Hintergrund - Weitere Einwanderungsgruppen und -wellen
1671 gewährte Friedrich Wilhelm von Brandenburg 50 reichen jüdischen Familien, die kurz zuvor aus Wien vertrieben worden waren, Niederlassungsrechte - allerdings zeitlich beschränkt und nur gegen Schutzgelder.
Während andere Siedler allmählich mit der einheimischen Bevölkerung zusammenwuchsen, wurden die Juden auch unter nachfolgenden Herrschern diskriminiert. Sie mussten Sondersteuern zahlen und ihre beruflichen Möglichkeiten waren einschränkt. Dennoch lebten um 1800 etwa 8.000 Juden in Berlin.
Nach der Krönung Friedrich I. 1701 setzte eine erneute Kolonisierungswelle ein: Preußisch-litauische Bauern, französische Schweizer, Nassauer, Pfälzer, Süddeutsche, Magdeburger und Halberstädter kamen ins Land.
1732 nutze Friedrich Wilhelm I. die Vertreibung der im Erzbistum Salzburg lebenden Protestanten. Mit zahlreichen Unterstützungen und Begünstigungen siedelte er rund 20.000 Österreicher in Ostpreußen an.
In Preußen sollte "ein jeder nach seiner Façon selig werden"
Friedrich der Große propagierte eine Einwanderungspolitik, verbunden mit religiöser Toleranz. In Preußen sollte "ein jeder nach seiner Façon selig werden" (Juden wurden jedoch weiterhin diskriminiert). Durch Kriege veränderte sich die Bevölkerungsstruktur in Preußen sehr oft. Nach den Schlesischen Kriegen (1740-42 und 1744/45) oder dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) mussten Zuwanderer eingegliedert werden.
Außerdem besiedelte Friedrich II. bis 1761 Schlesien und die Neumark in Brandenburg. Dafür ließ er beispielsweise den Oderbruch von 1747 bis 1753 trockenlegen. Die ca. 1.300 neuen Siedler kamen aus Pommern, Sachsen, Schwaben, Franken, dem Vogtland, Polen und Böhmen sowie der gesamten Mark.
1815 waren ungefähr die Hälfte der Einwohner eine Generation zuvor noch nicht Preußen gewesen.
Mit der Großen Depression begann eine Ost-West-Wanderung. Die Landarbeiter von den ostelbischen Gütern zogen nach Westdeutschland. In der Folge fehlten den Großbauern in Ostpreußen Arbeitskräfte. So kam es zu einer verstärkten Zuwanderung von Polen in die Ostprovinzen. 1871 betrug der polnische Bevölkerungsanteil in der Provinz Posen 57,2 Prozent, 1910 60,9 Prozent.

