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Die Operation des Grauen Star zählt zu den häufigsten Operationen überhaupt. Dabei wird die getrübte Linse aus dem Auge entfernt und durch eine Kunststofflinse ersetzt. Da meist beide Augen betroffen sind, die in zeitlichem Abstand operiert werden müssen, kann es in der Zeit zwischen den Eingriffen zu Schwindel und anderen Störungen kommen. rbb Praxis-Autor Andreas Knaesche, der vor einem Jahr über seine erste Grauer Star-OP berichtet hat, zieht jetzt Bilanz, nachdem auch sein anderes Auge operiert wurde.
Alles liegt im Nebel, Umrisse verschwimmen, Licht blendet, Kontraste verblassen, die Umwelt wirkt zunehmend grau, Farben verlieren ihre Leuchtkraft: Wenn die Augenlinse eintrübt, verändert das die Sicht auf die Welt. Es scheint, als schaue man die ganze Zeit durch eine beschlagene Fensterscheibe. Der Graue Star oder Katarakt, wie die Linsentrübung fachsprachlich heißt, ist weit verbreitet.
Der Graue Star ist Folge des natürlichen Alterns. Einige Menschen haben schon mit 45 Jahren eine verschleierte Sicht, von den über 65-Jährigen blicken mehr als 90 Prozent wie durch Milchglas. Selten lösen Entzündung der Netzhaut, Medikamente, Diabetes oder Verletzungen den Grauen Star aus.
Die Linse sitzt im Auge direkt hinter der Regenbogenhaut. Der durchsichtige Körper bündelt das durch die Pupille einfallende Licht, auf der Netzhaut entsteht ein scharfes Bild – durch die hohe Elastizität der Linse sowohl in der Nähe und in der Ferne. Mit den Jahren verändert sich die Substanz der Augenlinse; sie wird dicker, trüber und starrer. Abhilfe schafft nur eine Operation. Dabei wird die natürliche Linse gegen eine künstliche Linse getauscht.
Multifunktionale Kunstlinsen
Immer häufiger wird die Katarakt-Operation mit dem Femtosekunden-Laser als hochpräzises "Laserskalpell" durchgeführt. Der Femto-Laser arbeitet mit ultrakurzen Lichtimpulsen. Durch diese enorme Energiedichte entstehen im Gewebe Tausende kleine Luftbläschen aus Wasser und Kohlendioxid. Sie trennen die Gewebeschicht sauber und präzise an vorher genau berechneten Stellen, ohne dass Traumata oder thermische Schädigung am Nachbargewebe entstehen. Mit dem Laser eröffnet der Experte die Linsenkapsel und zertrümmert die trübe Linse. Anschließend saugt er die zertrümmerte Eigenlinse ab und setzt eine künstliche Linse ein.
Lange Zeit setzten Augenchirurgen bei einer Katarakt-Operation standardmäßig sogenannte Monofokallinsen ein. Da sie aber nicht so flexibel sind wie die natürlichen Linsen, schärften sie die Sicht nur in der Ferne. Zum Lesen brauchte der Patient eine zusätzliche Brille. Die Medizintechnik hat mittlerweile eine Reihe von modernen Kunstlinsen mit mehreren Funktionen entwickelt: Die Multifokallinse soll beispielsweise eine brillenfreie Sicht in der Nähe und der Ferne ermöglichen. Leider erfüllt sich diese Hoffnung bei vielen Patienten nicht. Sie brauchen beispielsweise für die Fernsicht wie beim Autofahren oder auch zum Lesen weiterhin eine (meist leichte) Brille. Und auch Nebenwirkungen wie Blendeffekte, Lichthöfe, reduzierte Kontrastschärfe oder Entzündungen kommen zwar selten vor. Experten können sie aber nie ganz ausschließen.
Nachstar oft bei jüngeren Patienten
Nicht selten müssen Patienten auch eine Zwischenlösung akzeptieren – wenn nämlich das eine Auge bereits operiert ist, das andere aber noch nicht. Dann hilft eine Kontaktlinse auf dem noch unbehandelten Auge. Ohne zusätzliche Sehhilfe muss das Gehirn die unterschiedlichen Dioptrien ausgleichen. Ist der Unterschied zwischen beiden Augen zu groß, werden unterschiedlich große Bilder auf die Netzhaut projiziert. Die Folge sind Schwindel, Kopfschmerzen oder Probleme beim Laufen. Experten raten daher, die beiden Augen möglichst kurz hintereinander operieren zu lassen.
Doch auch nach der Operation sind nicht alle Gefahren gebannt. Der Nachstar ist die häufigste "Nebenwirkung" der Grauen-Star-Operation. Er tritt bei mindestens jeder dritten Katarakt-Operation auf, je nach Alter und Material. Je jünger der Patient ist, desto eher muss er mit dieser Nebenwirkung rechnen.
Dabei handelt sich um erneute Eintrübungen an der noch im Auge belassenen Hinterkapsel der herausoperierten Linse (Kapselfibrose). Da die Hinterkapsel der Linse aus Stabilitätsgründen möglichst nicht mit herausgeholt wird, wächst dahinter oft eine dünne Zelllage aus Linsenepithelzellen. Wachsen diese Zellen bis ins optische Zentrum der Linse vor, verschlechtern sie die Sehschärfe trotz erfolgreicher Operation erneut.
Um die Diagnose zu stellen, führt der Augenarzt eine erneute fundierte Anamnese, einen Sehtest sowie eine spezielle Untersuchung der Sehfähigkeit der Netzhaut durch. Zudem beurteilt er die Linsenreste sowie den Augenhintergrund bei erweiterter Pupille und bestimmt den Augendruck.
Nachstar - wann behandeln?
Behandelt wird der Nachstar, wenn der Patient ihn als störend empfindet oder die Sehschärfe/Kontrastwahrnehmung deutlich reduziert ist. Experten beheben die Sehminderung entweder mit der Laserung oder chirurgisch. Bei der herkömmlichen Operation saugen sie die Zellen ab, die den Nachstar verursachen (sog. Nachstarabsaugung).
Bei der Laserung wird die Pupille am jeweiligen Auge vor dem Lasern weitgestellt. Das Auge wird betäubt und danach setzt der Augenarzt eine spezielle Lupe auf das Auge auf, ein so genanntes Kontaktglas. Dann beschießt er die neu gebildeten Zellen an einem Betrachtungsgerät mit Laseraufsatz (Neodym-YAG-Laser). So bildet sich ein Loch an der Hinterkapsel, durch das der Patient wieder ungetrübt sehen kann. Der Vorgang muss meist einige Male wiederholt werden. Die Behandlung dauert in aller Regel nicht länger als einige Minuten.
Text: Beate Wagner
Filmbeitrag: Andreas Knaesche









