Der Reformgegner - Friedrich August Ludwig von der Marwitz
Friedrich August Ludwig von der Marwitz (1777-1837) begegnete als Kind zweimal Friedrich dem Großen. Über das erste Zusammentreffen nahe Friedersdorf schrieb er: "Ich war nun höchstens eine Elle weit vom König entfernt, und es war mir, als ob ich den lieben Gott ansähe."
Die Zeit unter Friedrich II. beschrieb er später mit den Worten "Im Herzen Pflichtgefühl und Treue, für den eigenen Leib keine Sorge".
Bereits mit 13 Jahren trat Marwitz beim preußischen Regiment Gensdarmes ein, kämpfte in den Napoleonischen Kriegen und wurde zum hochgeachteten Generalleutnant.
Er war der Auffassung, dass das Leben des Kriegers das schönste und der Krieg der Prüfstein des Mannes sei. Kurz vor seinem Tod vermerkte er:
"Zu vieles Lernen ertötet den Charakter. Im Kriege nur fallen all die Künste weg, welche den Schein an die Stelle des Verdienstes setzen. (…) Nur hier kann man mit Sicherheit auf den Charakter des Mannes schließen."
Marwitz 1827 aus der Armee austrat, ließ ihn Friedrich Wilhelm III. rufen, um ihn persönlich zu verabschieden. Der König reichte ihm die Hand mit den Worten:
"Mir sehr leid getan, einen so ausgezeichneten General zu verlieren. Mir sehr wohl bekannt, immer nach Grundsätzen gehandelt haben", berichtete Fontane in Wanderungen durch die Mark Brandenburg.
Zeit seines Lebens war Friedrich August Ludwig politisch aktiv und strikt gegen die Preußischen Reformen (1807 bis 1814), die Freiherr vom und zum Stein und Fürst von Hardenberg (ab 1810 Staatskanzler) nach der verlorenen Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 initiiert hatten. Er sah darin eine Gefahr für die Privilegien des Adels und den vom Adel gestützten preußischen Staat.
Als Landtagsmarschall im brandenburgischen Provinziallandtag avancierte Friedrich August zu einem der Führer der adeligen Opposition. Er war gegen die Abschaffung der Erbuntertänigkeit der Bauern und die steuerliche Gleichstellung aller Staatsbürger. Marwitz wollte nicht, dass auch Bürgerliche Adelsgüter erwerben können, denn er fürchtete, dass sein Stand vom aufstrebenden, finanzkräftigeren Bürgertum verdrängt würde. Zudem sollten alle Offiziersstellen und die gesellschaftliche Vormachtstellung weiterhin dem Adel gehören.
Während Marwitz den Freiherrn von und zum Stein zumindest respektierte, hasste er Hardenberg inständig, "dieser war ihm ein Gegenstand entschiedenster Abneigung, seine ganze Natur lehnte sich gegen ihn auf", war sich Theodor Fontane sicher.
Im Juli 1811 ließ Hardenberg über das Kammergericht seinen Kontrahenten zu "warnendem Exempel" verhaften - ohne Verhör oder Gerichtsverhandlung. Nach fünf Wochen kam Marwitz jedoch wieder frei, auch aufgrund des Einsatzes des Kronprinzen (des spätere Friedrich Wilhelm IV). Nach Friedersdorf kehrte er nicht gedemütigt, sondern in seinem Selbstbewusstsein gestärkt zurück:
"Ich genoß seitdem eine weit verbreitetere Achtung und ward von allen Erbärmlichen geflohen als einer, in dessen Nähe man sich leicht verbrennen kann.“
Durch zahlreiche Denkschriften und Reden versuchte er, seine Standesgenossen zum Widerstand zu ermuntern. Vor allem dieser unermüdliche Einsatz für seine Überzeugung und Ideen brachte ihm die Bewunderung Fontanes ein:
"Die Marwitze haben dem Lande manchen braven Soldaten, manchen festen Charakter gegeben, keinen aber braver und fester, als Friedrich August Ludwig von der Marwitz, dessen Auftreten einen Wendepunkt in unserem staatlichen Leben bedeutet. Erst von Marwitz´ Zeiten ab existiert in Preußen ein politischer Meinungskampf."
Der Schriftsteller machte Marwitz zum Vorbild für die Figur des Berndt von Vitzewitz in dem Roman "Vor dem Sturm" (1812/13).
Auf seinem Gut in Friedersdorf, das er nach dem Ausscheiden aus der Armee bis zu seinem Tod bewirtschaftete, herrschte Friedrich August Ludwig sehr streng, körperliche Auseinandersetzungen mit seinen Angestellten waren keine Seltenheit. Seine Meinung über Bauern im Allgemeinen war äußerst geringschätzig:
„es wäre schwer zu entscheiden, ob die Selbstsucht oder die Faulheit in diesem Karackter prädominiert“.
Auch das Bürgertum, insbesondere "die Gebildeten" konnte Marwitz nur schwer respektieren. Selbst Goethe, dem Friedrich August 1806 in Weimar begegnete, wurde von ihm in Haltung und Erscheinung als nicht ebenbürtig erachtet:
"Er war ein großer, schöner Mann, der, stets im gestickten Hofkleide, gepudert, mit einem Haarbeutel und Galanteriedegen, durchaus nur den Minister sehen ließ und die Würde seines Ranges gut repräsentierte, wenngleich der natürlich freie Anstand des Vornehmen sich vermissen ließ."
Marwitz hatte Angst, lebendig begraben zu werden und hinterließ daher sehr genaue Anweisungen bezüglich seiner Bestattung. Die Leiche sollte "in einem luftigen Zimmer" liegen, bis "sich deutliche Spuren von Verwesung zeigten", erst dann durfte sie bestattet werden. Er wollte in seiner "vollen Generals-Mundierung nebst Orden" begraben werden, sein Säbel sollte während des Trauergottesdienstes auf einem Kissen neben dem Sarg liegen. Auch zur Begräbniszeremonie, Prozessionsordnung im Trauerzug usw. gab es minutiöse Vorschriften, an die man sich auch hielt.

