-
Ein Schmerzmedikament bringt eine Brandenburgerin in Lebensgefahr: Der Wirkstoff Flupirtin, den sie gegen ihre Rückenschmerzen verschrieben bekommen hat, ruft bei ihr schwere Leberschäden hervor. Die Patientin ist in Deutschland kein Einzelfall, sondern eine von rund 300 Patienten, die nach der Einnahme von Flupirtin Probleme mit der Leber bekommen haben. Jetzt haben die Arzneimittelbehörden reagiert: Seit Sommer 2013 wird das Medikament nur noch eingeschränkt empfohlen.
Flupirtin, vertrieben unter dem Handelsnamen Katalodon, ist ein im Gehirn wirkendes Medikament, das die Ärzte als Schmerzstiller und Muskelrelaxans einsetzen. Das Präparat wird bei Rückenschmerzen und damit einhergehenden schmerzhaften Muskelver-spannungen verschrieben, aber auch gegen Regelschmerzen, Tumor- und Spannungs-kopfschmerzen sowie nach Operationen im Bereich der Traumatologie und Orthopädie.

Leberschädigende Wirkung von Flupirtin erkannt
Wie gut Flupirtin bei Rückenschmerzen und anderen chronischen Schmerzen wirkt, ist mittlerweile fraglich. In letzter Zeit verdichten sich zudem die Hinweise auf eine leber-schädigende Wirkung des Präparates. So hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zahlreiche Berichte über unerwünschte Arzneimittel-Nebenwirkungen bei Flupirtin gesammelt.
Mehr als ein Drittel der rund 800 Meldungen betrafen die Leber – und reichten von einem asymptomatischen Anstieg der Leberenzyme bis zum Leberversagen, wie bei der Patientin im Beitrag. 24 Fallberichte endeten tödlich, bei 17 wurden wiederum lebertoxische Reaktionen berichtet. Betroffen sind von der leberschädigenden Wirkung Menschen, die überempfindlich auf die Substanz reagieren.
Aufgrund der Meldungen über Nebenwirkungen beantragte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA ein Risikobewertungsverfahren. Die EMA veranlasste deshalb im März 2013 weitere Untersuchungen und veröffentlichte im Sommer 2013 eine Empfehlung, die den Einsatz von Flupirtin einschränkt: Der Wirkstoff darf nur noch im Ausnahmefall verordnet werden.
Zahlreiche Symptome eines Leberschadens
Die Symptome eines Leberschadens sind zumindest in ihren frühen Stadien unspezifisch: Oberbauch- und Verdauungsbeschwerden, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, eventuell auch Fieber und Ausschläge sowie Gelbsucht. Daher können sie leicht übersehen oder anderen Ursachen zugeschrieben werden.
Die Therapie toxischer Leberschäden besteht darin, die Einnahme verdächtiger Arzneistoffe sofort zu stoppen. Denn je länger der toxische Arzneistoff verabreicht wird, umso schlechter wird die Prognose: Aus der akuten Leberschädigung kann sich akutes Leberversagen oder eine Leberzirrhose entwickeln.
Bei einem Leberversagen schädigen Gifte wie eben das Medikament Flupirtin die Leber-zellen so stark, dass sie nicht mehr arbeiten. Die Leber versagt ihre Dienste und kann ihren zahlreichen Aufgaben im menschlichen Stoffwechsel nicht mehr nachkommen.
Wird die Gefahr rechtzeitig erkannt, kann eine Infusion mit ACC (Acetylcystein), sonst bekannt als Hustenmittel, die Entgiftung der Leber unterstützen.
Filmbeitrag: Angelika Wörthmüller
Infotext: Constanze Löffler






