Flughafen Tempelhof bekommt neue Mieter - Es brennt noch Licht in der alten Hütte

Alle reden über das Tempelhofer Feld - aber was geht eigentlich im Flughafengebäude selbst vor sich? Die Mode- und Musikmessen sind längst vorbei, Konzerte finden auch keine mehr statt. Die meiste Zeit wirkt der festungsartige Bau jetzt ziemlich tot. Doch der Eindruck täuscht: Das gewaltige Gebäude wird innen nämlich immer lebendiger.

Legende Flughafen Tempelhof - Die "Mutter aller Flughäfen" wird 90

Vor 90 Jahren begann auf dem Tempelhofer Feld die Berliner Luftfahrtgeschichte. Der ehemalige "Zentralflughafen" ist seitdem ein Fixpunkt in der Stadt - visuell und ideell, als gigantisches Gebäude und als städteplanerisches Experimentierfeld. rbb online erzählt die Geschichte des Flughafens Tempelhof - zum Lesen, Schauen und Hören.