Obst und Gemüse liegt auf einem Tisch, Quelle: dpa

- Was uns wirklich nährt - Kann man sich gesund essen?

"Hauptsache satt!" Über Generationen bestimmte dieser Leitsatz, was deutsche Familien aßen. Doch Sättigung ist nicht alles. Schon Hippokrates, der berühmte griechische Arzt des Altertums, forderte: Die Nahrung sollte unsere Medizin sein.

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Heute weiß man, dass sich durch die richtige Auswahl an Nahrungsmitteln tatsächlich viele Krankheiten verhindern oder sogar heilen lassen. Ob Naturheilkunde oder Ayurveda-Medizin – immer mehr medizinische Konzepte schließen in ihre Therapieangebote auch eine Ernährungsumstellung ein. Kann man sich also wirklich gesund essen? Der Film zeigt, welche Antworten Ernährungswissenschaftler auf diese Frage geben können und begleitet Patienten, deren Ernährungsumstellung zu überraschenden und erstaunlichen Heilungserfolgen führte.

Die Natur beschenkt uns reich: mit nahrhaften Früchten, vitaminreichem Gemüse und vielfältigen Getreidesorten. Doch wie gehen wir mit diesem wertvollen Gut um? Aus Getreide wird Auszugsmehl und aus frischem Gemüse Tütensuppe. Die Folgen dieser modernen Ernährung sind fatal: Viele der sogenannten Zivilisationskrankheiten sind ernährungsbedingt. Gicht und Osteoporose, das Reizdarmsyndrom und Allergien stehen im engen Zusammenhang mit dem, was wir essen.

Auch Diabetes, Erkrankungen der Herzkranzgefäße und bestimmte Krebsarten sind Folgen ungesunder Ernährung. Sie führt unter anderem zu Übergewicht. Die Fettpolster wirken sich vor allem bei Tumorarten ungünstig aus, deren Wachstum eng mit dem Hormonhaushalt zusammenhängt, wie zum Beispiel Brustkrebs-, Leber- und Prostatakrebs. Die Fettzellen bilden Hormone wie Leptin oder Adiponectin, die sich in den internen Signalverkehr des Körpers einschalten und im Stoffwechsel verhängnisvolle Weichen stellen. Besonders fatal dabei : das so genannte Bauchfett. Die frauentypischen Polster an Oberschenkeln und Hüften richten dagegen weniger Schaden an.

Diabetes und Übergewicht

Der runde Bauch begünstigt auch Altersdiabetes – eine Erkrankung, bei der die Bauchspeicheldrüse erschöpft ist. Sie schafft es nicht mehr, genug Insulin auszuschütten, um Zucker aus den aufgenommenen Kohlenhydraten zu verarbeiten. Es entsteht Diabetes mit all seinen Folgen: Der Zuckerüberschuss schädigt Blutgefäße und Nerven, das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigt. Auch Augen und Nieren arbeiten zunehmend schlechter.

Doch es gibt gute Nachrichten: Allein durch Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion ließen sich mehr als die Hälfte der Diabetesfälle verhindern, so die Untersuchungen von Wissenschaftlern. Und selbst wer schon in die Diabetesfalle getappt ist, kann durch gesundes Essen und weniger Gewicht seine Pillenzahl reduzieren, die Notwendigkeit von Insulinspritzen hinauszögern und verhindern, dass sich Folgeerkrankungen entwickeln.

Gesunder Fisch (Quelle: rbb)

Mittelmeerdiät

Besondere Ernährungsformen haben unterschiedliche Wirkungen. Viel diskutiert: die Mittelmeerdiät. Gemeint sind damit die traditionell im Mittelmeerraum üblichen Speisen mit viel Gemüse, Obst, Oliven- und Rapsöl, Kräutern und Gewürzen und Fisch statt Fleisch. Lässt solche Kost die Menschen in dieser Region gesund alt werden? Tatsächlich gehören Sardinien und die griechische Insel Ikaria zu den Regionen mit der höchsten Lebenswartung in der Welt. Und lassen sich diese Beobachtungen auch wissenschaftlich belegen? Erst kürzlich erschien eine Studie, welche die Wirkung der Mittelmeerdiät auf die Entstehung von Herzinfarkt und Schlaganfall untersuchte. Allein 30 Prozent der Schlaganfälle ließen sich durch diese gesunde Form der Ernährung einsparen, so das Ergebnis. Wer bereits einen Herzinfarkt hatte, minimiert sein Risiko für einen erneuten Herzinfarkt durch die Mittelmeerkost um die Hälfte. Insgesamt ist die protektive Wirkung der Diät bei mehr als 570 000 Menschen über mehr als zehn Jahre belegt.

Budwig-Quark mit Leinöl

Im Schwarzwald lebte einst die deutsche Chemikerin und Apothekerin Dr. Johanna Budwig. Sie kreierte im Jahr 1951 eine ganz besondere Diät, deren Anwendung sie wissenschaftlich dokumentierte: die sogenannte Budwig-Diät. Wichtigster Bestandteil: eine Quark-Leinöl-Speise. Im Laufe ihrer Forschungen hatte Budwig festgestellt, dass für eine gesunde Zellatmung mehrfach ungesättigte Fettsäuren und schwefelhaltiges Eiweiß notwendig sind. Budwig empfahl zudem Krebspatienten den Verzicht auf Kohlenhydrate, die ihrer Meinung nach die Tumorzellen nähren. Stattdessen sollten die Patienten Gemüse und Salate essen, ergänzt durch Nüsse und Hülsenfrüchte. Bis heute gibt es allerdings keine wissenschaftlichen Studien, die eine mögliche Wirksamkeit dieser Diät bei Krebs belegen. Deshalb ist diese Krebsdiät in der modernen evidenzbasierten Medizin nicht anerkannt, wird aber mitunter in alternativmedizinischen Kreisen angewandt.

Ayurvedische Massage (Quelle: dpa)

Ayurveda-Ernährung

Hierzulande noch relativ unbekannt ist das Essen nach den Regeln der ayurvedischen Ernährungslehre. Seit über 3000 Jahren wird diese besondere Form der vegetarischen Kost in Indien praktiziert. Die gesunde Küche mit vielen Gewürzen verhindert Krankheit, glauben die Verfechter. Pfeffer soll das Immunsystem stärken, Chili überflüssiges Fettgewebe abbauen und Kardamom gegen Entzündungen und Müdigkeit helfen. Die Statistik unterstützt die Theorie der positiven Wirkung: Darmkrebs beispielsweise ist in Indien wenig verbreitet. Jedes Jahr erkranken dort lediglich vier von 100 000 Menschen an Darmkrebs, in Deutschland sind es dagegen 35 Betroffene pro 100 000.

An der Berliner Charité untersucht man derzeit die Wirkung der Ayurveda-Ernährung bei Arthrose. Eine fleischreiche Ernährung mit wenig Gemüse begünstigt Arthrose, weil sie viele Entzündungsstoffe generiert. Dagegen gilt die vegetarisch-ayurvedische Ernährung mit ihren vielen Gewürzen und Kräutern als wirksame Medizin gegen die Gelenkbeschwerden. Entzündungshemmender Koriander, blutreinigender Kreuzkümmel und Wurzelgemüse sollen der Übersäuerung im Körper entgegenwirken. Pflanzliche Öle wendet man in Berlin bei Arthrose auch äußerlich an: Bei den Massagen im Immanuelkrankenhaus arbeiten die Physiotherapeuten mit alten Kräuterrezepten aus der Ayurveda-Medizin.

Doch nicht nur bei Arthrose, auch Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen, Übergewicht und Erschöpfungszuständen profitieren von der aromatischen Vegetarier-Kost. In speziellen Kliniken essen sie nicht nur nach indischen Regeln, sondern lernen auch zu meditieren – und so zur Ruhe zu kommen. Massagen und Darmkuren ergänzen die Behandlung. Vor allem Patienten mit Erschöpfungssyndromen und Lebensmittelintoleranzen wie Gluten-, Laktose- und Fruktose-Intoleranz profitieren von dem ganzheitlichen Ansatz.

So ernähren sich die Deutschen

Die hiesigen Ernährungsgewohnheiten lassen uns dagegen alt und krank aussehen. Der häufigste Fehler ist die Aufnahme von Kohlenhydraten in Form von Zucker und leicht resorbierbaren Stärken. Gepaart mit überwiegend sitzender Tätigkeit und körperlicher Inaktivität führt die Völlerei zu Übergewicht und Krankheiten.

Beispiel Zuckerrübe. Als vollständige Pflanze enthält sie Mineralien, Vitamine und Ballaststoffe. Für die menschliche Ernährung ist sie jedoch erst interessant seit ihrer industriellen Verarbeitung. Der dabei entstehende raffinierte Zucker wird mittlerweile maßlos konsumiert: Vor 150 Jahren verbrauchten wir Deutschen noch zwei Kilo jährlich; heute sind es 34 Kilogramm.

Auch Auszugsmehl ist ein Produkt der Industrialisierung. Jahrhundertelang aß man Brot aus vollem Korn, das alle wichtigen Nährstoffe enthielt. Traditionelle Mühlen bewahrten selbst beim früheren Weißbrot noch gesunde Stoffe. Moderne Industriemühlen entfernen die mittlerweile fast völlig. Das macht die Brötchen haltbarer, aber auch ungesund. Denn entwicklungsgeschichtlich betrachtet kennt unser Organismus Kohlenhydrate nur in Kombination mit Ballaststoffen oder anderen Strukturen, die der Körper langsam abbauen kann.

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