- Ferdinand III.
Ferdinand III. wurde am 12. Januar 1871 während des Deutsch-Französischen Krieges bei den Kämpfen um Le Mans schwer verwundet und beendete 1872 als Invalide seine Karriere beim Militär. Um die empfindliche Kopfverletzung zu schützen, trug er zeitlebens eine Art Tropenhelm.
1873 begann Ferdinand III. ein Landwirtschaftsstudium in Halle. 1876 übernahm er das Gut seines verstorbenen Vaters, das bis dahin allein von seiner Mutter geleitet wurde. Ferdinand III. musste seine sechs Geschwister auszahlen, zudem waren die wirtschaftlichen Verhältnisse durch den Deutschen Krieg 1866 und den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 angespannt. Nach dem Gründerkrach von 1873 befand sich das Deutsche Reich in der so genannten "Großen Depression".
Deutsches Getreide stand in Konkurrenz zum billigeren aus Übersee, bis 1890 schwankte das Wirtschaftswachstum stark. Um den eigenen Betrieb zu erhalten und rentabel zu gestalten, begann Ferdinand III. 1881 mit der Züchtung eines anspruchslosen, aber sehr leistungsstarken Roggentyps. Dieser "Petkuser Roggen" wurde in ganz Deutschland sowie Schweden, Polen, Böhmen, Mähren, Österreich, Ungarn und Russland angebaut.
Agrarwissenschaftler Carl Fruwirth (1862-1930) bezeichnete Lochows Zuchtmethode als das "Deutsche Ausleseverfahren".
Friedrich Aereboe (1865-1942), deutscher Agrarökonom, 1920: "Was hat ein Mann wie Ferdinand von Lochow-Petkus der Menschheit an Brot geliefert, indem er durch seine Roggenzüchtung den Ertrag mindestens um ein Fünftel zu heben gewußt hat. Sein Erfolg steht sicher hinter dem Friedrichs des Großen, der die Lupine bei uns eingeführt hat, nicht zurück." (Friedrich II war der Erste, der versuchte, die Bohnensorte Lupine anzubauen – 1781 im nördlichen Deutschland).
Jan Gerriets (1889-1963), Agrarwissenschaftler: "Selten werden wir in den Blättern der Landwirtschaftsgeschichte wieder auf einen Namen stoßen, der in so gewaltigem Ausmaße, und zwar zum Besten der Berufsgenossen, die Landwirtschaft beeinflusste und emporhob wie Ferdinand von Lochow."
Kurt von Rümker (1859-1940), Agrarwissenschaftler bezeichnete Lochow als "Züchter von Gottes Gnaden“, "in dessen Hand sich alles zielklar zur Vollendung formte", es war ein Glück, "daß er ein echter Deutscher und wahrer Edelmann nach Charakter und Wesensart gewesen war, dessen Name unvergänglich in den Tafeln deutscher Wirtschaftsgeschichte und speziell der Landwirtschaft steht".
Ferdinand von Lochow erhielt 1900 auf der Weltausstellung in Paris und 1910 in Brüssel jeweils den ersten Preis ("Grand Prix"). Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft zeichnete ihn mehrmals aus, Kaiser Wilhelm II. beglückwünschte ihn telegrafisch zu seinen Erfolgen. Bruder Ewald hatte durch das Militär Verbindungen zum Kaiser, daher wurden Mitglieder der Familie von ihm auf sein Schloss Cadinen in Ostpreußen eingeladen. Leider gibt es keine Informationen, wie genau der Besuch abgelaufen ist. Einzig ein Familienerbstück, eine Vase, die der Kaiser seinen Gästen schenkte, ist erhalten geblieben (Wilhelm II gründete 1904 eine Keramikwerkstatt, deren Produkte als „Cadiner Kacheln“ bei mehreren Berliner U-Bahnhöfen und anderen repräsentativen Bauten verwendet wurden).
Ferdinand III wurde Ehrendoktor der Uni Halle und Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin. Neben Roggen hatte er zudem u.a. große Erfolge in der Hafer- und Viehzüchtung. Er führte die Milchkontrolle ein. Darüber hinaus unterstützte er auch die Entwicklung der Region, förderte die landwirtschaftliche Ausbildung und initiierte zahlreiche Bauprojekte.
Bruder Ewald schrieb, Ferdinand wuchs "in dem damals so abseits, fast weltverlorenen Petkus im Kreis seiner Geschwister (sechs) heran und durchstreifte mit seinen Spielkameraden aus der Dorfjugend jubelnd und sich tummelnd die Wälder und Felder. Hier lernte er die Geheimnisse der Natur belauschen und ihnen durch Grübeln und Nachdenken nachzuspüren“.
Ferdinand von Lochow soll ein aufrechter und für jedermann zugänglicher Mann gewesen sein. Er vertrat ein einfaches Leben und diese Maxime wurde in der Familie weitergegeben. Die Kinder mussten jeden Morgen im kalten Dorfteich baden und niemals gab es Butter UND Marmelade zum Frühstück. In Ferdinands Umgebung durften die Worte "ich kann nicht" keinesfalls gebraucht werden - "Du kannst, wenn du willst" hieß es. Er äußerte stets seine Meinung, selbst Kaiser Wilhelm II. soll er einmal deutlich widersprochen haben. Ferdinand konnte auch jähzornig werden und fürchterlich auf dem Hof brüllen. Auf der anderen Seite verhielt er sich seinen Mitarbeitern gegenüber gerecht und gütig.
Am 01. Juli 1926, zwei Jahre nach dem Tode des Pflanzenzüchters, wurde feierlich ein Denkmal zu seinen Ehren in Petkus enthüllt (etwa 700 Landwirte waren anwesend). Heute steht der Gedenkstein relativ unscheinbar unter einer Tanne nahe dem Skate-Hotel.
Ferdinand IV. setzte die Arbeit seines berühmten Vaters fort. 1927 besuchte Reichskanzler Hindenburg Petkus. 1930 stammten 90% des Roggens aus Deutschland und 50% weltweit aus Petkus.
Ferdinand IV. starb bereits 1931, seine Frau führte den Betrieb weiter.

