Sie sind hier:
rbbonline | Archiv


Eine neue Richtung in der Medizin setzt sich durch: die Ganzheitsmedizin, auch Mind-Body-Medizin genannt. Gerade für Menschen mit Stresserkrankungen wie z.B. Burn-out bietet sie Hilfe, aber auch für Rheumapatienten.
Homöopathie, Bachblüten, Akupunktur, Blutegel, Heilfasten – der Markt an alternativen Heilmethoden boomt seit Jahren, die Nachfrage ist vor allem bei chronisch Kranken ungebrochen. Viele Verfahren aber sind wissenschaftlich umstritten, werden falsch angewendet oder sind von vorneherein wirkungslos. Für Patienten ist es daher wichtig, einen kompetenten Ansprechpartner zu haben. Er muss sich schulmedizinisch und naturheilkundlich auskennen und die Spreu vom Weizen trennen können.
Hilfe zur Selbsthilfe
Die Mind-Body-Medizin bietet genau das: Sie kombiniert wissenschaftlich belegte schul- und alternativmedizinische Methoden und hilft dem Patienten, seinen individuellen und biologischen Rhythmus mit dem Alltag in Einklang zu bringen. Statt der medikamentösen Behandlung ist das oberste Ziel, dem Patienten dazu zu verhelfen, seine Selbstheilungskräfte zu nutzen und den Lebensstil nachhaltig gesund zu gestalten.
Die Mind-Body-Medizin betrachtet den Menschen in seiner Ganzheit und setzt Techniken wie Meditation, Hypnose, Tai-Chi, Qi-Gong, Autogenes Training und Gruppenunterstützung ein. Zudem kommen Kneipp-Güsse zur Anwendung. Gemeinsam mit Sport, einer gesunden Ernährung und dem achtsamen Umgang mit sich selbst sollen die Entspannungstechniken das seelische und körperliche Immunsystem stärken und die körpereigenen Ressourcen aktivieren.
Einige Effekte der Mind-Body-Medizin sind klar belegt
Mittlerweile gibt es einige nachgewiesene klinische Effekte der Mind-Body-Medizin. In dem Institut für Mind-Body-Medizin in Potsdam forschen Neurowissenschaftler beispielsweise an der Wirkung von Meditation auf das Herz-Kreislauf-System. Bisher hat die Forschung zur Mind-Body-Medizin folgende Ergebnisse erzielt. Die Ganzheitsmedizin
• senkt den Blutdruck
• reduziert das Herzinfarktrisiko
• lindert Schmerzen
• produziert Glückgefühle und führt zu einem besseren Körpergefühl
• verzögert bei regelmäßiger Anwendung die Hirnalterung
Maßgeblich geht die Wirkung darauf zurück, dass im Gehirn weniger Stresshormone wie Adrenalin, Noradrenalin oder Cortison ausgeschüttet werden. Zudem aktiviert die Mind-Body-Medizin bestimmte Hirnareale, die das vegetative Nervensystem und das Schmerzgedächtnis steuern. Durch die Ausschüttung von Botenstoffen hebt das Anti-Stresstraining die Stimmung und macht die Patienten ausgeglichener und glücklicher.
Die Mind-Body-Medizin wird in Deutschland bisher erst an wenigen Kliniken wie zum Beispiel in Essen oder dem Immanuel-Krankenhaus in Berlin angewendet. Die Tagesklinik der Abteilung für Naturheilkunde im Immanuel-Krankenhaus vereint klassische und alternative Verfahren, kombiniert also das Beste beider Verfahren. Die Patienten der Tagesklinik leiden unter chronischen Erkrankungen wie Rheuma, Reizdarm, Burn-Out, Schmerzen oder haben Stoffwechselprobleme. Oder sie sind durch ihren Alltag bis zur totalen Erschöpfung ausgebrannt. Schulmedizinisch sind sie gut versorgt. Zusätzlich erlernen sie einmal pro Woche Strategien, wie sie schneller aus einem Stimmungstief herausfinden, sich selbst spüren, eher Grenzen setzen und all das dauerhaft in den Alltag integrieren.
Filmbeiträge: Friederike Seifert
Infotext: Beate Wagner
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/quivive/archiv/quivive_vom_10_03/ganzheitsmedizin_.html