Gräfin zu Lynar und Jörg Thadeusz (Quelle: rbb/Räuberleiter)

- Die Lynars in Lübbenau heute

In den 1980er Jahren versuchten die Lynars über den DDR-Botschafter in Lissabon, ihre alte Heimat zu besuchen – das war jedoch unmöglich. Ende November 1991 erhielten sie schließlich Immobilien in Lübbenau und Dubrau sowie 7000 Hektar Land zurück.

Es war vor allem Gräfin Beatrix, die den Antrieb zur Rückkehr in die Heimat gab. Ihrem Mann Guido Graf zu Lynar wäre es, laut ihrer Aussage, nur recht gewesen, wenn sie dagegen gewesen wäre. Er wollte seine Heimat so in Erinnerung behalten, wie er sie als Kind kennen gelernt hatte. Doch letztlich konnte seine Frau ihn überzeugen, aus dem Schloss ein Hotel zu machen. "Das Ganze hat geklappt, weil ich kein Verhältnis zu Zahlen habe!", sagt die Gräfin heute. Sie sei generell voller Fantasie und Optimismus, ihr Mann Realist, Skeptiker und Kaufmann - zwei sehr entgegengesetzte Persönlichkeiten also.

Die Söhne Frederico und Rochus

Die Söhne Frederico und Rochus waren von der Idee, nach Brandenburg zu gehen, anfangs überhaupt nicht begeistert, denn ihre Heimat hieß Portugal. Graf Frederico entschied sich jedoch schnell um. Ihm war Schloss Lübbenau sofort vertraut, da er es von vielen Fotografien und aus Geschichten kannte. Er brach 1994 sein Studium bei der Bundeswehr ab, um Landwirtschaft zu studieren und zog anschließend mit seiner Frau in das 10 km entfernte Dubrau.

Seine Eltern stießen währenddessen in Brandenburg auf einige Schwierigkeiten. Die Einwohner des Dorfes brachten dem Adel aus dem Westen einiges an Misstrauen entgegen. Das Ehepaar lebte in Lübbenau anfangs in Containern und trotz großer Investitionen in den Umbau des Schlosses blieb der Erfolg zunächst aus.

2001 bat Vater Guido schließlich seinen Sohn Rochus um Hilfe. Der lebte zu dieser Zeit in Brasilien und bastelte an seiner Karriere. Dem Vater zu liebe und in Gedenken an seinen verstorbenen Großvater kündigte er seinen gutbezahlten Job bei einem internationalen Landmaschinenunternehmen und zog nach Lübbenau."

"Meine Freunde haben damals nicht verstanden, warum ich diesen Schritt gemacht habe. Aber ohne meine preußischen Tugenden wäre ich nicht hier. Was sie sind und woher sie kommen - keine Ahnung!".


In der Provinz hielt er es allerdings nicht länger als ein Jahr aus, Lübbenau sei ein "ironiefreie Zone". Er zog nach Berlin und pendelte insgesamt zehn Jahre zwischen Provinz (Arbeit) und Großstadt (Leben). Rochus Graf zu Lynar schaffte es, das Hotel zu einem rentablen Unternehmen zu machen und alle Arbeitsplätze zu erhalten.

Vier-Sterne-Hotel Schloss Lübbenau

Heute ist Schloss Lübbenau ein Vier-Sterne-Hotel mit etwa 70 Mitarbeitern. Mit dem Erfolg und den dadurch gesicherten Arbeitsplätzen stieg die Anerkennung in der Kleinstadt. Inzwischen lebt auch Sohn Rochus in Lübbenau, eine Entscheidung, die er vor allem aufgrund seiner Kinder fällte.

Die Lynars haben noch viele Pläne mit ihrem Anwesen. In der ehemaligen Kanzlei soll bald ein Museum entstehn, das über die Familien- und Stadtgeschichte informiert. Graf Rochus plant, das Schloss um einen Ballsaal zu erweitern. Außerdem schreibt er an einem Buch über seine Familie.

Es gibt eine kulinarische Eigenkreation der Lynars: das Schnitzel Linari. Seit Wilhelm Graf zu Lynar gab es in der Familie sehr oft Pellkartoffeln mit Leinöl und Quark - das konnte bald niemand mehr sehen. Graf Rochus peppte das Ganze mit Schnitzel auf - es sei "der Renner" im Hotel, behauptet er stolz.

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