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Kaum eine Woche vergeht ohne neue Lebensmittelskandale und so ist es kein Wunder, dass alternative Ernährungsformen boomen. Vegetarier lehnen Fleischkonsum ab, Veganer gehen noch einen Schritt weiter und verzichten auf alle tierischen Produkte. Und Rohköstler, die verzichten aufs Erhitzen von Nahrungsmitteln.

Wer bei Rohkost nur an Möhren knabbern denkt, der liegt falsch. Rohkost-Rezepte boomen, die Rohkost-Anhänger schwören auf die gesundheitlichen Vorteile. Herkömmliche Rohkost-Lebensmittel sind Obst und Gemüse, das weder gekocht, noch gebraten oder gegrillt ist.
"Ur-Kost" nennen das Menschen, die hauptsächlich oder sogar nur von Rohkost leben. Sich selbst nennen sie Rohköstler. Unter ihnen ist auch eine Gruppe, die alles das als Rohkost definiert, was nie einer Hitze von mehr als 42 Grad ausgesetzt wurde. Somit fallen unter die Rohkost auch gemixte (Smoothies), gedörrte und anschließend pulverisierte Lebensmittel.
Mittlerweile gibt es sogar echte Rohkost-Gourmet-Köche, die mehrgängige Menüs aus Rohkost zaubern – vom Käse aus Cashewkernen bis zur Mousse aus Kakaobohnen und Früchten. In einigen Netzwerken ist schon die Rede von der "Neuen Rohen Küche - La Haute Cuisine Crue".
Auch einige Einzelhändler haben sich auf die rohe Kost spezialisiert. Bei sogenannten "Rohkost-Potlucks" (Mitbringbuffets) zeigen sich die Rohköstler untereinander was sie haben. Berlin gehört außerdem zu den deutschen Städten, in denen die Rohkost-Messe "Rohvolution" seit ihrem Beginn 2008 regelmäßig stattfindet. Zuletzt interessierten sich im März 2013 runde 6000 Menschen für "Rohvolution" – laut Veranstalter ein Plus von mehr als 300 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Rohkost – wie gesund ist sie wirklich?
Vegetarische Rohkost ist gesund – keine Frage. Allerdings ist strittig, ob Menschen, die zu 70 Prozent oder mehr ihres Lebensmittelbedarfes von Rohkost decken, der Gefahr einer Unterversorgung ausgesetzt sind. Dazu wird vor allem die sogenannte "Gießener Studie" angeführt; mittlerweile sind die Ergebnisse rund 15 Jahre alt.
Die Ergebnisse: Sowohl Body-Mass-Index wie auch die Versorgung mit den Vitaminen A,C, E, B1 und B6 sowie mit Antioxidantien war normal bis sehr gut. Allerdings waren die Studienteilnehmer überdurchschnittlich mager und wiesen insbesondere bei den Vitaminen B12 und D einen deutlichen Mangel auf. Deshalb postulierten die durchführenden Wissenschaftler damals: Die Ernährung ausschließlich durch Rohkost ist nicht zu empfehlen.
Mehrere aktuelle Studien legen nahe, dass Rohköstler zwar in der Regel magerer, aber nicht häufiger krank wie infolge eines Mangels an Kalzium von Osteoporose betroffen sind. Die erhebliche Kalorien- und Proteinreduktion könnte sich auf lange Sicht sogar positiv auf die Gesundheit des Herzens und die Krebsprävention auswirken, so die Vermutung einiger Wissenschaftler.
Infotext: Constanze Löffler













