Der Befehlsverweigerer - Johann Friedrich Adolf von der Marwitz
Jahrhunderte lang wählten viele männliche Nachkommen der Familie von der Marwitz eine Militärlaufbahn, mehrere Hundert wurden Offiziere im preußischen Heer, davon erreichten 14 den Rang eines Generals.
Johann Friedrich Adolf von der Marwitz (1723-1781) war Mitglied des Regiments Gensdarmes und stieg dort zum Major auf. Fontane schrieb über ihn:
"Er war ein sehr braver und in großer Achtung stehender Soldat, ein feiner und gebildeter Weltmann, ein Freund der Literatur und der Kunst. Der große König schätzte ihn hoch, besonders auch, weil er das Regiment Gensdarmes fast den ganzen Siebenjährigen Krieg hindurch, statt des eigentlichen Kommandeurs, Grafen von Schwerin, mit dem größten Sukzeß geführt hatte."
1761 im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) eroberten die preußischen Truppen das kurfürstliche-sächsische Jagdschloss Hubertusburg bei Leipzig. König Friedrich II. schenkte es Marwitz, mit dem Auftrag, es zu plündern (dies sollte die Rache des Königs für die Plünderung des Schlosses Charlottenburg im Jahre 1760 durch Russen, Österreicher und Sachsen sein). Doch Marwitz weigerte sich mit den Worten:
"Es würde sich allenfalls für den Offizier eines Freibataillons schicken, nicht aber für einen Kommandeur Seiner Majestät Gensdarmes".
Er fiel in Ungnade und forderte seinen Abschied aus der Armee. Der König verweigerte ihm diesen zunächst, da er einen derart renommierten Offizier nicht verlieren wollte. Doch Johann Friedrich streikte, blieb ein Jahr lang zu Hause. Alle Zugeständnisse des Königs und Angebote für ein neues Regiment, konnten ihn nicht überzeugen. Er entgegnete, was geschehen sei, könne der König nicht ungeschehen machen.
Schließlich erhielt er 1769 mit 46 Jahren seinen Abschied. Anschließend pflegte Marwitz wohl einen „glänzenden Müßiggange, den er nunmehr mit derselben Konsequenz und Energie wie früher seine soldatischen Tugenden durchführte“.
Er widmete sich vor allem dem Spiel und gewann dem preußischen Offizier Quintus Icilius partienweise alle Bücher ab, die dieser anstelle von Marwitz bei der Plünderung des Schlosses Hubertusburg ergattert hatte. Eine neue Anstellung erhielt Johann Friedrich erst im Bayerischen Erbfolgekrieg 1778/79 als Generalkriegskommissar des Königsbruders.
Um das geerbte Gut in Friedersdorf kümmerte er sich wenig, verweilte lieber in Berlin bei seinen Büchern und Gemälden. Dort starb Marwitz unvermählt 1781. Laut seinem Neffen Friedrich August Ludwig war er völlig insolvent. Auf den Grabstein ließ der Neffe schreiben:
"Sah Friedrichs Heldenzeit und kämpfte mit ihm in all seinen Kriegen. Wählte Ungnade, wo Gehorsam nicht Ehre brachte“. Die Grabplatte befindet sich in der Kirche in Friedersdorf.
Die Inschrift wird bis heute gern von verschiedenen politischen Lagern benutzt, um die Entscheidung des Einzelnen über den Befehl und gegen Obrigkeitsdenken und Gewaltherrschaft darzustellen. So wurde Johann Friedrich von der Marwitz von den Verschwörern des 20. Juli oft als Vorbild genannt.

