Der Reformgegner - Friedrich August Ludwig von der Marwitz
Friedrich August Ludwig von der Marwitz (1777-1837) begegnete als Kind zweimal Friedrich dem Großen. Über das erste Zusammentreffen nahe Friedersdorf schrieb er: "Ich war nun höchstens eine Elle weit vom König entfernt, und es war mir, als ob ich den lieben Gott ansähe."
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Durch zahlreiche Denkschriften und Reden versuchte er, seine Standesgenossen zum Widerstand zu ermuntern. Vor allem dieser unermüdliche Einsatz für seine Überzeugung und Ideen brachte ihm die Bewunderung Fontanes ein:
"Die Marwitze haben dem Lande manchen braven Soldaten, manchen festen Charakter gegeben, keinen aber braver und fester, als Friedrich August Ludwig von der Marwitz, dessen Auftreten einen Wendepunkt in unserem staatlichen Leben bedeutet. Erst von Marwitz´ Zeiten ab existiert in Preußen ein politischer Meinungskampf."
Der Schriftsteller machte Marwitz zum Vorbild für die Figur des Berndt von Vitzewitz in dem Roman "Vor dem Sturm" (1812/13).
Auf seinem Gut in Friedersdorf, das er nach dem Ausscheiden aus der Armee bis zu seinem Tod bewirtschaftete, herrschte Friedrich August Ludwig sehr streng, körperliche Auseinandersetzungen mit seinen Angestellten waren keine Seltenheit. Seine Meinung über Bauern im Allgemeinen war äußerst geringschätzig:
„es wäre schwer zu entscheiden, ob die Selbstsucht oder die Faulheit in diesem Karackter prädominiert“.
Auch das Bürgertum, insbesondere "die Gebildeten" konnte Marwitz nur schwer respektieren. Selbst Goethe, dem Friedrich August 1806 in Weimar begegnete, wurde von ihm in Haltung und Erscheinung als nicht ebenbürtig erachtet:
"Er war ein großer, schöner Mann, der, stets im gestickten Hofkleide, gepudert, mit einem Haarbeutel und Galanteriedegen, durchaus nur den Minister sehen ließ und die Würde seines Ranges gut repräsentierte, wenngleich der natürlich freie Anstand des Vornehmen sich vermissen ließ."
Marwitz hatte Angst, lebendig begraben zu werden und hinterließ daher sehr genaue Anweisungen bezüglich seiner Bestattung. Die Leiche sollte "in einem luftigen Zimmer" liegen, bis "sich deutliche Spuren von Verwesung zeigten", erst dann durfte sie bestattet werden. Er wollte in seiner "vollen Generals-Mundierung nebst Orden" begraben werden, sein Säbel sollte während des Trauergottesdienstes auf einem Kissen neben dem Sarg liegen. Auch zur Begräbniszeremonie, Prozessionsordnung im Trauerzug usw. gab es minutiöse Vorschriften, an die man sich auch hielt.

