Andreas Wild (AfD) spricht am 26.01.2017 vor dem Berliner Abgeordnetenhaus. / Frank-Christian Hansel am 28.07.2016 beim Wahlkampfauftakt der AfD für die Wahl zum Berliner Abgeordetenhaus (Quelle: imago/Jens Jeske/Gerhard Leber / Montage: rbb|24)

Frank-Christian Hansel gewinnt - Wild verliert Wahl zum Neuköllner AfD-Direktkandidaten

Andreas Wild sieht die AfD als Pegida-Partei, er wollte Neukölln "ausmisten" und als Direktkandidat bei der Bundestagswahl im Bezirk damit Wahlkampf machen. Doch nun gab sein Bezirksverband einem Anderen den Vorzug.

Frank-Christian Hansel soll als Direktkandidat der AfD in Berlin-Neukölln für die Bundestagswahl im September antreten. Wie rbb|24 aus AfD-Kreisen erfuhr, erhielt Hansel beim Bezirksparteitag am Sonntag 60 Prozent der Stimmen.

Einziger Gegenkandidat war demnach der umstrittene Andreas Wild. Er war bis zuletzt als wahrscheinlicher Direktkandidat gehandelt worden.

Hansel gehörte dem Lucke-Flügel an

Hansel ist Mitglied des Berliner Abgeordnetenhaus und Schatzmeister der Berliner AfD. Der Diplom-Politologe war von 1990 bis 1995 SPD-Mitglied, in der Nachwende-Zeit war er kurzzeitig Büroleiter der Magistratskanzlei des Roten Rathauses. Anschließend arbeitete er in der Immobilienbranche. Bis 2012 war er Geschäftsführer der deutschen Filiale eines spanischen Unternehmens, anschließend wurde es aufgelöst.

2013 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Berliner AfD und stieg unter Bernd Lucke rasch zum Bundesgeschäftsführer der Partei auf. Nach Luckes Abgang verlor er diese Position wieder. Er gehört dem wirtschaftliberalen Flügel der Partei an, ist schwul und mit einem Brasilianer verheiratet. Seine Feinde in der Partei sagen ihm nach, er sei sehr pragmatisch und vorrangig an einem Posten interessiert.

Wild sieht die AfD als "Pegida-Partei"

Andreas Wild gehört dagegen dem rechten Flügel der Partei an und steht Björn Höcke politisch nah. Wild trat bei den Pegida-Aufmärschen in Dresden auf, die AfD sieht er als "Pegida-Partei", wie er rbb-Reportern im Rahmen der Dokumentation "Die Stunde der Populisten" sagte. Als politisches Ziel erklärte er, dass er Neukölln "ausmisten" wolle. Damit meine er das "schwierige Unterfangen" dafür zu sorgen, "dass wir in Neukölln wieder eine deutsche Bevölkerung haben müssen."

Auch innerparteilich ist Wild umstritten. Anfang Juli trat der Neuköllner Stadtrat Bernward Eberenz aus der AfD aus. Er begründete dies mit der geplanten Nominierung Wilds. In einer persönlichen Erklärung teilte Eberenz mit, durch den Direktkandidaten würden Positionen repräsentiert, die er als unvereinbar mit seinen politischen Überzeugungen sehe.

Die Parteien haben noch bis Montag, 17. Juli, Zeit, ihre Wahlvorschläge und Landeslisten einzureichen. Dann endet die Frist für die Bundestagswahl am 24. September.

Kommentar

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8 Kommentare

  1. 8.

    Das liegt wohl eher daran dass diese "Partei" immer im richtigen Moment "Kreide frisst" und darauf hofft dass die Leute dann Sprüche wie sie auch von Hr. Goebbels hätten stammen können schnell vergessen oder gar deswegen wählen.

    Eben Populisten der übelsten Art.

  2. 7.

    Wer glaubt, dass es einem AfDler möglich ist in Neukölln als Direktkandidat in den Bundestag gewählt zu werden, hat NULL Ahnung, wie Politik und Wahlen funktionieren. Es hat ganz andere Gründe, warum ein Herr Wild in letzter Sekunde noch ausgetauscht wurde. Wild hätte in seiner Art womöglich noch einen Bürgerkrieg in Neukölln vom Zaun gebrochen. Das will niemand, das braucht niemand. Deswegen war es gut und richtig, ihn als Direktkandidaten auszuschalten.

  3. 6.

    Das 'Ausgrenzen einer ganzen Religion' allein macht die AfD mMn. verfassungsfeindlich. Da ist das Tolerieren eines bekennenden Antisemiten innerhalb der Partei nur ein weiteres 'Sahnehäubchen' neben dem propagierten Revisionismus oder dem 'Aussortieren von ungenehmen Journalisten nach Art des Poggenburgs'.

    Sicherlich kann man solch ein Gebaren als 'demokratisch' ansehen.
    Ich kann auch mein Haus himmelblau anstreichen und dann sagen, es wäre regenbogenfarben.

    "was ja wohl noch als demokratisch angesehen werden kann" ...
    das klingt für mich stark nach "das wird man ja wohl noch sagen dürfen!".
    Es gibt nun mal Aussagen, die man eben nicht "wohl mal sagen darf".

  4. 5.

    Teile der AfD sind definitiv nicht demokratisch oder wie würden sie das braune Gedankengut eines Poggenburg oder Höcke definieren?

    Angst vor der AfD? Nein.

    Aber wer braucht schon eine Partei von Postenschacherern, der frustierten Rechtspopulisten und Nazi-light Anhängern?

  5. 4.

    Sehe das anders als Sie, bin über Jahrzehnte CDU Wähler gewesen und weil es eben solche Demokratischen Regeln nicht mehr bei der CDU gab,, nur noch Durazell Dauerklatscher Verein, bin ich für die AFD, was ja wohl noch als demokratisch angesehen werden kann

  6. 3.

    Ich sehe auch keinen Unterschied. Der Punkt ist, dass diese Partei mal mit der Aussage angetreten ist, sie würde sich von den Etablierten unterscheiden. Und viele Anhänger glauben das auch noch. Dabei hat diese Partei und ihre Politiker bewiesen, dass sie zumindest den negativen Teil des Politikgeschäftes längst verinnerlicht hat: Es geht um Posten, Macht und Geld. Sie sind wie die Etablierten. Warum sollte man dann dieser Partei in den anderen Punkten (ver)trauen? Zum Beispiel (Wahl)Versprechen?

    PS: Wieviel Abgeordnete des Abgeordnetenhauses, die erst letzten Herbst gewählt wurden, kandidieren nun für den Bundestag?

  7. 2.

    >> Nun strebt man mit dem Bundestag schon die nächste Gehaltsstufe an. Alles für das Volk.<<
    . Also ich sehe keinen Unterschied zu den bisher "Etablierten", lediglich eine demokrat. Ergänzung.
    . Eine weitere Gehaltsstufenerhöhung ist möglich, der Wechsel von Politik in die Wirtschaft.
    P.S.: AfD-Leute verhalten sich ähnlich wie die "Etablierten". Wieso also Angst vor Denen haben ?!

  8. 1.

    Vor nicht mal einem Jahr in das Berliner Abgeordnetenhaus wählen lassen. Nun strebt man mit dem Bundestag schon die nächste Gehaltsstufe an. Alles für das Volk.

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