-
Seit ein paar Tagen ist es wieder soweit: Der aktuelle Impfstoff gegen die Grippe ist beim Arzt verfügbar. Das Paul-Ehrlich-Institut hat die Chargen von mehr als 13,4 Millionen Dosen des Influenza-Impfstoffs freigegeben. Zwar bricht die alljährliche Grippewelle in Deutschland meist erst nach dem Jahreswechsel aus. Jetzt aber ist die beste Zeit, um sich gegen Influenza impfen zu lassen – und sich bestmöglich vor der "echten" Grippe zu schützen.
Das vergangene Jahr haben Experten wie Betroffene sicher noch gut in Erinnerung: Insgesamt 19 Wochen hielt die Grippewelle an. Geschätzt 7,7 Millionen Menschen gingen wegen einer Infektion mit Influenzaviren zum Arzt, nur 2004/2005 war diese Zahl höher. Jugendliche und Erwachsene waren ungewöhnlich stark betroffen: 3,4 Millionen Personen zwischen 15 und 59 Jahren mussten wegen der "echten" Grippe krankgeschrieben werden – so viele wie nie zuvor in den letzten zehn Jahren.
Was ist die "echte" Grippe?
Jedes Jahr kommt es meist im Januar und Februar in Deutschland zu einer starken Häufung an Influenza-Infektionen. Diese "echte Grippe" ist keine harmlose Erkältung. Es handelt sich um eine schwere Erkrankung, die durch plötzlich auftretendes hohes Fieber über 39 Grad Celsius, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Schweißausbrüche, allgemeine Schwäche, Kopfschmerzen, Halsschmerzen und trockenen Reizhusten gekennzeichnet ist. Grippeviren werden als Tröpfcheninfektion übertragen, gerade für ältere Menschen können sie sehr gefährlich werden. Wenn beispielsweise Probleme im Herz-Kreislaufsystem vorliegen, ist eine Lungenentzündung nicht weit.
Was löst die Influenza aus?
Die "echte" Grippe wird durch Influenzaviren verursacht, die Experten in zwei große Gruppen einteilen: Influenza A und B Viren. Innerhalb der Gruppen werden verschiedene Virenstämme anhand der Eiweiße auf ihrer Außenseite unterschieden. Jeder Grippevirusstamm trägt eine bestimmte Kombination der Eiweiße und wird entsprechend benannt. Internationale Organisation wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehen davon aus, dass das Virus A (H1N1) wie in den vorhergehenden Saisons auch in der kommenden Zeit hierzulande auftauchen wird. Bekannt geworden ist es als das "Schweinegrippe"-Virus. Beim Influenza-B-Virus rechnen die Experten hingegen mit neuen Varianten. Der aktuelle Impfstoff bietet gegen alle diese Typen Schutz.
Der beste Zeitraum für die Grippeimpfung ist Oktober und November. Dann ist genug Zeit, bis der Körper bis zum Start der Grippewelle einen ausreichenden Impfschutz aufgebaut hat. Keine Impfung kann einen hundertprozentigen Schutz bieten. Der Impfstoff bereitet die Immunabwehr aber in etwa zehn bis 14 Tagen so auf eine Infektion vor, dass sie einen schweren Verlauf vermeiden kann.
Wie heftig die Grippewelle in diesem Winter wird, kann niemand vorhersagen. Ebenso unklar ist, ob sie Deutschland vielleicht auch schon eher als angenommen überrollt. Für Risikogruppe gibt es dennoch genug Grund, sich rechtzeitig impfen zu lassen: Auch bei moderaten Verläufen sterben jährlich tausende Menschen an den Folgen der Infektion.
Wer sollte sich impfen lassen?
Das Robert-Koch-Institut rät vor allem folgenden Gruppen zur Grippeschutzimpfung: Ältere Menschen ab 60 Jahre, Personen mit Grundkrankheiten wie Diabetes, oder Asthma, Menschen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten, oder HIV-Infektion, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, medizinisches Personal, Menschen in Einrichtungen mit viel Publikumsverkehr (z.B. Busfahrer, Lehrer), Betreuer von Risikopatienten. Eine Impfung wird darüber hinaus auch Personen mit direktem Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln empfohlen. Dadurch soll verhindert werden, dass sich die Erreger der "Vogelgrippe" mit im Menschen zirkulierenden Viren mischen (siehe unten).
Wer die Impfsaison jetzt verpasst, kann den "Piks" aber auch später nachholen. Zusätzlich zur Impfung kann jeder das Risiko einer Infektion mit Influenzaviren verringern, wenn er überfüllte Orte meidet und zu Menschen Abstand hält, die einen akuten Atemwegsinfekt, oder Husten haben. Auch das regelmäßige gründliche Händewaschen gehört zu einer wirksamen Infektionsprophylaxe.
Personen, die gegen Bestandteile des Impfstoffs, wie zum Beispiel Hühnereiweiß, allergisch sind, sollten mit den üblichen Impfstoffen nicht geimpft werden. Denn diese enthalten produktionsbedingt Spuren von Hühnereiweiß. Eiweiß-Allergiker werden hingegen mit einem hühnereiweißfreien Impfstoff geschützt, der in Zellkulturen und nicht in Bruteiern hergestellt wird. Für ältere Personen über 65 Jahre ist zudem ein inaktivierter, adjuvantierter Impfstoff verfügbar.
Fortsetzung des Textes auf Seite 2.
Auch kranken Kindern und Jugendlichen mit chronischen Krankheiten der Atmungsorgane, Herz- oder Kreislaufkrankheiten, Leber- oder Nierenkrankheiten, Diabetes, oder neurologischen Krankheiten, wie Multiple Sklerose, raten Experten zur Impfung. Seit Jahren wird zudem in Fachkreisen diskutiert, ob es sinnvoll ist, auch gesunde Kinder und Jugendlichen gegen Influenza zu impfen. Diese sogenannte Herdenimmunität könnte dann gefährdete Gruppen wie zum Beispiel Ältere indirekt schützen. Denn mit der Grippeimpfung wird bei kranken älteren Menschen oft nur ein Schutz von 30 bis 50 Prozent erzielt. Werden also alle gesunden Kinder geimpft, senkt man auch die Ansteckungsgefahr für andere.
In Großbritannien ist man von der Strategie der Herdenimmunität überzeugt: Hier werden dieses Jahr die ersten gesunden Kinder geimpft. Spätestens ab 2015 soll allen zwei bis 17-Jährigen jährlich die nasale Influenzaimpfung angeboten werden. In den USA besteht schon länger eine generelle Impfempfehlung, und zwar bereits ab sechs Monaten. Gleiches gilt für Kanada. Die Ständige Impfkommission (STIKO) in Deutschland hält dagegen an den geltenden Empfehlungen zur saisonalen Grippeimpfung fest. Danach sollen lediglich Kinder und Jugendliche mit einer chronischen Erkrankung geimpft werden. Kinder im Alter von 2 bis 6 Jahren sollen zudem vorzugsweise mit dem neuen nasalen Impfstoff geimpft werden.
Dieser sogenannte Lebendimpfstoff steht neben den inaktivierten saisonalen Impfstoffen seit neuestem zur Verfügung. Er eignet sich für Kinder ab zwei Jahren und Jugendliche bis 18 Jahren. Die neue Substanz wird nicht wie üblich über eine Spritze verabreicht, sondern als Nasenspray. Sie zeigt laut Studien zumindest bei jüngeren Kindern eine bessere Schutzwirkung. Für das Nasenspray gibt es jedoch ein paar Einschränkungen: Kinder mit einer Immunschwäche, schwerem Asthma, oder unter einer Salicylat-Therapie sollten es nicht bekommen.
Wer bezahlt die Kosten der Impfung?
Für über 60-Jährige und weitere Risikogruppen, für die eine Impfempfehlung der STIKO gilt, übernehmen die gesetzlichen Kassen die Kosten in jedem Fall. Für privat Krankenversicherte gelten ähnliche Kostenübernahmeregelungen. Etwa 100 gesetzliche Krankenkassen zahlen auch für alle anderen Impfwilligen – ganz gleich, wie alt sie sind, oder welche Vorerkrankungen sie haben. Wer selbst zahlen muss, muss mit Kosten zwischen 20 und 30 Euro rechnen.
Wo wird geimpft?
Grundsätzlich kann jede Ärztin, oder jeder Arzt die Impfung durchführen. In der Regel findet die Impfung in allgemeinmedizinischen, internistischen, kinder- und frauenärztlichen Praxen statt. Auch einzelne Gesundheitsämter impfen gegen Grippe. Ebenso bieten einige Arbeitgeber eine Impfung im Betrieb an.
Besteht auch Vogelgrippe-Gefahr?
Immer wieder verändern Influenzaviren ihr Erbgut so, dass sie sich weiter verbreiten können. So kam es kürzlich in China zu der weltweit ersten Ansteckung mit dem Vogelgrippevirus vom Typ H7N9 von Mensch zu Mensch. Zuvor kursierte das Virus nur zwischen Tieren. Mit dem Erreger H7N9 haben sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit März dieses Jahres 135 Menschen angesteckt, 43 Infizierte starben. Beruhigend ist allerdings, dass der Virustransfer wohl weiterhin sehr schwierig ist. Wenn es in Einzelfällen zu Übertragungen zwischen Menschen kommt, dann vor allem durch den engen Kontakt mit Sekreten und Ausscheidungen Infizierter, und nicht, weil das Virus plötzlich leichter übertragbare Varianten bildet. Seit Ende Mai scheint das Virus weitgehend verschwunden. Nur noch vereinzelt werden in China Neuinfektionen beobachtet. Hierzulande besteht derzeit keine Gefahr für eine Infektion mit einem Vogelgrippevirus – und daher auch kein Bedarf für eine Impfung.
Text: Beate Wagner
Filmbeitrag: Johannes Mayer









