- Bundespräsident Theodor Heuss über Marwitz
In seiner Rede zum 10. Jahrestages des Attentats auf Hitler am 19. Juli 1954 in der Freien Universität Berlin erwähnte Bundespräsident Theodor Heuss Marwitz' Geschichte.
"Aber es gibt Gehorsamsverweigerungen, die einen historischen Rang besitzen. Ich darf eine erzählen, der Hinweis eines Freundes hat sie mir vor geraumer Zeit in die Erinnerung zurückgerufen, sie war mir in den Niederschriften des Ludwig von der Marwitz schon einmal begegnet. Man wird mir, hoffe ich, nicht zu sehr verübeln: der Begriff des Preußischen wird seit einiger Zeit zu sehr strapaziert, aber davon will ich nicht breiter reden.
Aber wenn irgendwo, dann steht Preußens Denkmal, das Wort als moralischer Begriff, der dann zugleich eine menschliche Haltung zeigt, in einer Dorfkirche der Mark Brandenburg, zu Friedersdorf. Die Geschichte ist diese: Als die Sachsen in dem hin- und herwogenden Siebenjährigen Krieg königliche Sammlungen in Charlottenburg geplündert hatten, gab Friedrich, nach dem Wechsel der Kriegslage, dem Kommandeur des Regiments Gensdarmes den Befehl, ein Schloss des sächsischen Staatsministers Graf Brühl zu plündern.
Marwitz wies den Befehl zurück, der eines Kommandeurs dieses Regiments nicht würdig sei, und schied aus. Der König wollte ihn wiederhaben, aber er weigerte sich. Auf dem Stein in Friedersdorf aber steht, der Neffe setzte ihn:
Sah Friedrichs Heldenzeit und kämpfte mit ihm in allen seinen Kriegen, wählte Ungnade, wo Gehorsam nicht Ehre brachte'.
So mag das Preußische, Preußens 'Gloria', als moralische Substanz begriffen werden. 'Nicht Ehre brachte'? Ist 'die Ehre' ein Ziel, zu dem man strebt? Nein, sie ist eine Gegebenheit, die man achten soll, um sie nicht zu verlieren."

