Hintergrund - Preußen und Nationalsozialismus
Der australische Historiker Christopher Clark sieht Preußen in einem absoluten Gegensatz zum Nationalsozialismus. Preußen stehe für die Hoheit des Staates, für die Idee, dass der Staat die gesamten Interessen der Zivilgesellschaft in sich aufnimmt.
Für die Nazis war das unvorstellbar, sie wollten ein völkisches Gebilde an die Stelle des Staates setzen.
Es gab allerdings auch zahlreiche Junker, die 1933 das Ende der Demokratie begrüßten und eine Affinität zum Nationalsozialismus hatten. Auch sie waren gegen die Republik, gegen den Sozialismus und die organisierte Arbeiterbewegung, mochten den modernen, urbanen Lebensstil, die Juden nicht. Mit den Nationalsozialisten verband sich im Adel die Hoffnung, dass alles beim Alten bleiben würde. Sie wollten zumindest noch Teil der herrschenden Elite bleiben.
Joseph Goebbels sagte: "Wo immer wir Nationalsozialisten auch stehen, in ganz Deutschland sind wir die Preußen." Der Begriff "Preußentum" beinhaltete eine Art Tugendkatalog: Kampfeswille, Gehorsam.
Adelige im Widerstand gegen Hitler
Dennoch engagierten sich viele Adelige im Widerstand gegen Hitler. Henning von Tresckow, einer der führenden Köpfe des 20. Juli, sagte ausdrücklich:
"Wir verabscheuen die Abkoppelung des Gehorsamsbegriffs von einer moralischen Verpflichtung. Das hat es auch im alten Preußen nicht gegeben."
Ihr Vorbild war Johann Friedrich Adolf von der Marwitz, der sich im Siebenjährigen Krieg Friedrich II. widersetzte, indem er sich weigerte das Schloss Hubertusburg in Sachsen zu plündern. Auf seiner Grabplatte steht, er "wählte Ungnade, wo Gehorsam nicht Ehre brachte".
Für die Nazis war es schwierig, den adeligen Widerstand auszuschalten. Es war ein vergleichsweise geschlossenes, kleines Milieu und die Kommunikation verlief informell, unstrukturiert, auf den verschlungenen Wegen von Familie und Verwandtschaft. Man traf sich konspirativ, zum Tee, bei der Jagd, zum Ausritt.

