
- Die Holtzendorffs in Wilsickow heute
Nach der Wende gab es in Wilsickow Vorbehalte gegenüber der Adelsfamilie. Einige Bewohner wollten nicht, dass die "Wessis" alles aufkauften und das Gut wieder auferstehe, erzählt der ehemalige Bürgermeister Dieter Völker.
Er konnte den Gemeinderat überzeugen, das Herrenhaus zu einem bezahlbaren Preis an die Holtzendorffs zu verkaufen. Die Bedingung: Die Gutsherrin verpflichtete sich, das Kinderhaus mindestens 20 Jahre lang zu führen.
Gudrun von Holtzendorff erinnert sich, dass sie bei einem ersten Besuch in Wilsickow mit ihrem Ehemann Joachim Friedrich in den 80er Jahren sofort von einer Familie zum Essen eingeladen wurden. Bei einem Besuch im Konsum, der im Gutshaus untergebracht war, wurde ihr Mann erkannt. Ressentiments von Seiten der Einwohner habe sie persönlich nie gespürt.
Anfangs lebten um die 20 Pflegekinder auf dem Gut. Momentan sind es fünf Kinder und Jugendliche. Unterstützung bieten eine Köchin, eine Putzfrau, ein Hausmeister und zwei pädagogische Kräfte. Der Familie ist es ein Anliegen, Leben in die von Abwanderung betroffene Region zu bringen. Auf dem Gutshof betreiben sie ein Café, regelmäßig finden Konzerte, Hochzeiten oder Seminare statt.
Außerdem veranstaltet Ilsa Sommerfeste, Basare, Weihnachtsmärkte und Seniorentreffen und bietet Jagd- oder Wellnesswochenenden an. Die Pflegekinder arbeiten auf dem Gut und im Café mit, eine Kombination, die funktioniert: Sie fühlen sich nicht gettoisiert, sondern leben an einem Ort, an dem andere Urlaub machen. Durch die Mitarbeit erfahren sie Anerkennung und verdienen sich ein Taschengeld.
Im Laufe der Jahre kaufte Ilsa-Marie von Holtzendorff immer weitere Häuser zum Herrenhaus dazu, machte daraus Ferienwohnungen, eine Kneipe und Veranstaltungsräume. Ihr Motto: "Jedes Haus, das ich kaufe, muss ständig bewohnt sein."
Vor kurzem wurde der Kuhstall zu einem Festsaal umgebaut, in dem die Hochzeitfeier von Tochter Elisabeth stattfand. Es war nach 125 Jahren das erste Mal, dass wieder eine von Holtzendorff auf dem Gut heiratete.


