Im Operationssaal (Quelle: rbb)

- Bauchaortenaneurysma: neue OP-Methode rettet Leben

Ein Aneurysma der großen Schlagader im Bauch kann eine tickende Zeitbombe sein: Platzt diese Aussackung der Aorta, geht es oft um Leben oder Tod. Doch nicht immer kann man ein Aneurysma gut behandeln, auch wenn es rechzeitig per Ultraschall entdeckt wird. Nun gibt es eine neue OP-Methode: Individuell angepasste Stents sollen die Aussackung überbrücken.

Ein Aneurysma ist eine spindel- oder sackförmige Ausweitung einer Arterie. Sie entsteht, wenn die Wand eines Gefäßes an einer Stelle dünner ist als an anderen und sich ausstülpt. Je größer die Gefäßausstülpung ist, desto eher reißt das Aneurysma. Tückisch ist, dass das Aneurysma selten eindeutige Beschwerden macht. Nur wenn es sich bereits sehr weit ausgedehnt hat, kann es auf umliegende Organe drücken und zu Bauch- oder Rückenschmerzen führen. Vor allem bei Männern über 60 steigt das Risiko für diese meist unerkannte Zeitbombe im Bauch. Es gibt aber auch kleinere Aneurysmen, die nicht unmittelbar lebensgefährlich sind.

Die Hauptschlagader führt durch den Brust- und Bauchraum in den Unterbauch. Hier verzweigt sie sich in die Beinarterien. Mit jedem Herzschlag gelangt über die Aorta Blut aus dem Herzen in die Arme und Beine, die Bauchorgane usw. Platzt eine krankhaft erweiterte Bauchschlagader, droht der Patient innerlich zu verbluten. Nur wenige Menschen mit einem geplatzten Bauchaneurysma erreichen lebend das Krankenhaus. Und selbst bei einer sofortigen Notoperation ist die Sterblichkeit sehr hoch. Albert Einstein, Thomas Mann und Charles de Gaulle sind an einem Aortenaneurysma verstorben.

Die Diagnose ist einfach und kann mit dem Ultraschall von jedem Arzt gestellt werden.
Empfohlen wird die Vorsorgeuntersuchung regelmäßig für alle Patienten, die Risikofaktoren wie Arteriosklerose, Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, Übergewicht und hohe Blutfette mitbringen. Eine frühzeitige Diagnose ist wichtig, denn dann kann ein vorsorglicher Eingriff geplant werden.

Normalerweise hat die Aorta einen Durchmesser von etwa 2 cm. Das Risiko für eine lebensgefährliche Blutung steigt ab etwa 5 cm steil an. Statistisch gesehen platzen Bauchaortenaneurysmen ab einem Durchmesser von 5 bis 6 cm in bis zu 40 Prozent der Fälle innerhalb von zwei Jahren. Aber auch kleinere Aneurysmen werden häufig operiert. Denn in ihnen können sich winzige Blutgerinnsel bilden. Sie können plötzliche Gefäßverschlüsse und Durchblutungsstörungen in den Beinen verursachen.

Für einen operativen Eingriff gibt es zwei Möglichkeiten. In der "offenen" Operation wird nach einem großen Bauchschnitt das Aneurysma aufgeschnitten und eine Gefäßprothese aus einer weichen Kunstfaser eingesetzt. Die Aneurysmawand wird dann wieder um die Prothese herumgelegt. Wenn wichtige Organarterien in ein Aneurysma einbezogen sind, ist die offene Operation meist zu riskant. Denn dabei müssen die Chirurgen die Arterien abklemmen. So besteht die Gefahr einer Minderdurchblutung für die Organe, was lebensbedrohlich werden kann.

Alternativ führen Ärzte seit etwa 15 Jahren die Prothese mithilfe eines Katheters ein. Dies geschieht über einen kleinen Einschnitt in der Leiste. Im Aneurysma wird dann die Prothese entfaltet. Nur speziell ausgebildete Gefäßchirurgen beherrschen die High-Tech-Methode. Die minimal-invasive Methode hat dennoch stark an Bedeutung gewonnen, in einigen Kliniken wird sie bei 90 Prozent aller Aortenaneurysmen angewendet. Da das Verfahren erst seit den 90er Jahren angewendet wird, gibt es aber noch keine Langzeitergebnisse zur Haltbarkeit der Prothesen.

Das Einsetzen einer Standard-Prothese mithilfe eines Katheters ist bisher nur bei etwa jedem zweiten Aneurysma möglich. Ist der Gefäßdefekt nämlich außergewöhnlich lang, kann das Aneurysma damit nicht überbrückt werden. Manchmal erstreckt sich das Bauchaortenaneurysma von den Beckenarterien bis weit über die Nierenarterien. Andererseits fehlen nicht selten in den Beckenarterien die geeigneten Zugangsgefäße oder die Möglichkeit, die Prothese beispielsweise unterhalb der Nierenarterien zu verankern.

Nun gibt es seit kurzem eine neue Spezial-Prothese, die minimal-invasiv eingesetzt werden kann. Einige Kliniken in Berlin und Brandenburg bieten dieses Verfahren inzwischen an. Die neue Prothese ist exakt auf die Anatomie des jeweiligen Patienten zugeschnitten. Je nachdem, wo bei dem Patienten die Gefäße von der Hauptschlagader abzweigen, ist die Prothese gefenstert oder verfügt über Seitenarme, die die Hauptprothese mit den Organarterien verbinden.

Dafür wird zunächst die individuelle Anatomie des Patienten am Computer komplett ausgemessen. Ein australischer Hersteller fertigt anhand der Daten dann ein dreidimensionales Abbild der Prothese. Ist die spezielle Stent-Prothese zum Einbau in der Klinik angekommen, fädelt der Chirurg sie über einen kleinen Schnitt in der Leistengegend bis zu der problematischen Stelle. Da die Patienten, die solch eine spezielle Prothese benötigen, ohne sie wahrscheinlich sterben würden, übernehmen sogar die Kassen die Kosten für das teure Verfahren. Verschiedene Kliniken bieten inzwischen dieses Verfahren an.

Filmbeitrag: Erika Brettschneider
Infotext: Beate Wagner

weitere Themen der Sendung

Raiko Thal, Quelle: rbb

rbb Praxis 21.08.2013 20:15

+++ Bauchaortenaneurysma: neue OP-Methode rettet Leben +++ Erste Hilfe bei Bienen- und Wespenstichen +++ Schmerzende Gelenke: Rheuma oder Schilddrüsenerkrankung? +++ Die Schilddrüse: Funktion und Erkrankungen +++ Schimmel - Gefahr für die Gesundheit +++ Eigenblut spenden vor der Operation +++ Trimm Dich war gestern: Trimm Fit ist heute +++

Wespe sitzt auf den Rand von einem Glas (Quelle: rbb)

Erste Hilfe bei Bienen- und Wespenstichen

Der Sommer ist sonnig, heiß und oft unbeschwert – doch aufgepasst: In der schönsten Jahreszeit lauern auch Gefahren. Denn trotz des harten Winters sind Bienen und Wespen zuhauf in diesen Wochen unterwegs.

Diana Schimanski untersucht ihre Schilddrüse (Quelle: rbb)

Schmerzende Gelenke: Rheuma oder Schilddrüsenerkrankung?

Die Gelenke schmerzen, an Schulter, Händen und Füßen schwellen sie an. Da scheint die Diagnose auf der Hand zu liegen: Rheuma. Doch dann lassen sich im Blut keine Rheuma-Marker nachweisen. Um welche Erkrankung handelt es sich dann? Auch Schilddrüsenerkrankungen können solche Symptome auslösen.

Grafik von Hals und Schilddrüse (Quelle: rbb)

Die Schilddrüse: Funktion und Erkrankungen

Schilddrüsenerkrankungen zählen zu den häufigsten Krankheiten in Deutschland. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung kann die Betroffenen vor Beschwerden und langfristigen Folgen bewahren. Viele Symptome sind nicht eindeutig einer Schilddrüsenerkrankung zuzuordnen.

Schimmelpilz wird von einem Fachmann in Schutzkleidung entfernt (Quelle: rbb)

Schimmel - Gefahr für die Gesundheit

Wer in seiner Wohnung Schimmelpilze entdeckt, ist oft verunsichert: Kann ich diese Stellen selbst beseitigen oder erhöht das die Belastung für die Gesundheit? Gibt es einen Zusammenhang zwischen pelzigen Stellen auf der Tapete und Beschwerden wie Asthma, oder Müdigkeit? Die rbb Praxis fragt nach.

Blutabnahme an einem linken Unterarm (Quelle: rbb)

Eigenblut spenden vor der Operation

Wer vor einer Operation selbst Blut spendet, hat einen Vorteil: Die Gefahr von gefährlichen Infektionen durch Fremdblut kann ausgeschlossen und ein Engpass an Spenderblut vermieden werden. Aber nicht für alle Patienten kommt die Eigenblutspende infrage.