Autor Boris Pfeiffer, Foto: Uwe Neumann

- Steckbrief Boris Pfeiffer

Wie heißen Sie, wo wohnen Sie, wie viele Kinder haben Sie?
Mein Name ist Boris Pfeiffer. Ich lebe in Berlin, im Bezirk Wilmersdorf und habe keine Kinder.

Warum schreiben Sie Bücher für Kinder/Jugendliche?
Das war ein langer Weg. Mit vierzehn oder fünfzehn wollte ich Dichter werden, habe jeden Tag gedichtet und dann begonnen, meine Gedichte an Galerien zu verschicken, in denen Lesungen stattfanden. Ich wollte da vortragen. Die Gedichte tippte ich immer auf der Schreibmaschine, das gefiel mir. Einige Galeriebesitzer riefen dann bei uns zu Hause an. Wenn meine Mutter ans Telefon ging, nach ihrem Mann gefragt wurde und antwortete, dass es sich um ihren dichtenden Sohn handelte, legten die Veranstalter wieder auf.
Aber ich habe nicht aufgehört zu schreiben.

Später bin ich dann zum Theater gekommen - und über das Theater wurden aus den Gedichten Bücher. Ich habe nämlich zunächst einige Jahre als Regieassistent an der Freien Volksbühne gearbeitet. Dann hier und da weiter als Regieassistent in Deutschland und in der Schweiz. Später habe ich Theaterstücke bearbeitet und Stücktexte, wie z. B. „Eine Virginia Woolf Soirée“ oder „Für die Katz“ zusammengestellt.
Und schließlich habe ich selbst inszeniert.
Der Knackpunkt war aber am GRIPS Theater, als wir ein Stück über ein Mädchen machten, das aus dem Krieg in Bosnien nach Berlin flüchtet. Die Schauspieler und ich wollten danach auch noch einen Film über dieses Thema machen. Wir sammelten unsere Ideen und ich schrieb das Drehbuch. Das gab einer der Schauspieler, Dietrich Lehmann, dem damaligen Leiter der dffb, Reinhard Hauff. Der fand das Buch irre und schlug mir vor, ich solle doch anfangen Drehbuch zu studieren.
Das habe ich dann auch getan. Ich wurde also zunächst Drehbuchautor. Aber das Fernsehen hat mir damals nicht gefallen. Ich schrieb nach der Drehbuchschule und verdiente auch mein Geld, aber es war zu viel Schrott gefordert.
Für das Fernsehen, habe ich mir damals gesagt, arbeite ich erst dann noch einmal, wenn ich Leute treffe, mit denen es nicht nur ums Geld geht, sondern auch um eine Idee. Ich habe dort also den Hammer fallen lassen.
Und dann war das Leben sehr freundlich zu mir. Eine Lektorin meines ersten Verlages, des Kosmos Verlages, die mich von früher vom Theater kannte, rief mich an und fragte, ob ich mit ihr zusammen ein Kinderbuch machen wolle. Das wurde dann „Kirsikka und Buttermilch“.
Und von da an habe ich dann zunehmend glücklich Bücher für Kinder geschrieben. Es folgten „Die drei ??? Kids“.  Dann kamen die ersten neuen Theaterstücke für Kinder und Jugendliche, dann meine Jugendromane bei Ravensburger, und schließlich, gemeinsam mit meinem Autorenfreund André Marx‚ „Das Wilde Pack“. Und dann weiter meine Berlin Krimis „Unsichtbar und trotzdem da!“ und natürlich „Die Akademie der Abenteuer“.
Das neueste Buch ist ein Vorlesebuch mit 21 Geschichten: „Familie Pullunder sagt Gute Nacht“, mit den wunderbaren und liebevollen Bildern von Silke Brix.
Tja, und Theater schreibe ich auch weiter. Jetzt gerade für die Kinder der „Wilmersdorfer Lernwerkstatt“ ein Musical über das Zusammenleben in einer Patchworkfamilie. Und dann ein gibt es neue Stücke über Kinder und Hartz 4 („Der große Coup“) und auch ein sehr poetisches mit dem Untertitel „Warum können Artisten fliegen?“.
Die beiden letzteren erscheinen jetzt demnächst im Verlag der Autoren.

Welches Ihrer eigenen Bücher gefällt Ihnen am Besten und warum?
(Welches Ihrer eigenen Bücher gefällt Ihnen am wenigsten und warum?)

Meine Bücher sind nicht zu vergleichen. Abenteuer-Krimis in den USA, historisch-gesellschaftliche Abenteuer, Krimis aus Berlin, eine abenteuerliche und witzige Fabel, die aus der Sicht einer Tierbande erzählt wird und dabei auch noch die Menschenwelt beleuchtet – das sind inhaltlich vollkommen unterschiedliche Felder. Auf der Folie USA kann jeder Krimi viel größer erzählt werden als in Berlin. In Berlin muss ein Krimi für mich sozial genau und auf die Stadt und ihre Menschen zugeschnitten sein. Nein, da scheitert der Vergleich.
Mein Favorit ist mein Werk insgesamt. Ich lebe mit meinen Büchern insgesamt.

Welches Kinderbuch eines anderen Autoren gefällt Ihnen gut und warum?
Mein Lieblingsbuch ist „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“.
Und ich liebe es, weil meine Mutter es mir vorgelesen hat und weil ich darin zum ersten Mal die Welt der Bücher, des Geistes und der Phantasie vollkommen betreten habe.

Welche Kinderbuchfigur hätten Sie am liebsten selber erfunden und warum?
Da muss ich zugeben, erfreue ich mich sehr an meinen eigenen Figuren. Schließlich habe ich sie erfunden, weil ich sie gerne  erfinden wollte.
In mir entstehen übrigens seit knappen zwei Jahren neue Gestalten. Unter ihnen ist mehr als ein Wesen, das es so noch nie gegeben hat. Ich freue mich sehr auf dieses neue, zukünftige Buch …

Was machen Sie, wenn Ihnen nichts mehr einfällt zu schreiben?
Das ist mir einmal passiert und ich bin wütend und traurig und am Ende sehr verstört gewesen. Es war wie in ein schwarzes leeres Loch zu fallen. Unglaublich kalt und leer. Aber es ging vorbei – und danach habe ich dieses Gefühl nie wieder getroffen.
Meine innere Welt ist sehr reich und bunt geworden. Heute fürchte ich mich nicht davor, dass mir nichts mehr einfallen könnte.

Was ist Ihr Lieblingsessen?
Kann ich nicht sagen. Das hängt davon ab, wo ich gerade bin. Ich esse immer das, was es gibt. Und mir schmeckt es fast immer.

Welche Musik hören Sie am liebsten?
Das Singen des Ozeans. Und Rock oder auch Glamour-Rock aus meiner Jugend, der lässt mich tanzen.

Was würden Sie verbieten, wenn Sie es könnten?
Gehässigkeit und dumpfen, blinden Egoismus.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten – was würden Sie sich wünschen?
In der Welt zu leben, in der die Mehrzahl die Wahl der Möglichkeiten, die das Leben bietet, liebevoll nutzt.

 

(Sachdienliche Hinweise zum Steckbrief nahm Tina Henneberg vom rbb-Familienprogramm entgegen.)