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Jeder kennt die Situation: Bei großer Aufregung schlägt das Herz "bis zum Hals". Aber was tun, wenn Herzrasen immer häufiger auftritt oder chronisch wird? Wann ist es lästig, wann sogar gefährlich? Die rbb Praxis ist live bei einer Diagnose dabei und zeigt, wie Betroffenen geholfen werden kann.
Beim Herzrasen schlägt das Herz viel zu schnell, der Puls ist anhaltend bei mindestens 100 Schlägen pro Minute. Normalerweise haben Erwachsene einen Puls von etwa 60 Schlägen pro Minute. Bei der Tachykardie kann das Herz nur unvollständig arbeiten: In der kurzen Füllphase (Systole) füllen sich die Herzkammern nicht vollständig. In der Entleerungsphase (Diastole) kann das Blut nicht komplett in den Kreislauf ausgeworfen werden. Folglich sinkt das Schlagvolumen, es kommt nicht genug Blut im Körper an. Im Gehirn führt das zu Bewusstseinsausfällen, ein Kreislaufkollaps ist möglich. Ärzte sprechen von Synkopen. Das Herzrasen kann auch nachts auftreten, Patienten werden sogar davon wach. Zeitgleich mit dem Herzrasen fühlen sich die Patienten oft extrem schlapp, kraftlos, die Luft bleibt weg, ihr Allgemeinbefinden ist schlecht.
Da Herzrasen keine Krankheit ist, sondern ein Symptom, gibt es viele potentielle Ursachen. So kann das Herzrasen gutartig bedingt sein, das ist bei rund 100 000 Menschen hierzulande der Fall. Gutartiges Herzrasen tritt zum Beispiel beim Lagewechsel vom Liegen zum Stehen auf, bei Sport oder bei starker psychischer Belastung. Auch Zigaretten, Alkohol und verschiedene Drogen lösen Herzrasen aus. Mögliche weitere Ursachen für einen schnellen Herzschlag sind Hormonstörungen, beispielsweise an der Schilddrüse oder im Rahmen der Wechseljahre.
Tritt Herzrasen mit mehr als 140 Schlägen pro Minute auf, sollte man das ärztlich abklären lassen. Denn Herzrasen kann auch ein Ausdruck von verschiedenen Herzerkrankun-gen sein, so zum Beispiel Herzrhythmusstörungen.

Die häufigste Herzrhythmusstörung ist das so genannte Vorhofflimmern. Hierzulande sind rund eine Million Menschen betroffen. Es entsteht durch elektrische "Fehlzündungen" aus den Lungenvenen, die in den linken Vorhof einmünden. Dadurch kommt es zu unregelmäßigen Erregungen, die den normalen Herzrhythmus stören. Dies kann die Blutströmung in den Vorhöfen so stark durcheinanderbringen, dass sich dort Blutgerinnsel bilden. Gelangen diese über die Blutbahn ins Gehirn, besteht die Gefahr eines Schlaganfalls.
Keine Gefahr besteht hingegen zum Beispiel bei einer angeborenen AV-Knoten-Reentry-Tachykardie. Das ist eine gutartige Herzrhythmusstörung mit plötzlich beginnendem und wieder endendem, schnellem und regelmäßigem Herzschlag.
Bei den meisten Patienten mit Herzrhythmusstörungen lässt sich die Ursache mit der sogenannten Katheterablation beheben. Dabei veröden die Ärzte Teile des Herzmuskel-gewebes, welche die krankhafte Erregung provozieren mit Hochfrequenzstrom oder Radiofrequenzenergie. Das Narbengewebe kann keinen elektrischen Strom mehr leiten, Herzrhythmusstörungen können an diesem Ort nicht mehr entstehen.
Bei der AV-Knoten-Reentry-Tachykardie gilt die Ablation als Therapie der ersten Wahl, beim Vorhofflimmern setzen Ärzte vorher meist auf eine medikamentöse Behandlung mit "Antiarrhythmika". Erst wenn diese Medikamente nicht wirken, empfehlen Kardiologen auch bei Vorhofflimmern die Verödung.
Bei jüngeren Patienten wird man jedoch frühzeitig die Verödung wählen. In seltenen Fällen können dabei der Herzmuskel oder die Blutgefäße an Stellen geschädigt werden, die nicht Ziel der Verödungsbehandlung sind. Dies kann dazu führen, dass die behandelnden Kardiologen einen Herzschrittmacher oder eine Gefäßstütze (Stent) einsetzen müssen. Auch sind in seltenen Fällen Schlaganfälle beobachtet worden.

Herzrasen entsteht nicht selten auch ohne organische Ursache. Bei psychischem Stress, ganz gleich ob positiv oder negativ, treibt Adrenalin die Herzfrequenz kurzfristig von 80 auf bis zu 160 Schläge pro Minute hoch. Diese heftige aber natürliche Reaktion kann jeden treffen.
Wenn nachweislich keine organische Erkrankung hinter dem Herzrasen steckt, gibt es schnelle erste Hilfe, zum Beispiel durch ein Glas eiskaltes Mineralwasser. Das verlangsamt die Erregungsleitungen im Herz.
Dieselbe Wirkung hat ein Gesichtsbad in kalten Gm Wasser oder eine einseitige Massage der Halsschlagader unter dem Kieferwinkel. Hier sitzt ein Blutdruckregulationszentrum. Anderen hilft auch ein Achtsamkeitstraining – bei dieser gedanklichen Reise durch den eigenen Körper werden übertriebene Reaktionen auf Stress vermindert.
Filmbeiträge: Benjamin Kaiser/Erika Brettschneider
Infotext: Beate Wagner










