Diana Schimanski untersucht ihre Schilddrüse (Quelle: rbb)

- Schmerzende Gelenke: Rheuma oder Schilddrüsenerkrankung?

Die Gelenke schmerzen, an Schulter, Händen und Füßen schwellen sie an. Da scheint die Diagnose auf der Hand zu liegen: Rheuma. Doch dann lassen sich im Blut keine Rheuma-Marker nachweisen. Um welche Erkrankung handelt es sich dann? Auch Schilddrüsenerkrankungen können solche Symptome auslösen.

Beschwerden in der rechten Schulter, der linken Hand, dem Rücken, der Schilddrüse: Nicht selten sehen sich Ärzte zu Beginn einer Behandlung mit einem Potpourri an Beschwerden konfrontiert, die nicht zusammenpassen wollen. Schon allein bei Schwellungen und Schmerzen in den Gelenken des Körpers müssen Experten zahlreiche unterschiedliche Diagnosen in Betracht ziehen. Sie sprechen bei den Gelenkbeschwerden von Arthralgien.

Die Arthralgie kann degenerativen Charakter haben, dabei kommt es in den Gelenken altersbedingt beispielsweise zur Arthrose. Charakteristisch sind Anlaufschmerzen, bewegungsabhängige Schmerzen, gelegentlich sind die Gelenke vor allem morgens steif.

Diese degenerativ bedingten Arthralgien müssen von entzündlich und rheumatisch bedingten Erkrankungen unterschieden werden. Sonst kann es bei letzteren zu dauerhaft irreversible Schädigungen der Gelenkstrukturen kommen, die nicht mehr behandelbar sind. Weiterhin schließen Ärzte bei Gelenkschmerzen folgende Erkrankungen aus: die Psoriasis-Arthritis, Morbus Bechterew, Systemischer Lupus erythematodes, Sklerodermie und einige andere. Auch eine chronische Borreliose, Gicht oder Probleme mit der Schilddrüse können zu Arthralgien führen. Bei entzündlich-rheumatisch bedingten Arthralgien lassen sich meist Entzündungszeichen und Autoantikörper nachweisen. Dazu zählt auch der sogenannte Rheumafaktor.

Die rheumatoide Arthritis (RA) ist die häufigste Form der entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Sie geht mit schmerzenden, geschwollenen Finger- und Handgelenken einher, meist tauchen die Schmerzen morgens auf. Im Laufe der Erkrankung kommen weitere Gelenke des Körpers hinzu. Die chronischen Beschwerden weiten sich von der aggressiven Entzündung in den Gelenken bis in den Sehnen, Sehnenscheiden, Muskeln, Augen und den inneren Organen aus. Langfristig zerstört die chronische Entzündung den Knorpel und die Knochen, meist verformen sich die Gelenke. Deutschlandweit haben etwa 500.000 Menschen eine rheumatoide Arthritis, Frauen sind etwa dreimal so oft wie Männer betroffen.

Erste Hinweise für die Diagnose liefert wie schon gesagt unter anderem der "Rheumafaktor" im Blut. Doch dieser Blutwert ist nicht alles: Spezialisten wissen längst, dass der Rheumafaktor kein alleiniges Indiz für die RA ist. Auch wenn er negativ ist, schließt das die Erkrankung nicht aus. Meist bestätigt sich die Diagnose erst zusammen mit weiteren Befunden. Experten sprechen bei positivem Nachweis von "Rheuma-Faktor-positiver" oder "seropositiver" Arthritis, ist der Rheumafaktor nicht nachweisbar von "seronegativer" Polyarthritis. Übrigens findet sich der Rheumafaktor aber auch mit bis zu zehn Prozent bei gesunden Menschen. Er ist mit steigendem Alter häufiger nachweisbar.

Bildgebende diagnostische Verfahren sind weitere Bausteine bei der Diagnosestellung. Im Röntgenbild lassen sich Knochenveränderungen bei entzündlichen Gelenkerkrankungen jedoch erst nach längerer Krankheitsdauer feststellen. Mit dem Kernspintomografen (MRT) können Radiologen Gelenke und die umgebenden Weichteile gut darstellen. Die Entzündung bei Polyarhrtitis befällt vorwiegend die Innenhaut von Gelenken und Sehnenscheiden. Erst die Zusammenschau aller Untersuchungsbefunde ergibt die genaue Diagnose.

Eine Gliederpuppe mit rot markierten Gelenken, Quelle: imago/Montage

Helfen kann zudem eine High-Tech-Entwicklung von Ingenieuren aus Berlin-Mitte: Der sogenannte Rheuma-Scanner. Das Gerät kommt bereits in 35 Krankenhäusern und Praxen in Deutschland sowie im Universitätsklinikum Stockholm in Schweden zum Einsatz. Der Rheuma-Scanner kann vor allem solche Rheuma-Erkrankungen nachweisen, die sich nicht in Blutuntersuchungen niederschlagen.

Dabei bekommt der Patient den Farbstoff Indocyaningrün in die Armvene injiziert. Die Flüssigkeit fließt durch die Blutgefäße, verteilt sich im Körper und gelangt in die betroffenen Gebiete. Dort misst die Kamera die Durchblutung der Gelenke. In entzündeten Gebieten ist die Durchblutung stark erhöht, hier zeigen sich weiße, rote und gelbe Flecken auf dem Farbscanner. Grüne und blaue Regionen signalisieren hingegen eine normale Durchblutung und keine Entzündung.

Behandelt wird die rheumatoide Arthritis oft mit Nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac und Ibuprofen, sie lindern jedoch nur zunächst die Schmerzen. Heilen können sie die rheumatoide Arthritis nicht. Die medikamentöse Standardtherapie ist Methodrexat, kurz MTX und Cortison zur Eindämmung der akuten Entzündung. Heute kommen zudem synthetische DMARDs (Disease-Modifying Antirheumatic Drugs) zum Einsatz. Außerdem stehen einige Zusatztherapien wie zum Beispiel die mehrminütige Bewegung in der Kältekammer bei minus über 100 Grad oder Ergotherapie zur Verfügung. Sie verschaffen Linderung, ebenso wie eine gezielte Bewegungstherapie.

Filmbeitrag: Erika Brettschneider
Infotext: Beate Wagner

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