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Ein Spiegel als Hilfsmittel hocheffektiver Therapie nach dem Schlaganfall? Was exotisch klingt, hält in immer mehr Kliniken und Praxen Einzug und ermöglicht Fortschritte bei Patienten mit schweren Lähmungen, wenn andere Maßnahmen nicht helfen. Die rbb Praxis stellt das spannende Verfahren vor.
Rund 260 000 Deutsche erleiden jährlich einen Schlaganfall, etwa jeder Vierte stirbt unmittelbar daran. Bei einem Schlaganfall werden Nervenzellen des Gehirns nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. So können Gehirnteile absterben und Behinderungen verursachen. Typische Folge ist die Halbseitenlähmung.
Wenn eine Extremität gelähmt ist oder auch wenn starke einseitige Phantomschmerzen mit herkömmlichen Therapien nicht zu beherrschen sind, setzen Ärzte immer öfter eine einfache, aber wirkungsvolle Behandlungsmethode ein: die sogenannte Spiegeltherapie. Das Grundprinzip besteht darin, einen Spiegel so in der Körpermitte des Patienten zu platzieren, dass dieser das Spiegelbild der nicht betroffenen Extremität so sieht, als sei es die betroffene Extremität.
Die Behandlung – die über mehrere Wochen in der Physiotherapie durchgeführt wird – basiert auf der Annahme, dass das Gehirn lernt, was es sieht. Das Gehirn interpretiert den kranken Arm als "gesund". Gesunde Gehirnbereiche werden dabei durch die Spiegel-Illusion ausgetrickst und dazu animiert, die Arbeit von geschädigten Gehirnzellen zu übernehmen.

Die Idee zu der Spiegeltherapie hatte 1996 der indische Neurologe Vilayanur S. Ramachandran. Der in den USA lebende Arzt hatte damit gute Ergebnisse bei Menschen erzielt, die nach einer Armamputation mit Phantomschmerz reagierten. Später konnte der sinnvolle Einsatz des Spiegels auch bei anderen Symptomen wie Halbseitenlähmung nach Schlaganfall bestätigt werden.
Die prinzipielle Wirksamkeit der Spiegelillusion konnte bereits nachgewiesen werden. Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren zeigen zudem, dass eine Spiegelung von Bewegung zu einer Aktivierung der jeweils anderen Hirnhälfte führt.
Die Methode ist vor allem sinnvoll, wenn andere Therapien nicht mehr greifen. Für den Therapieerfolg ist es wichtig, dass der Patient sich auf das aktive Verfahren einlässt.
Für den Morbus Parkinson oder Lähmungen von MS-Patienten liegen noch keine validen Studien vor.
Filmbeitrag: Pia Busch
Infotext: Beate Wagner










