Video: Abendschau | 08.11.2016 | Florian Eckardt | Studiogespräch

Warnung vor sozialen Brennpunkten - Wohnungsunternehmen kritisieren rot-rot-grüne Pläne

Die künftige Berliner Koalition will zehntausende neue landeseigene Wohnungen schaffen, die Hälfte davon soll an einkommensschwache Mieter gehen. Doch der Verband der Wohnungsunternehmen mahnt: der Mittelstand dürfe nicht vergessen werden.

Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) hat die Weichenstellungen der künftigen rot-rot-grünen Koalition in Berlin bei der Wohnungspolitik kritisiert.

Wie der Sprecher des Verbands, David Eberhart, am Dienstagabend im rbb sagte, beziehen sich die Sorgen des BBU auf die ausreichende Versorgung mit Bauland und die geplante massive Ausweitung der Bürgerbeteiligung bei Bauprojekten.

Versorgungsauftrag für alle

Eberhart äußerte zudem die Befürchtung, dass angesichts einer geplanten Vergabe von 50 Prozent der neugebauten Wohnungen an Menschen mit Wohnberechtigungsschein der Mittelstand vergessen werde. Die landeseigenen und privaten Wohnungsgesellschaften und die Genossenschaften sollten für alle bauen können und nicht nur für die "unteren 10.000" in der Stadt, sagte Eberhart in der rbb-Abendschau. Man habe einen Versorgungsauftrag für alle, der eingehalten werden müsse.

Eberhart warnte zudem davor, dass durch die konzentrierte Unterbringung von Menschen mit geringem Einkommen in städtischen Wohnungen wieder neue soziale Brennpunkte in Berlin entstehen könnten.

55.000 neue Wohnungen in fünf Jahren

Die landeseigenen Wohnungsgesellschaften verhalten sich zunächst abwartend. "Die Rahmenbedingungen werden wichtig sein", sagte Degewo-Vorstand Christoph Beck dem rbb. Neben den entsprechenden Bauflächen sei auch Eigenkapital notwendig, "um diese ambitionierten Ziele zu erreichen".

30.000 Wohnungen sollen die städtischen Gesellschaften nach den bisherigen Vereinbarungen von SPD, Linken und Grünen in den nächsten fünf Jahren neu bauen, 25.000 weitere zukaufen. Gleichzeitig werden die Einnahmen der Gesellschaften beschnitten.

Mieterverein: Mieten müssen noch sozialer ausgerichtet werden

Die Mieten in den städtischen Wohnungen dürfen nur noch um maximal zwei Prozent jährlich erhöht werden. Und mindestens die Hälfte der neu gebauten Wohnungen soll an einkommensschwache Mieter mit Wohnberechtigungsschein (WBS) gehen – bisher war es ein Drittel.

Der Berliner Mieterverein sieht dieses Vorhaben positiv. "Dass die Mieten bei den städtischen Wohnungsunternehmen stärker gedämpft werden, halten wir für richtig, die müssen noch sozialer ausgerichtet werden, sie können es auch", sagt Geschäftsführer Reiner Wild.

Das könnte Sie auch interessieren