Schimmelpilz wird von einem Fachmann in Schutzkleidung entfernt (Quelle: rbb)

- Schimmel - Gefahr für die Gesundheit

Wer in seiner Wohnung Schimmelpilze entdeckt, ist oft verunsichert: Kann ich diese Stellen selbst beseitigen oder erhöht das die Belastung für die Gesundheit? Gibt es einen Zusammenhang zwischen pelzigen Stellen auf der Tapete und Beschwerden wie Asthma, oder Müdigkeit? Die rbb Praxis fragt nach.

Schimmelpilze gehören wie Bakterien ganz natürlich in unsere Umwelt. Einige sind schmackhaft und stehen beispielsweise in Form von Schimmelkäse ganz selbstverständlich auf den Speiseplan. Andere sind weniger erfreulich und sogar gesundheitsschädlich. So zum Beispiel Schimmel, der sich frisch nach dem Wohnungseinzug an der Wand bilden kann. Manchmal sind es nur schwarze Flecken auf der weißen Tapete, mal ist die Wand von einem schwarz-grünen Teppich besiedelt – Schimmelpilze in der Wohnung stellen ein gesundheitliches Risiko dar, Millionen Menschen reagieren allergisch auf die eiweißhaltigen Sporen. Jeder sechste Deutsche wohnt einer Studie zufolge in einer Wohnung mit Schimmelpilzbefall.

Nicht alle Menschen erkranken gleich, wenn Schimmel an der Wand wächst. Vor allem Allergiker reagieren aber sensibel. Schimmelpilzasthma ist dennoch mittlerweile ein weit verbreitetes Phänomen. Typischerweise fangen die Beschwerden nachts an: Die Bronchien sind verengt und können schnell anschwellen. Betroffene wachen mehrmals aus dem Schlaf auf, husten und ringen nach Luft.

Aber auch Menschen ohne Vorbelastungen reagieren auf Schimmelpilzsporen beispielsweise mit Bindehautentzündung, Schleimhautreizungen, Kopfschmerzen oder sogar Neurodermitis. Oft ist es schwierig, solche Krankheitssymptome direkt auf den Schimmelpilz zurückzuführen. Betroffene vermuten häufig vielmehr, dass sie eine Erkältung verschleppt haben.

Besteht ein Anfangsverdacht, gibt es besondere Experten, die diesem nachgehen: So gibt es beispielsweise extra Spürhunde, die einen versteckten Schimmelpilz unter Scheuerleisten oder im Dachstuhl finden. Bis die Hunde zielsicher die Pilzsporen erschnüffeln, müssen sie ein halbes bis ein Jahr lang trainieren. Dann erhalten sie ein Zertifikat.

Früher ging man davon aus, dass vor allem Kondenswasser an den Wänden ursächlich für den Schimmelpilzbefall ist. Inzwischen aber wissen Experten, dass eine Luftfeuchte von über 80 Prozent in den Räumen für das Wachstum sorgt. Auch Rohrleitungsschäden verursachen manchmal den Befall. Nicht selten muss ein Haus oder eine Wohnung deswegen saniert werden. Vor dem Entfernen des Schimmelpilzes ist der Bereich sorgfältig vom Rest des Zimmers abzuteilen - sonst fliegen die unsichtbaren Sporen durch die gesamte Wohnung und das Gesundheitsrisiko wird noch größer.

Das Bundesumweltamt empfiehlt bei einer Befallsfläche von mehr als 0,5 qm² eine Fachfirma hinzuzuziehen. Die Sanierung von Schimmelpilz befallenen Materialien muss das Ziel haben, die Schimmelpilze vollständig zu entfernen. Eine bloße Abtötung von Schimmelpilzen reicht nicht aus, da auch von abgetöteten Schimmelpilzen allergische und reizende Wirkungen ausgehen können. Da bei der Sanierung von Schimmelpilzbefall sehr hohe Konzentrationen an Sporen freigesetzt werden können, sollte sie nur unter geeigneten Sicherheits- und Arbeitsschutzbedingungen durchgeführt werden.

Wer selbst Hand anlegt, trägt am besten Mundschutz und Gummihandschuhe, um zu verhindern, dass ein direkter Kontakt mit den Schimmelpilzbestandteilen zustande kommt. Schimmelpilze sollten also nicht mit bloßen Händen berührt werden. Schimmelpilzsporen dürfen zudem nicht in die Augen gelangen – eine Schutzbrille hilft. Nach Beendigung der Sanierung wird empfohlen zu duschen und die benutzte Kleidung zu waschen.

Wichtig: Häufig wird empfohlen, bei der Schimmelpilzbekämpfung eine Essiglösung einzusetzen. Dieses ist jedoch zumeist nicht sinnvoll, da viele Baustoffe und insbesondere Kalk eine Neutralisation des Essigs bewirken und außerdem mit dem Essig organische Nährstoffe auf das Material gelangen, die das Pilzwachstum sogar fördern können. Ebenfalls sollten keine chemischen Pilzbekämpfungsmittel (Lösungen mit Fungiziden) im Innenraum angewendet werden, denn es ist nicht auszuschließen, dass diese Wirkstoffe über eine lange Zeit in den Innenräumen verbleiben und die Gesundheit der Bewohner gefährden.

Um dem Schimmelpilzbefall vorzubeugen, sollte man mehrmals täglich in der Wohnung stoßweise lüften, statt die Fenster nur anzukippen. Um hohe Luftfeuchtigkeit aus Badezimmern oder anderen Räumen ohne Fenster zu bekommen hilft ein kurzer Durchzug. Im Winter sollte nur moderat geheizt werden. Lässt sich trotzdem die Luftfeuchte nicht verringern, ist eine Dämmung mit Kalziumsilikatplatten sinnvoll. Moderne Häuser haben keine Ritzen mehr, daher muss also regelmäßig die Möglichkeit geschaffen werden, dass die Feuchtigkeit entweichen kann. Lüften ist das A und O, um Gebäude vor Schimmelpilzen zu bewahren.


Filmbeitrag: Ina Czycykowski
Infotext: Beate Wagner

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