Landesbranddirektor Wilfried Gräfling spricht bei einer Kundgebung von Feuerwehrleuten der Berliner Berufsfeuerwehr für mehr Personal (Quelle: imago/Seeliger)
Audio: Inforadio | 25.11.2016 | Interview mit Wilfried Gräfling

Landesbranddirektor sieht hohen Investitionsbedarf - Es brennt bei der Berliner Feuerwehr

Wenn Feuerwehrleute ausrücken, dann brennt's. Am Donnerstag protestierten Hunderte vor dem Sitz des Innensenators. Es fehle an Personal, Fahrzeugen und vielem mehr. Landesbranddirektor Gräfling fordert Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe.

Berlins Landesbranddirektor Wilfried Gräfling glaubt, dass Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe nötig sind, um die Feuerwehr für die Zukunft gut aufzustellen. "Wir brauchen zusätzliches Personal, wir brauchen zusätzliche Standorte, wir brauchen zusätzliche Fahrzeuge", sagte Gräfling am Freitag dem rbb.

Eine konkrete Summe wollte er zwar nicht nennen, er erhoffe sich von der neuen rot-rot-grünen Regierung aber, "dass die Feuerwehr nicht vergessen wird". Gräfling zeigte sich zuversichtlich, dass die Innenverwaltung auch unter dem neuen Senator Andreas Geisel (SPD) darauf achten wird, dass die Feuerwehr bei der Verteilung der begrenzten Finanzmittel nicht zu kurz kommt. Er sei jedenfalls noch nicht frustriert.

Gräfling schloss derweil nicht aus, dass die Feuerwehr noch mehr Personal braucht, als bislang angenommen, weil auch die Zahl der Einsätze steigt. Bislang geht die Gewerkschaft davon aus, dass etwa 600 zusätzliche Beschäftigte benötigt werden.

Die Feuerwehr schlägt selbst Alarm

Am Donnerstag hatten die Menschen, die sonst für andere durchs Feuer gehen, selbst Alarm geschlagen. Die Berliner Feuerwehr sei in zwei Jahrzehnten nach und nach kaputtgespart worden, argumentierten die mehr als einhundert Demonstranten vor dem Sitz des Innensenators. Kaum eine Feuerwache sei noch ausreichend besetzt. Und es fehle an Fahrzeugen.

"Wir haben immer weniger Personal und fahren immer mehr Alarme", sagt einer der Protestierenden stellvertretend. "Wenn der Rettungswagen nicht pünktlich eintrifft, geraten Menschenleben in Gefahr", ergänzt ein Zweiter. Das bedeute, "dass wir an unsere Grenzen stoßen, ausgebrannt sind und zu bestimmten Tag-und-Nacht-Zeiten nicht adäquat reagieren können."

Ein Feuerwehrmann schildert dem rbb ganz praktisch: "Wenn ich mit zu wenig Personal vor Ort bin, muss ich mich für eine Sache entscheiden. Und da kann es durchaus passieren, dass ein Wohnungsbrand, der relativ schnell gelöscht werden könnte, außer Kontrolle gerät, weil ich mich auf Menschenleben konzentrieren muss und das nächste Fahrzeug vielleicht erst zehn, fünfzehn Minuten später kommt."

Elf Sätze im Koalitionsvertrag

Micha Quöker von der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft zeigte sich vor allem vom Koalitionsvertrag enttäuscht. "Das sind ganze elf Sätze", die er Lippenbekenntnisse nennt. So müsse die Feuerwehr "mit der wachsenden Stadt mitwachsen. Aber wie das passieren soll, das steht nicht drin", sagt Quöker.

Auch Landesbranddirektor Gräfling findet im rbb, dass man mehr hätte schreiben können: "Für den Polizeibereich sind die Aussagen im Koalitionsvertrag relativ detailliert, über mehrere Seiten." Immerhin sei eine neue Akademie in Tegel für die Ausbildung fest verankert. Die Politik sei sich zudem bewusst, dass sie den Koalitionsvertrag nicht zur vollen Zufriedenheit der Feuerwehrleute ausformuliert hat.

Dass etwas passieren muss, ist auch bei den Verantwortlichen angekommen: Schon frühere Senats-Koalitionen hatten Besserung für die Berliner Brandlöscher gelobt. Dennoch braucht die Feuerwehr von Jahr zu Jahr im Schnitt immer länger, bis sie am Unglücksort eintrifft. Falls Rot-Rot-Grün, insbesondere der zuständige Innensenator Andreas Geisel (SPD), nicht reagiert, so warnen sie, gehe das auf Kosten der Sicherheit aller.

Micha Quöker wird drastisch: "Das heißt für die Stadt, dass die Feuerwehr auch zukünftig zu spät eintreffen wird und auch der ein oder andere Bürger leider versterben wird, weil wir nicht rechtzeitig helfen können." Es ist ein deutlich hörbarer Notruf der Retter.

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