Grafik: entzündetes Kreuzdarmbeingelenk und Wirbelsäule (Quelle: rbb)

- Entzündlicher Rückenschmerz – Therapien auf dem Prüfstand

Muskelverspannungen, Arthrose und Bandscheibenvorfälle – diese Ursachen von Rückenschmerzen kennt man. Wenn die Beschwerden vor allem morgens auftreten und sich bei Bewegung bessern, könnte auch eine Entzündung die Ursache für die Schmerzen sein. Ist die Wirbelsäule dabei versteift, nennt man diese spezielle Entzündung Morbus Bechterew. Die rbb Praxis informiert über Diagnose und Therapie entzündlicher Rückenerkrankungen, die etwa fünf Prozent der Rückenschmerzen verursachen.

Grafik: Versteifungen der Wirbelsäule (Quelle: rbb)

Entzündlicher Rückenschmerz (Spondylitis ankylosans, Spondylarthritis) ist eine spezielle Form von Rheuma, die meist im Beckenbereich beginnt. Die Patientin im Betrag beispielsweise litt unter einer massiven Entzündung im rechten Kreuz-Darmbeingelenk. Ihre Beschwerden waren nicht eindeutig, so dass bis zur korrekten Diagnose drei Jahre vergingen. In dieser Zeit klagte die Patientin u. a. über stechende Ischiasschmerzen im Rücken, die mal auftraten und dann auch wieder verschwanden. Selbst nachts hatte sie Beschwerden, empfand ein Brennen und Drücken – Symptome, die sich im Liegen noch verstärkten. In der Nacht wanderte sie vor Schmerzen oft umher; vor allem morgens konnte sie sich kaum bewegen.

Vom Beginn der Erkrankung bis zur Diagnosestellung dauert es bei den entzündlichen Rückenschmerzen häufig sehr lange. Mitunter vergehen fünf bis zehn Jahre bis zur korrekten Diagnose. Oft liegt hinter den Betroffenen eine Ärzte-Odyssee. Auch die Patientin im Beitrag schleppte sich von Arzt zu Arzt. Die fälschliche Diagnose der Mediziner: Überlastung - sie bekam Schmerzmittel verschrieben, wurde sogar wegen eines Verdachtes auf Bandscheibenvorfall gespritzt. Allein: Die Beschwerden blieben. Erst ein Sportmediziner hatten den richtigen Verdacht.

Die eigentliche Ursache für die entzündlichen Rückenerkrankungen ist immer noch unklar. Sie zählen zu den Autoimmunerkrankungen; die Experten gehen also von einer überschießenden Immunreaktion aus. Feststellen lassen sich die entzündlichen, fortschreitenden Veränderungen des Bewegungsapparates einerseits im Röntgenbild. Im Blut sind außerdem Entzündungszeichen zu finden. Zudem können spezielle Genmarker vorhanden sein.

Grafik: entzündetes Kreuzdarmbeingelenk (Quelle: rbb)

Morbus Bechterew

Eine besondere Form der entzündlichen Rückenschmerzerkrankungen ist der Morbus Bechterew. Er beginnt schleichend; meist sind zunächst die Kreuz-Darmbein-Gelenke entzündet. Entgleiste Zellen des Immunsystems attackieren und zerstören das Gewebe. Die Krankheit verläuft in Schüben.

Im Laufe der Jahre kann die Entzündung allmählich die gesamte Wirbelsäule erfassen. Durch die Entzündungen bilden sich allmählich Knochenwucherungen. Nach und nach blockieren sie die Wirbel, die Wirbelsäule versteift. Dieser Prozess kann 20 bis 40 Jahre dauern kann. Das gefürchtete Endstadium ist eine stark gekrümmte und versteifte Wirbelsäule. Betroffene Patienten können weder aufrecht gehen noch gut durchatmen.

Behandlung mit Biologicals

Mit modernen Medikamenten, den sogenannten Biologicals, die ihren Platz schon seit längerem in der Behandlung der rheumatoiden Arthritis haben, lassen sich auch entzündliche Rückenschmerzen oder Morbus Bechterew behandeln. Die TNF-alpha-Blocker blockieren TNF-alpha. Diese körpereigene Substanz bindet sich an die Zelle im Gelenk-gewebe und lockt jene Immunzellen an, die fälschlicherweise körpereigenes Gewebe attackieren und die Entzündung provozieren. TNF-alpha-Blocker neutralisieren diese Substanz, indem sie diese blockieren und verhindern, dass sie sich an den Rezeptor der Zelle anheften.

Die Patienten spritzen sich den TNF-alpha-Blocker selbst. Die Erfahrungen mit dem Präparat sind gut: 60 bis 80 Prozent der Patienten, die auf übliche Therapien wie Kranken-gymnastik und aspirinähnliche Substanzen bislang nicht angesprochen haben, helfen die TNF-alpha-Blocker gut.

Filmbeitrag: Cornelia Fischer-Börold
Infotext: Constanze Löffler

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