Plötzlicher Sehverlust - was tun? (Quelle: rbb)

- Plötzlicher Sehverlust - was tun?

Ganz plötzlich ist der Blick nicht mehr klar: Es stört oder flimmert etwas vor dem Auge, es bilden sich Schatten oder es kommt sogar zum teilweisen oder völligen Ausfall des Sichtfeldes. Viel zu oft kommt es vor, dass Patienten bei solchen Beschwerden auf einen Termin beim Augenarzt warten statt sofort in eine Augenklinik zu gehen. Fatal – denn wenn hinter den Beschwerden z.B. eine Netzhautablösung steckt und nicht rechtzeitig operiert wird, kann die Sehkraft auf Dauer geschädigt bleiben. Und bei einer Durchblutungsstörung im Auge können Sehzellen schon innerhalb von 6 Stunden unwiederbringlich verloren gehen.

Ein plötzlicher Sehverlust kommt in den meisten Fällen aus dem Nichts. Ein gesteigertes Risiko dafür haben Menschen mit einem erhöhten Blutdruck, erhöhten Blutzuckerwerten und Diabetes. Bei ihnen verstopft entweder ein Blutgerinnsel eine Vene oder Arterie im Auge oder die Gefäße wachsen in den Glaskörper ein. Auch Menschen mit einer Kurzsichtigkeit droht der akute Sehverlust häufiger als Menschen ohne die Fehlsichtigkeit. Bei ihnen ist die Netzhaut oft dünner als bei Menschen ohne Fehlsichtigkeit, es droht eine Netzhautablösung. Wer eine Brille oder Kontaktlinsen trägt, sollte regelmäßig die Netzhaut kontrollieren lassen. Finden die Fachärzte dort schon dünnere Stellen, sollte die Vorsorge einmal jährlich erfolgen. Besteht Verdacht auf eine Netzhautablösung oder einen Gefäßverschluss, ist ein sofortiger Transport in die Klinik zu organisieren.

Netzhautablösung als akuter Notfall


Gründe für einen akuten Seeverlust gibt es viele, oft steckt eine Netzhautablösung dahinter. Die hellrot gefärbte Netzhaut, ein hoch empfindliches Gewebe mit Millionen Sinneszellen, kleidet die Augeninnenwand fast vollständig aus. Die Sinneszellen - Stäbchen und Zäpfchen - wandeln das durch das Auge einfallende Licht in elektrische Impulse um. Über den Sehnerv gelangen diese weiter an das Gehirn. Schon winzige Löcher in der Netzhaut können dazu führen, dass sie sich ablöst.

Folgende Symptome sind klassisch für eine Netzhautablösung:

• Blitzen oder seitliches bogenförmiges Leuchten im Auge, vor allem in der Dämmerung
• Schatten im Auge, die immer größer werdenden Blasen ähneln
• Starke Vermehrung von Flocken, manche Patienten beschreiben Spinngewebe
• das Gefühl, es steige Rauch oder Rauchwolken im Auge auf
• die massive Vermehrung von kleinen schwarzen Punkten oder eine plötzliche Zunahme von Nebelerscheinungen.

Sind die Sinneszellen einmal abgestorben, wachsen sie nicht mehr nach. Der Patient erblindet. Entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung ist der Punkt des schärfsten Sehens. Wenn dieser sogenannte gelbe Fleck noch nicht abgelöst ist, dann können die Heilungschancen bei hundert Prozent liegen.

Eine Netzhautablösung ist immer ein medizinischer Notfall. Der häufigste Grund ist die Schrumpfung des Glaskörpers im Alter. Die Netzhaut kann reißen, wenn sie durch einen geschrumpften Glaskörper unter Zug gerät. Das passiert bei etwa 60 Prozent aller älteren Menschen – und ist zunächst nicht schlimm. In etwa 10 Prozent der Fälle geschieht diese Glaskörperabhebung jedoch relativ plötzlich und heftig, sodass die Glaskörperfasern kräftig an der Netzhaut ziehen. Wenn diese nicht nachgibt, reißt sie manchmal ein.

Zudem können Verletzungen wie z.B. durch einen ins Auge fliegenden Korken oder Fußball dazu führen, dass sich die Netzhaut ablöst und die Erblindung droht. Hier muss in schweren Fällen umgehend operiert werden.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Operation:
1) Bei der sogenannten Vitrektomie dringt der Augenarzt mit verschiedenen Instrumenten in das Auge und entfernt den Glaskörper. Der gallertige Glaskörper ist wichtig für die Entwicklung im Kindesalter, Erwachsene brauchen ihn nicht unbedingt. Wird der Glaskörper entfernt, löst sich der Zug auf die beschädigte Netzhaut. Mit dem Laser kann der Arzt die unter dem Netzhautdefekt liegende Schicht zur Vernarbung anregen. Die abgelöste Netzhaut wird dann wieder befestigt. Ein bis zwei Wochen dauert es, bis alles wieder gut verheilt ist. Zum Schluss der Operation füllen die Experten das Auge mit einem Luft/Gasgemisch auf. So wird die Netzhaut während des postoperativen Heilungsvorganges stabilisiert. Das Luft/Gasgemisch verschwindet von selbst nach einigen Tagen bis mehreren Wochen, das Auge ersetzt es mit Kammerwasser. Bei komplexen Situationen wird anstelle eines Luft/Gasgemischs ein Silikonöl in das Auge gegeben, was in der Regel zu einem späteren Zeitpunkt wieder operativ entfernt werden muss. Bei kleinen Rissen reicht eine Laserbehandlung.

2) Eine zweite Operationstechnik ist die „Buckelchirurgie“. Diese Technik kommt neben dem Laser bei leichteren Fällen zum Einsatz. Dabei eröffnen die Ärzte den Augapfel nicht, sondern dellen die Augenwand von außen ein. Durch die dabei entstandene Delle kann sich die im Augeninneren abgelöste Netzhaut wieder auf die untere Schicht anlegen. Die Vernarbung von Netzhautdefekten erreichen die Experten mit einer sogenannten Kältesonde, sie regt sozusagen eine gezielte Entzündung und danach eine biologische Vernarbung an.

Nicht immer verlaufen die Eingriffe komplikationslos. Es kann zu Infektionen, Blutungen, Augendruckerhöhungen oder neuen Löchern in der Netzhaut kommen, auch nach einiger Zeit. Operierte tragen ein erhöhtes Risiko, später erneut eine Netzhautablösung zu erleiden. Oft trüben die betreffenden Augenlinsen auch ein. Dann ist eine künstliche Linse das Mittel der Wahl.

Gefahr Gefäßverschluss

Gefäßverschlüsse sind neben einer Netzhautablösung der zweite Grund für einen akuten Sehverlust. Sie können am Auge sowohl die Venen als auch die Arterien betreffen. Bei Verschlüssen von Venen erholt sich das Sehen oft zu einem gewissen Grade wieder, Schäden bei Verschlüssen von Arterien lassen sich meist nicht rückgängig machen. Venenverschlüsse treten häufiger als Arterienverschlüsse auf. Setzt sich das zentrale Gefäß (Zentralarterie oder Zentralvene) zu, so zeigen sich die Auswirkungen an der gesamten Netzhaut.

Bekannt ist die Thrombose in den großen Beinvenen, sie kann aber auch im Auge vorkommen. Über die Venen wird das Blut aus dem Organ zum Herzen hin abtransportiert. Kommt es zu einem Venenverschluss und einem „Blutstau” im Auge, erweitern sich die betroffenen Gefäße, die Blutgefäßwände werden undicht und es können Blutbestandteile aus den Gefäßen in die Netzhaut übertreten. Ist die Netzhautmitte und vor allem der gelbe Fleck betroffen, kann sich dort durch das ausgetretene Gefäßwasser eine Schwellung bilden. Der Venenverschluss ist meist durch lokale Veränderungen der Gefäßwände bedingt, so zum Beispiel durch eine Sklerose bei hohem Blutdruck. Zudem können Veränderungen der Fließeigenschaften des Blutes einen Venenverschluss verursachen. Der Venenverschluss ist eine der wichtigsten Gefäßerkrankungen der Netzhaut, er ist eine der häufigsten Erblindungsursachen bei älteren Menschen. Neuere Studien zeigen ein deutlich häufigeres Auftreten von Venenverschlüssen im Auge bei der sogenannten Schlafapnoe (Atemstillstände während des Schlafs). Durch die schwere Minderdurchblutung im Auge sind Folgeschäden nicht ausgeschlossen. Dazu gehört das Sekundärglaukom (Grüner Star) mit Druckanstieg im Auge und eine sekundäre Netzhautablösung. Um diese Spätschäden zu verhindern, behandeln Ärzte eine Venenthrombose daher häufig mit Laser.

Ist hingegen die Hauptschlagader im Auge betroffen, sprechen Experten von dem Zentralarterienverschluss. So ein Augeninfarkt ist mit einem plötzlichen Sehverlust verbunden – der Arterienverschluss gilt als absoluter Notfall. Gefährdet sind vor allem ältere Patienten mit sogenannten Gefäßrisikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen. Jede Stunde ohne Therapie wird die Heilung und damit die Wiederherstellung des Sehvermögens unwahrscheinlicher. Betroffene werden daher umgehend behandelt – sie erhalten eine sogenannte Lyse. Dabei wird der Blutpfropf, der den Stau verursacht hat, mithilfe eines Medikamentes aufgelöst, die Fließeigenschaft des Blutes im Auge verbessert sich wieder. Nachfolgend nimmt der Patient langfristig Blut verdünnende Medikamente ein, je nach Befund und Verlauf niedrig dosiert Aspirin oder eine sogenannte Dauer-Antikoagulation.

Die Gefahr für einen Augeninfarkt ist bei Menschen mit erhöhtem Blutdruck am höchsten. Gegenüber gesunden Patienten ist ihr Risiko fünffach erhöht. Zudem tritt der Augeninfarkt oft bei einem erhöhten Augeninnendruck auf. Und er ist häufig bei Erkrankungen, die wie die Leukämie mit „dickem“ Blut einhergehen oder solchen, bei denen die Blutgefäßwände durch zu hohe Blutfettwerte und Diabetes vorgeschädigt sind.

Durch die schwere Minderdurchblutung im Auge sind Folgeschäden nicht ausgeschlossen. Dazu gehört das Sekundärglaukom mit Druckanstieg im Auge und eine sekundäre Netzhautablösung. Um diese Spätschäden zu verhindern, behandeln Ärzte eine Venenthrombose daher häufig mit Laser.

Filmbeitrag: Angelika Wörthmüller
Infotext: Beate Wagner

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