Ein Fahrgast steht vor einem Fahrkartenautomaten der BVG im U-Bahnhof Zoologischer Garten in Berlin (Quelle: imago/Engelhardt)

Sozialticket soll billiger werden - Linke und Grüne sauer auf Geisel wegen Einzelaktion

Die Berliner SPD will das Sozialticket billiger machen. Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD) hat 25 Euro als neuen Preis vorgeschlagen. Sein Vorschlag löst Unmut bei den Linken und Grünen aus. Sie werfen dem Senator eine unabgesprochene Einzelaktion vor.  

Der Vorschlag der Berliner SPD, das Sozialticket billiger zu machen, sorgt für ersten öffentlichen Ärger bei den möglichen Koalitionspartnern. Weil Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD) vorschlug den Preis für das Sozialticket von 36 auf 25 Euro zu senken. Dabei ist weniger die Preissenkung das Problem, die fordern Linke und Grüne seit langem, sondern dass Geisel das unabgesprochen in die Öffentlichkeit brachte. Vertreter von Linken und Grünen äußerten sich empört, dass die SPD jetzt mit diesem Vorschlag öffentlich vorpresche. Beide Parteien wollen neben dem Sozialticket, mit dem Empfänger von Arbeitslosengeld II günstiger Bus und Bahn fahren, noch andere Preissenkungen erreichen.  

Könnten kurze Verhandlungen werden

Der Verkehrsexperte der Grünen, Stefan Gelbhaar, sagte dem rbb, Verkehrssenator Geisel könne zwar mit der Zustimmung der Grünen rechnen, aber in Koalitionsverhandlungen sollte man Vorhaben erst untereinander besprechen. Gelbhaar versucht es offiziell sportlich zu nehmen. Linken-Landeschef Klaus Lederer sagte dagegen dem rbb, wenn das so weiter gehe, könnten das kurze Verhandlungen werden.

Geisel versteht die Aufregung nicht. Im rbb erklärte er, dass er als SPD-Vizelandesvorsitzender lediglich eine Forderung aus dem SPD-Wahlprogramm ausgesprochen habe.

Am Dienstagmittag verhandeln SPD, Linke und Grüne über die Verkehrspolitik in Berlin.

Freude über Erkenntnisgewinn bei der SPD

Derzeit kostet das Ticket 36 Euro. "Mobilität darf nicht am Geld scheitern", sagte Geisel am Montag, als er mit der Idee an die Öffentlichkeit ging.

Linke und Grüne hatten günstigere Sozialtickets im Wahlkampf selbst gefordert. "Schön, dass auch die SPD erkennt, dass Bus- und Bahnfahren in Berlin wieder günstiger werden muss", erklärte Grünen-Chef Daniel Wesener. "Das nächste Mal würden wir aber lieber vorher und mit allen drei Koalitionsparteien darüber sprechen."

Grüne gegen Erhöhung der regulären Ticketpreise

Die Verkehrsverwaltung geht von Zusatzkosten in Höhe von zehn Millionen Euro aus, weil das Ticket dann auch von Berlinern genutzt werde, die derzeit aus Kostengründen nicht fahren. Bislang subventioniert das Land das Sozialticket mit 13 Millionen Euro.

Auch bei den regulären Tickets könnte sich Geisel Preissenkungen vorstellen: Eine Jahreskarte wie in Wien - hier kostet sie 365 Euro, also einen Euro am Tag - hält Geisel für interessant. Eine Einführung sei aber beim derzeitigen finanziellen Spielraum unwahrscheinlich. Ein so günstiges Jahresticket bedeute nicht nur höhere Kosten für den Landeshaushalt, sondern auch deutlich mehr Fahrgäste in den ohnehin schon vollen Bussen und Bahnen, so Geisel. So schnell wie dann nötig könne der Nahverkehr nicht ausgebaut werden.

Derzeit kostet die VBB-Umweltkarte für ein Jahr bis zu 761 Euro. Diesen Preis hat der Verkehrsverbund bei der aktuellen Runde nicht erhöht. Einzelfahrausweise in Berlin werden dagegen zum Jahreswechsel zehn Cent teurer. Die Grünen haben angekündigt, bei einer Regierungsbeteiligung die Preiserhöhung stoppen zu wollen. Die SPD jedoch rechtfertigte die Erhöhung.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, mit Bezug auf Stadtentwicklungssenator Geisel, dass das Sozialticket vom Jobcenter mit 25 Euro bezuschusst werde. Dies ist nicht korrekt. Weder das Jobcenter noch das Land Berlin bezuschusst das Sozialticket zusätzlich.

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