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Schilddrüsenerkrankungen zählen zu den häufigsten Krankheiten in Deutschland. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung kann die Betroffenen vor Beschwerden und langfristigen Folgen bewahren. Viele Symptome sind nicht eindeutig einer Schilddrüsenerkrankung zuzuordnen.

Die Schilddrüse liegt im Hals unscheinbar unterhalb des Kehlkopfes. Die 20 Gramm schwere Drüse produziert unter Einwirkung von Jod die beiden lebenswichtigen Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Sie sorgt dafür, dass Herz, Kreislauf und Muskeln funktionieren. Sie steuert das Wachstum, die Knochenbildung, die Entwicklung des Gehirns und den Energiestoffwechsel. Wird zu wenig Jod über die Nahrung aufgenommen, produziert die Schilddrüse immer mehr Zellen. Die Drüse gerät aus dem Lot und vergrößert sich.
Macht sich die Schilddrüse dann in der Halsregion breit, kann das zu Druckgefühl und Schluckbeschwerden führen. Tasten kann man die Knoten nur selten, meist entdecken Ärzte sie mithilfe des Ultraschalls – und schätzen die Knoten genau ein: Größe und Form sind unter anderem wichtig für die Frage, ob ein bösartiger Knoten vorliegen könnte.
Produziert eine vergrößerte Schilddrüse so viele Hormone, dass das Blutbild verändert ist, spricht man von einer Überfunktion (Hyperthyreose). Ohne erkennbaren Anlass entwickelt sich jedes Jahr bei etwa fünf Prozent der Menschen mit einer Struma eine Überfunktion. In neun von zehn Fällen sind Vergrößerungen der Schilddrüse gutartig und nicht entzündlich. Vor allem bei älteren Menschen mit großen Strumen entstehen daraus häufig so genannte "autonome" Bezirke, die sich der Steuerung der Schilddrüsenfunktion durch die Hirnanhangdrüse entziehen und unkontrolliert Hormone herstellen. Die "warmen" oder "heißen" Knoten, je nach Hormonmenge, werden meist mit Tabletten behandelt.

Häufigste Ursache für eine Unterfunktion der Schilddrüse ist die Hashimoto-Thyreoditis. Im Ultraschall zeigt sich bei der chronischen Entzündung auch eine Vergrößerung. Eine eindeutige Diagnose stellen Ärzte aber erst nach einer Gewebeprobe. Die Schilddrüsenzellen sind typisch verändert. Durch Störungen des Immunsystems ist die Hormonproduktion der Drüse vermindert oder gestoppt, die Schilddrüse versucht, mit der Vergrößerung dagegen zu steuern. Betroffen sind meist Frauen zwischen 40 und 60 Jahren. Bei vielen ist eine genetische Veranlagung für das Leiden nachweisbar.
Die Krankheit bleibt oft monate- oder gar jahrelang unbemerkt. Das liegt an ihren unspezifischen Symptomen: Antriebsarmut, depressive Verstimmung, Gewichtszunahme, Müdigkeit, Kältegefühl, schuppige Haut und Haare oder langsamer Herzschlag. Schafft ein Blutbild Klarheit, erhält der Betroffene Schilddrüsenhormone.
Neben der chronischen Hashimoto-Entzündung kann die Schilddrüse auch akut entzündet sein. So zum Beispiel bei der Thyreoiditis de Quervain, die zu äußerst schmerzhaftem Anschwellen führt. Auch hier sind Frauen wesentlich häufiger betroffen. Die Ursache ist immer noch unklar, Ärzte vermuten eine erblich bedingte Autoimmunerkrankung, die dann durch Infekte mit Viren oder Bakterien in Gang gesetzt wird.

Bösartige Veränderungen der Hormondrüse gehören hierzulande zu den seltenen Krebsformen: Von 100 000 Einwohnern erkranken jährlich etwa drei. Der Verdacht darauf besteht bei sogenannten "kalten Knoten". Dabei bildet die Schilddrüse keine Hormone, hier muss eine geplante Operation abgewogen werden.
Manchmal taucht auch eine rheumatoide Arthritis zusammen mit einer Fehlfunktion der Schilddrüse auf. Dann liegt die tiefere Ursache möglicherweise in einer Fehlfunktion des Immunsystems. Den genaueren Zusammenhang kennt man nicht. Man weiß aber, dass etwa ein Drittel aller Rheumapatienten gleichzeitig unter Schilddrüsen-Beschwerden leiden.
Filmbeitrag: Erika Brettschneider
Infotext: Beate Wagner












