Flugplatz Eberswalde-Finow (Quelle: rbb)
Audio: Inforadio | 11.08.2017 | Thomas Rautenberg

Im Falle eines Weiterbetriebs von TXL - Brandenburger Flughafenbetreiber prüft Klage gegen Tegel

Um den Weiterbetrieb von Tegel wird heftig gestritten. Jetzt schaltet sich der Betreiber des Flugplatzes Eberswalde-Finow ein: Ein Ausbau zum Verkehrsflughafen als Ergänzung zum BER sei hier kein Problem. Er kündigte eine Klage an, sollte Tegel offen bleiben. Von Thomas Rautenberg

Auf dem Flugplatz in Eberswalde-Finow, rund 55 Kilometer nordöstlich von Berlin, können Tag und Nacht Maschinen landen. Er ist mit Auto und Bahn sehr gut zu erreichen – und doch hat ihn kaum jemand auf dem Schirm, wenn über einen möglichen Ergänzungsflughafen für den jetzt schon zu kleinen BER in Schönefeld diskutiert wird. Dabei sollte hier einst ein Regional- und Ausweichflughafen für die Hauptstadt entstehen – eine Übereinkunft mit Ryanair gab es bereits.

Reinhard Otto ist Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Tower Finow GmbH (Quelle: rbb/Thomas Rautenberg)
Reinhard Otto, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft des Flugplatzes Eberswalde-Finow

Im Jahr 2002 hatte die Tower Finow GmbH das ehemalige Militärfluggelände gekauft. Beim Eigentümerwechsel gab es seinerzeit nur eine Bedingung des Landes Brandenburg. "Die Maßgabe war, dass wir diesen Landplatz zu einem Regionalflughafen für die allgemeine Luftfahrt und den Linienverkehr innerhalb Deutschlands und Europas entwickeln", berichtet Reinhard Otto, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft.

Bestnoten für den Standort Eberswalde

500.000 Euro hat die Gesellschaft in die Planungen dieses überregionalen Flughafens investiert. Ein neuseeländisches Investorenkonsortium kam an Bord. Es wollte den Ausbau des Airports für knapp 100 Millionen Euro vornehmen. Das notwendige Raumordnungsverfahren wurde in allen Punkten mit Bestnoten absolviert: Der Standort erwies sich als geeignet. Vor allem beim Lärmschutz konnte Eberswalde-Finow punkten. Denn in den An- und Abflugrichtungen liegen keine Siedlungsgebiete, deren Bewohner geschützt werden müssen. Sogar der Nachtflugbetrieb wäre möglich.

Flughafen Finow (Quelle: rbb|24)
Standort des Flugplatzes Eberswalde-Finow (Quelle: rbb|24)

Gegenwind aus Berlin und Brandenburg

Doch dann gab es plötzlich Gegenwind. "Das einzig negative Gutachten kam aus Berlin. Der Senat hat gesagt, in Eberswalde-Finow dürfe kein Konkurrenzflughafen zum Single-Airport BER in Schönefeld entstehen", erinnert sich Otto.

Für den geplanten BER wäre Eberswalde-Finow genau das gewesen: Konkurrenz. Schließlich wollte Ryanair als einer der großen Billigflieger hier seine Basis errichten, erzählt Otto und zieht einen dicken Ordner mit Unterlagen aus dem Regal. "Die haben sich den Platz angeschaut und die Anflugbedingungen genau analysiert. Und sie haben auch die Anbindung an die Verkehrsinfrastruktur überprüft", erinnert sich der Flugplatz-Betreiber und weist auf die Papiere: "Und dann haben sie gesagt, dass ist der ideale Ergänzungsflughafen für Billigflieger."

Am 31. August 2009 unterschrieben Flughafenbetreiber und Airline eine Übereinkunft über die Abfertigung von jährlich 3,5 Millionen Passagieren. Doch das Papier war schon bald Makulatur: Die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg änderten den so genannten Landesentwicklungsplan. Jetzt sollte kein weiterer Flughafen neben dem Single-Airport BER mehr entstehen. Standorte wie Eberswalde-Finow oder Neuhardenberg wurden zu Landeplätzen für Sport- und Geschäftsflieger degradiert. Auch Reinhard Otto musste sich fügen.

Otto prüft Schadensersatzklage bei Offenhaltung Tegels

Wenn mit Tegel in der Region nun doch ein zweiter Flughafen dauerhaft bestehen bliebe, wäre das für den Betreiber von Eberswalde-Finow nicht akzeptabel. "Das wäre ein weiterer Wortbruch. Man hatte ja damals gesagt, dass Tegel geschlossen wird, ist eine Bedingung. Und wenn man diese Bedingung nicht einhält, dann ändert man natürlich auch die Bedingungen für die umliegenden Flugplätze", sagt Otto und holt tief Luft: "Und dann werden wir natürlich prüfen, ob wir nicht auf Schadensersatz klagen."

Die rund zweieinhalb Kilometer lange Startbahn in Eberswalde-Finow existiert noch. Zwar ist sie zum Teil mit Solarmodulen überbaut, doch das ließe sich wieder rückgängig machen, so Otto. "Wenn die Politik es will, könnte der Standort immer noch zu dem werden, was er längst sein sollte: Ein Ausweich- und Ergänzungsflughafen mit einer dritten Start- und Landesbahn für die Hauptstadtregion", sagt der Flugplatz-Betreiber.

Geschichte des Flugplatzes Eberswalde-Finow

  • Ende der 1930er Jahre begann der Ausbau des Landeplatzes Eberswalde für die militärische Nutzung.
  • Im April 1945 übernahmen die sowjetischen Streitkräfte das Areal und nutzten es bis zum Abzug im Mai 1993. Zuletzt waren dort MiG-29-Kampfflugzeuge stationiert. Die Start- und Landebahn wurde während der militärischen Nutzung für den Flugbetrieb rund um die Uhr ausgebaut auf eine Länge von 2.520 Metern.
  • Im Jahr 2002 kaufte die Tower Finow GmbH das inzwischen stillgelegte Militärgelände vom Land Brandenburg mit der Maßgabe, einen Regionalflughafen zu entwickeln.

Vergleich Tegel vs. Eberswalde-Finow

Tegel ist der Flughafen der Herzen: Nach aktuellen Umfragen würden knapp 70 Prozent der Berliner beim Volksentscheid für den Weiterbetrieb des Altflughafens stimmen. Den Flugplatz Eberswalde-Finow hat dagegen kaum jemand auf dem Plan. Dabei galt der Landeplatz nördlich von Berlin mal als potentieller Ausweich-Flughafen für den BER in Schönefeld.

Tegel und Eberswalde sind zwar schwer miteinander zu vergleichen. Wir schauen trotzdem mal, was für den einen oder für den andere Flughafen spräche:

Tegel vs. Eberswalde-Finow

  • Landebahnen

  • Kapazität

  • Erreichbarkeit

  • Kosten

  • Schallschutz und Nachtflug

Beitrag von Thomas Rautenberg

Kommentar

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15 Kommentare

  1. 15.

    Es ist immer wieder erstaunlich wie schlecht Journalisten recherchieren. Es ist zwar richtig, dass Herr Otto Geschäftsführer der Baukontrakt GmbH ist, die wiederum der Eigentümerin und die Betreiberin des Verkehrslandeplatzes Eberswalde-Finow ist. In den Bilanzen der Baukontrakt und im Grundbuch der Flugplatzflächen findet sich allerdings erstaunliches. Die Eigentümerschaft des Flugplatzes reicht heute bis in die DomRep. Die Journalisten hätten auch prüfen können, dass Herr Otto aus dem Verkauf von erheblichen Teilen des Flugplatz-Geländes zur Bebauung mit einem der größten Photovoltaik-Anlage des Landes Brandenburgs erhebliche Summen aus dem Grundstücksverkauf erlöst hat. Ein Schadensersatzanspruch halte ich demzufolge für völlig ungerecht und zeigt, dass hinter Herr Otto sich regionale und internationale Spekulanten befinden.

  2. 14.

    Antwort an die ferne, in sich FDP/Berlin: Gestern war gestern! Wie verlogen darf man sein? Berlin ist nicht mehr geteilt. Ja richtig Berlin braucht einen zweiten Flughafen, wenn denn jemals der BER eröffnet wird. Nennt man Zwickmühle/Dilemma.

  3. 13.

    Eine kluge Idee aus Finow, sich gegen dumme, rein politische Entscheidungen einmal zur Wehr zu setzen und sich "in Erinnerung" bringen.

  4. 12.

    "ins Ausland schauen, da haben oder bauen diverse Städte bereits ihren 3. Airport."

    London baut seinen sechsen.

  5. 11.

    Nehmen wir München Flughafen 'Franz-Josef-Strauß', 28 km (!) vor der Stadt und zweitgrößtes Flugkreuz (!) nach Frankfurt am Main in Deutschland. München-Riem in der Stadt hatte keine Berechtigung. Erst einmal gab es dort ein murren, nun ist alles okay. Tegel gehört geschlossen, ohne wenn und aber. Der Ausbau zum Wissenschaftsstandort hat zu erfolgen. Dies hat Berlin dringend nötig - siehe sehr erfolgreiches Adlershof. Ein 24-Stunden-Flughafen Eberswalde-Finow für Berlin-Brandenburg als zweiten Flughafen ist doch genial. Schafft dort Arbeitsplätze und bringt uns Berlinern Ruhe. Es muss natürlich auch so eine flotte Verbindung geben, wie zum 'Franz-Josef'. Aber da sehe ich hier nichts.

  6. 10.

    Nach meinem Kenntnisstand liegt Schönefeld auch in Brandenburg!
    Eine Schließung von Tegel bedeutet im Klartext, dass Berlin danach über keinen eigenen Flughafen verfügt.
    Man sollte einmal die politischen Scheuklappen abnehmen und ins Ausland schauen, da haben oder bauen diverse Städte bereits ihren 3. Airport.

  7. 9.

    Tegel wird hinsichtlich des Schallschutzes nur mit Ausnahmegenehmigung betrieben (Lex-Tegel). Sobald die Befristung der Nutzung entfällt, entfällt auch die Rechtsgrundlage eines Weitetbetriebes. Das dann erforderliche Planfeststellungsverfabren wird negativ ausgehen, da Tegel in seiner heutigen Form nicht genehmigungsfähig ist.
    Alle gegenteiligen Behauptungen sind populistisches Wunschdenken bzw. zynische Fakenews.
    Ebetswalde Finow dagegen ist eine reale Option - im Gegensatz zu Tegel sogar genehmiguungsfähig und bezahlbar.
    Christoph Fischer, Stadtplaner u. Architekt.

  8. 8.

    Es geht hauptsächlich um ein Arbeitsplatzbeschaffungsprogram für eine abgelegene Region im Land Brandenburg auf Kosten Berlins. Die Flughafenmitarbeiter, die bei einer Schliessung Tegels ihren Job verlieren würden, können schlecht nach Finow pendeln. Daher werden einige tausend Arbeitsplätze in Eberswalde entstehen, die aber in Berlin wegfallen. Gleichzeitig werden dann in Berlin weniger Steuern gezahlt, die dann in Eberswalde anfallen.
    Die Passagiere werden aber hauptsächlich aus Berlin kommen.

    Das Gleiche gilt für andere Brandenburger Flughafenprojekte, wie Königs Wusterhausen oder Sperenberg.

  9. 7.

    Also mir reicht ein Flughafen für die Region.

  10. 6.

    Eberswalde sollte als Alternative zu Tegel unbedingt ernsthaft geprüft werden!

  11. 5.

    Eberswalde-Finow ist eine denkbare Alternative, die jedenfalls unter rechtlichen Gesichtspunkten realistischer sein dürfte.

    Viel Spaß für die nächsten Berliner Landesregierungen, falls tatsächlich eine Offenhaltung Tegels ins Visier genommen werden sollte! Jahrelange Rechtsstreitigkeiten mit ungewissem Ausgang wären die Folge. Die Kosten hierfür und die damit für viele direkt und indirekt Betroffene verbundene Planungsunsicherheit hat bisher niemand beziffert.

  12. 4.

    Das "Single Airport Konzept" verhindert sowohl Tegel wie Eberswalde, das ist also gar kein Gegensatz. Wenn man sich von diesem Konzept verabschieden würde, könnten beide bestehen bzw. im Fall Eberswalde ausgebaut werden. Und es gibt noch mehr Kandidaten.

  13. 3.

    Nochmal: da gibt es überhaupt keine Diskussion - der Flughafen Tegel gehört geschlossen !!! Nach all den Verzögerungen sowieso und zwar sofort, wenn der neue Flughafen öffnet. So wurde es vereinbart und so muß es auch umgesetzt werden. Ansonsten brauchen wir uns überhaupt nicht weiter um irgendwelche Abmachungen zu halten, wenn sowieso alles wieder nach gutdünken geändert wird.

    Lasst das Thema aus dem Wahlkampf heraus verdammt noch mal !!! Das geht sonst nach hinten los !

  14. 2.

    Die Gerichte werden wohl viel zu tun bekommen, wenn sich die Tegel-Nostalgiker durchsetzen. Damit aber auch die Anwälte, und das dürfte ja ganz im Interesse der Klientelpartei FDP liegen.

  15. 1.

    Würde sich bitte endlich jemand der sogenannten Experten des Pro und Contra TXL die Mühe machen aufzuzeigen, welche tatsächlichen Belastungen auf Berliner/innen (je nach Wohnbezirk) zukommen, die mit privaten und/ oder öffentlichen Verkehrsmitteln Flughäfen außerhalb Berlins erreichen möchten. Und dies selbstverständlich auch unter dem Aspekt des Art. 20 (Mobilität) der UN-Behindertenrechtskonvention.

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