Erst nach dem Mauerfall begannen die Eltern von Hans-Georg über die alte Heimat zu reden. Er sagt, sie seien plötzlich wie elektrisiert gewesen und erinnert sich an ein Mittagessen, bei dem sein Vater die Fassung verlor.
Preußen - das ist Obrigkeitsstaat, militärische Disziplin und unbedingter Gehorsam. Doch nicht jeder Befehl wurde treu ergeben ausgeführt, auch die preußischen Herrscher mussten mit widerständigen Staatsbürgern rechnen. Die Familie von der Marwitz brachte einige solcher Querköpfe hervor.
In Friedersdorf steht Hans-Georg von der Marwitz mehr im öffentlichen Rampenlicht als er das im Allgäu tat - und sich je hätte vorstellen können. Das liegt seines Erachtens nicht nur an seinem Engagement vor Ort, sondern vor allem am historischen Vermächtnis der Familie und der damit verbundenen Bekanntheit des Ortes.
Dorothee von der Marwitz war sehr jung, als sie nach Friedersdorf ging. Für sie war das Ganze ein Abenteuer. Heute glaubt sie, dass es ein Vorteil war, an einem für sie neuen Ort gemeinsam mit ihrem Mann etwas aufzubauen.
Dorothee von der Marwitz (geb. im Dezember 1922) wuchs in Schloss Friedersdorf auf und lebte dort bis zu ihrer Hochzeit. Ihr Mann fiel 1944, vor Kriegsende floh sie ins Allgäu. Dort besuchte ein junger Mann die Familie, der sich als "von der Marwitz" vorstellte.
Jahrhunderte lang wählten viele männliche Nachkommen der Familie von der Marwitz eine Militärlaufbahn, mehrere Hundert wurden Offiziere im preußischen Heer, davon erreichten 14 den Rang eines Generals.
Friedrich August Ludwig von der Marwitz(1777-1837) begegnete als Kind zweimal Friedrich dem Großen. Über das erste Zusammentreffen nahe Friedersdorf schrieb er: "Ich war nun höchstens eine Elle weit vom König entfernt, und es war mir, als ob ich den lieben Gott ansähe."
Im Siebenjährigen Krieg (auch Dritter Schlesischer Krieg genannt) stand das mit England verbündete Preußen einer Koalition aus Österreich, Frankreich, Russland und Sachsen gegenüber. Sein Ziel war es, das polnische Westpreußen, das schwedische Vorpommern, Mecklenburg und Sachsen einzunehmen.
Die auf den Ideen der Aufklärung basierenden Preußischen Reformen (auch Stein-Hardenberg`sche Reformen genannt) waren eine Reaktion auf die Niederlage Preußens gegen Napoleon in der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806.
Friedersdorf wurde 1323 erstmals urkundlich erwähnt. Das Dorf liegt am Rand des Oderbruchs nahe Seelow und hat ca. 300 Einwohner. Vom Ende des 17. Jahrhunderts bis 1945 gehörte der Familie von der Marwitz hier ein Großteil des Landes.