Hintergrund - Wilhelm von Humboldt und die Salondame Henriette Herz

Um 1800 fanden die anregendsten Intellektuellentreffen in den Berliner Wohnungen junger jüdischer Damen statt. Bei diesen Salontreffen galt es, gemeinsam die Bildung der eigenen Persönlichkeit zu pflegen. Nirgendwo sonst in Preußen herrschte eine derartige Freiheit der Gedanken, ein Austausch zwischen den Schichten, Konfessionen und Geschlechtern.

Den ersten Salon Berlins eröffnete 1780 Henriette Herz (1764-1847), bei ihr trafen sich u.a. die Humboldt-Brüder, der Theologe Friedrich Schleiermacher, der Schriftsteller Friedrich Schlegel oder der Schauspieler Carl von La Roche.

Die Gastgeberin zählte zu den schönsten Frauen ihrer Zeit, der erst 16-jährige Wilhelm von Humboldt war einer ihrer glühendsten Verehrer.

"Der Ruf ihrer Schönheit war bald so verbreitet, daß kaum ein ausgezeichneter Mann einen auch nur kurzen Aufenthalt in Berlin machte, ohne die Bekanntschaft der schönen Henriette Herz gesucht zu haben.“
" (aus: Henriette Herz. Ihr Leben und ihre Erinnerungen, 1850).

Diese Salontreffen waren avantgardistische Laboratorien für die Bildungsreformen und zugleich Kunstwelten, fernab der gesellschaftlichen Realität.  Hier erfuhr und lebte Wilhelm von Humboldt erstmals, was zu seinem späteren Ideal wurde: "Der wahre Zweck des Menschen ist die höchste und proportionierlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen" - unabhängig von seiner Herkunft.

Henriette Herz über Wilhelm von Humboldt: "Heute mag es anmaßend klingen, wenn ich es ausspreche, aber ich übte damals, ganz ohne es zu beabsichtigen, eine gewisse Superiorität über ihn. Ich führte ihn gewissermaßen in die Welt ein." (aus: „Henriette Herz. Ihr Leben und ihre Zeit“, 1913).

Wilhelm von Humboldt, Briefe an Henriette Herz (1786-88)

"Sie, theuerste Henriette, mir sind, welchen Einfluß Sie, und das, was sie mir sagen, oder was Sie mir schreiben, auf mich, auf die ganze Stimmung meiner Seele hat; o so glauben Sie mir gewiß, daß ein Brief, wie Ihr letzter, mich ganze Tage von Kummer vergessen macht."

"Ich war eben ausgeritten. Es ist hier im Walde ein kleines, niedliches Birkenthal, abgelegen vom Wege, am Fuße eines ziemlich hohen Berges. Da hab` ich Ihren Namen in eine recht schöne Birke gegraben, und deswegen, und weil man da so still und einsam sitzen kann, besuche ich diesen Ort so oft."

"Lebe nun wohl, meine beste, theuerste Henriette! Gott! Ich liebe Dich unaussprechlich. Du hast mich so glücklich gemacht. Wärest Du es nur halb so sehr auch durch mich geworden! Lebe wohl, traute Freundin, und liebe Deinen W."