Kraftwerk (Quelle: rbb)

- 'Lärm, Staub, Gift & Co. - was macht uns wirklich krank?'

Krank durch Fluglärm, Giftstoffe in der Nahrung, Impotenz durch Plastikverpackungen – täglich erschrecken diese Schlagzeilen in den Medien. Jeder steht den Meldungen ausgeliefert und machtlos gegenüber.

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Verschmutzte Luft rund um den Braunkohletagebau

Weitere Quellen extremer Luftverschmutzung sind die Braunkohlekraftwerke in Deutschland. Kohlekraftwerke sind neben dem Verkehr zweifellos die Umweltverschmutzer Nummer eins. Sie pusten große Mengen an Kohlendioxyd, Schwermetalle und sogar Arsen in die Luft – über Jahre reichern sich die Schadstoffe im Boden an. Im Rahmen der Ernährungskette gelangen die Substanzen irgendwann in unser Essen. Sie werden potentiell zur Gefahr für Mensch oder Tier.

Konkret betroffen sind beispielsweise die umliegenden Gemeinden des Kraftwerkes Jänschwalde und des Braunkohletagebaus in der Lausitz. Anwohner und Bürgerinitiativen laufen hier seit Jahren Sturm, die Anlage ist höchst umstritten. Einer Schätzung der Umweltorganisation Greenpeace zufolge sollen durch die Emissionen des Tagebaus jährlich geschätzt 373 Menschen sterben. Diese Zahl basiert auf epidemiologischen Berechnungen, die sich aus dem Durchschnitt aller europäischen Kohlekraftwerke ergeben.

Die Kritik am Tagebau ist groß, dennoch ist der Schaden durch die Emissionen bis heute nicht bewiesen: Den Nachweis, dass beispielweise Feinstaubpartikel vermehrt in den Atemwegen der Bewohner der Niederlausitz zu finden sind und dort zu gesundheitlichen Problemen führen, konnte bis heute nicht erbracht werden. Die Zahlen in den umliegenden Kliniken von chronisch verengten Bronchitiden, Asthma und Lungenkrebs sind durch das Kraftwerk nachweislich nicht erhöht.

Umweltschadstoffe zuhause

Im Spielzimmer:
Und auch im häuslichen Umfeld lauern Gefahren: Ganz gleich, ob es um krebserregendes Formaldehyd im Holzspielzeug, bleihaltige Farbe in asiatischem Spielzeug oder Weichmacher in Kunststoffen geht, die Unfruchtbarkeit bei Männern verursachen könnten: Wer in deutschen Kinderzimmern genauer sucht, wird eine Reihe von Schadstoffen finden, die der Gesundheit kurz- oder langfristig schaden können. Zudem geben nicht selten Möbel mit chemisch behandelten Oberflächen schädliche Partikel an die Raumluft ab. Doch auch hier ist die Beweislage unklar. Erhöhte Werte sind in manchen Zimmern zu messen, dass sie Schuld an Asthma bronchiale oder anderen Erkrankungen sein könnten, ist schwer nachzuweisen. Wer sicher gehen will, sollte ein Umweltlabor beauftragen, eine Raum-Schadstoff-Messung durchzuführen. Die kostet ca. 400 Euro.

Im Büro:
Wer sein Büro zuhause hat, sollte darauf achten, dass der Laserdrucker nicht zu nahe am Arbeitsplatz oder gar im Schlafzimmer steht. Denn der Tonerstaub aus Laser-Druckern steht im Verdacht, krebsauslösend zu sein. Experten der Universität Freiburg konnten nachweisen, dass der Staub Schäden an Zellen verursacht – und zu Mutationen im Erbgut führen kann. Die Folgen der Mutation sind bisher aber völlig unklar: Von der zelleigenen Reparatur über den Zelltod bis hin zu Entartung ist alles möglich. Experten beispielsweise des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) halten den Schaden durch Tonerstaub aus Laserdruckern am Menschen bisher für nicht ausreichend nachgewiesen. Eine Unterstützung oder Kostenübernahme von Arztkosten für mögliche Geschädigte gibt es – zu deren Leidwesen – hierzulande nicht.

Im Kleiderschrank:
Vor allem Textilien aus asiatischen Ländern sind in letzter Zeit stark in Verruf gekommen: Sie sollen beispielsweise Dispersions- und Azofarbstoffe enthalten, die potentiell die Erbsubstanz schädigen können und die als Allergieauslöser gelten. Zwar gelten europäische Einfuhrregeln für diese Toxine, geprüft werden sie aber nur stichprobenartig. Nur selten konnten dabei bisher Textilien mit erhöhten, gesundheitlich gefährlichen Werten an Dispersions- und Azofarbstoffe sichergestellt werden. Bis auf Menschen, die unter Kontaktallergien leiden, erkrankte bisher aber niemand durch das bloße Tragen dieser Kleidung. Experten empfehlen dennoch, neu gekaufte Kleidungsstücke vor dem Tragen immer zu waschen. Problematischer ist die Farbstoffbelastung hingegen für die Menschen, die diese Textilien in den Billiglohnländern herstellen. Die Arbeiter sind den Farbstoffen und Chemikalien schutzlos in hohen Konzentrationen ausgeliefert.

Sorgen macht Experten hierzulande aber die sogenannte Outdoor-Kleidung. Bei ihr müssen Verbraucher damit rechnen, dass perfluorierter Chlorwasserstoff (PFC) im Spiel ist. PFC macht die Stoffe wasserabweisend. Prinzipiell schadet die Chemikalie der menschlichen Haut zwar nicht direkt. Wird die Kleidung jedoch gewaschen, fließt PFC ins Abwasser – und gelangt so durch die Umwelt und die Nahrungskette wieder beim Verbraucher, wo sie in Verdacht steht, den Hormonhaushalt verändern zu können. Bei Fischen konnten Fachleute das bereits nachweisen. Zudem ist PFC nicht abbaubar – auch in modernen Kläranlagen nicht.

In der Küche:
Plastikverpackungen von Lebensmitteln verursachen tonnenweise Müll. Doch nicht nur das: Die Plastikhüllen setzen zudem auch verschiedene Phtalate frei, die sich dann beispielsweise im Fleisch ablagern. Schon lange besteht der Verdacht, dass diese Weichmacher die Spermienqualität mindern können. Dänische Forscher haben das Phänomen in großen Versuchsreihen bereits nachgewiesen. Aus Tierversuchen weiß man zudem sicher, dass Phtalate die Entwicklung und Funktionen des Hodens beeinträchtigen können. Experten gehen davon aus, dass diese Schädigung umso heftiger ist, je früher die Belastung einsetzt – schon im Mutterleib könnten Weichmacher sich also auswirken. Wer kann, sollte daher so wenig wie möglich in Plastik geschweißte Lebensmittel einkaufen.

Einen ähnlich schlechten Ruf hat Bisphenol A. Enthalten ist es in Büchsen mit Innenbeschichtung, Bodenbelägen, bis vor zwei Jahren auch in Babyfläschchen und Schnullern. Viele Experten fordern mittlerweile ein generelles Verbot von Bisphenol A. Dänemark hat ein Verbot für Bisphenol A durchgesetzt.

Infotext: Beate Wagner