Kraftwerk (Quelle: rbb)

- 'Lärm, Staub, Gift & Co. - was macht uns wirklich krank?'

Krank durch Fluglärm, Giftstoffe in der Nahrung, Impotenz durch Plastikverpackungen – täglich erschrecken diese Schlagzeilen in den Medien. Jeder steht den Meldungen ausgeliefert und machtlos gegenüber.

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Das moderne Leben fordert Kompromisse. Vor allem in der Großstadt müssen Menschen mit Einflüssen leben, die ihre Gesundheit empfindlich schädigen können. So macht Lärmbelästigung durch Baustellen und Flugverkehr nachgewiesenermaßen krank. Doch auch zuhause lauern Gefahren: Aus Asien importiertes Spielzeug könnte Allergien auslösen, behandelte Textilien und Möbel enthalten allerlei chemische Gifte. Selbst in Folie verpackte Wurst und Käse sind nicht mehr bedenkenlos genießbar: Lebensmittelverpackungen enthalten Weichmacher, die in den Organismus gelangen und das Hormonsystem schädigen können. Viele Informationen über Umweltschadstoffe sind sicherlich bedenkenswert, andere falsch in Zusammenhang gebracht. Genau hinzuschauen lohnt sich also.

Lärm in der Stadt

Etwa 30 000 Menschen in Berlin, also etwa zehn Prozent der Stadtbevölkerung, leben mit einer permanenten Lärmbelästigung und Lautstärken jenseits der vorgeschriebenen Grenzwerte. Tagsüber sind das 60 Dezibel, nachts darf es nicht lauter sein als 45 Dezibel. Verursacht wird der Lärm beispielsweise auf Baustellen, die nachts betrieben werden und nicht selten Geräuschpegel von mehr als 100 Dezibel erzeugen. Das entspricht der Lautstärke, die ein Flugzeug in etwa 50 Meter Höhe produziert.

Ähnliche Lärmpegel erreicht der City-Flughafen Berlin Tegel. Hier fliegen alle zwei Minuten Flugzeuge über die Stadt – vor allem morgens in der Zeit von sechs bis zwölf Uhr ist Hochbetrieb. Bei Landungen werden Spitzenwerte über 90 Dezibel gemessen. Ursprünglich hätte der Flughafen Tegel 2011 geschlossen werden sollen. Dann wurde die Eröffnung des neuen internationalen Flughafens BER in Schönefeld verschoben, auf einen nicht bekannten Termin.

Krankheiten durch Lärm beschreiben Mediziner bereits seit über 100 Jahren:
Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Nervosität, Störungen der Immunabwehr, Kreislaufprobleme. Dass beispielsweise der nächtliche Fluglärm nicht nur nervtötend ist, sondern auch das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen kann, hat eine Studie rund um den Köln-Bonner Flughafen gezeigt. Dabei wurden 100.000 Krankendaten miteinander verglichen. Ergebnis: 30 bis 60 Überflüge pro Nacht erhöhen den Stress und beeinträchtigen die Gefäßfunktion: Der Adrenalinspiegel steigt, die Gefäße werden steif.

Fluglärm stört zudem die Konzentration. Für Schulkinder sind diese negativen Wirkungen des Fluglärms in mehreren Studien nachgewiesen. Auch den Schlafrhythmus beeinflusst der Flugkrach negativ: Der Schlaf besteht dann aus häufig wechselnden leichten Schlafphasen. Zum erholsamen Tiefschlaf kommt es bei Stille. Nächtlicher Stress birgt wiederum das erhöhte Risiko von Asthma oder anderen Erkrankungen der oberen Atemwege.

Gefahr durch Autoabgase

Ebenso bedenklich ist die verschmutzte Luft – durch Feinstaub und Stickstoffdioxide. Feinstaub entsteht im Straßenverkehr, in offenen Kaminen, in der Landwirtschaft und vor allem in der Industrie. Stickstoffdioxid ist ein giftiges Gas, es entsteht bei der Verbrennung von Kohle, Gas und Öl. Ein Großteil der Emissionen stammt vom Lastwagen- und Autoverkehr.
Um die Feinstaubwerte im Straßenverkehr zu minimieren, gibt es in Berlin – wie in vielen deutschen Großstädten – die Umweltzone. Im Innenstadtbereich dürfen seit 2008 nur noch Autos mit wenig Schadstoffausstoß fahren, erkennbar sind sie an der grünen Plakette. Weitere Fahrzeuge tragen die gelbe Plakette – sie steht für Ausnahmeregelungen. Die Werte an Dieselruß konnten seit Einführung der Umweltzone halbiert werden. Der große Fortschritt aber blieb aus: Berlin kann bis heute nicht an den Hotspots die von der EU vorgeschriebenen Grenzwerte einhalten. Wie viele andere Städte in Europa auch. Zu den Berliner "Hotspots" zählen die Autobahn A 100, die Leipziger und Potsdamer Straße, Friedrich-, Wilhelm- und Dorotheenstraße, gefolgt unter anderem von Elsenstraße, Alt-Moabit, Tempelhofer Damm und Kolonnenstraße. Die EU erwartet nun, dass die Bundesregierung umgehend weitere Pläne zur Verminderung der Werte vorlegt. Durch die Einführung einer neuer Fahrzeugtypen mit noch niedrigeren Abgaswerten will man den angestrebten Werten näher kommen.

Warum könnte Feinstaub gefährlich sein?

Feinstaubpartikel sind kleiner als ein hundertstel Millimeter. In dieser Größe überbrücken sie alle Filter der oberen Atemwege – und gelangen direkt tief in die Alveolen der Lunge. In den Lungenbläschen, Ort des Gasaustausches, lagern sich die Minipartikel ab und können zu Atemwegserkrankungen und Lungenkrebs führen. Über die Gewebsmembranen der Alveolen gelangen die kleinen Feinstaubpartikel weiter bis in das Blut – und von dort über den Blutkreislauf in Richtung Herzen und schließlich bis ins Gehirn. Dort kann Feinstaub das Risiko für einen Gehirnschlag oder eine Demenz erhöhen.

Immer wieder wird berichtet, dass Schadstoffe wie Feinstaub und Stickstoffdioxide vor allem Kinder schaden. Ihr Körper entwickelt sich erst noch, das Immunsystem ist noch nicht ausgebildet. Kinderärzte berichten vor allem in Großstädten von ständig steigenden Zahlen an Asthma. Von bis zu zwölf Prozent Betroffenen ist die Rede.

Diese Berichte schüren den Verdacht, dass die steigenden Zahlen an kindlichem Asthma und Atemwegserkrankungen direkt durch die Autoabgase und Industrieschlote verursacht würden. Das aber stimmt nicht: Experten zufolge gibt es keine Untersuchungen, die einen direkten Zusammenhang von kindlichem Asthma bronchiale und Umwelteinflüssen beispielsweise in der Großstadt belegen.

Sicherlich haben Großstadtkinder im Vergleich zu Kindern, die auf dem Land aufwachsen, nachgewiesenermaßen einen Nachteil. Kinder auf Bauernhöfen sind "abgehärtet", sie wachsen frühzeitig mit Stäuben und Dreck aller Art auf. Ihr Immunsystem entwickelt sich robuster. Zudem kommen Landkinder noch im Mutterleib mit bestimmten Bakterien in Kontakt, beispielsweise durch Tiere auf dem Hof. Diese Erreger fordern das kindliche Immunsystem heraus und stärken es nachhaltig. Asthma gibt es bei Landkindern daher deutlich seltener als in der Stadt.

Schadstoffe wie Stickoxyde, Schwefeldioxid oder Feinstaub in der Luft sind aber dennoch nicht allein die Ursache, wenn Kinder in Großstädten an Asthma erkranken. Auch der Anstieg der Asthmaerkrankungen im Kindes- und Jugendalter in den vergangenen 50 Jahren kann nicht allein auf die Umweltbelastungen zurückgeführt werden.