Grafik von einem Herz mit einer Operation im Hintergrund (Quelle: rbb)

- Live-Diagnose im Studio: Gefäß-Check

Wer schon einmal Probleme mit dem Herzen hatte, der weiß: Kranke Gefäße können das eigene Leben bedrohen. Besonders tückisch ist, dass Betroffene nicht spüren können, wie es den eigenen Gefäßen geht. Gewissheit bringt nur ein Gefäß-Check beim Spezialisten.

Arteriosklerotische Gefäßschäden tragen Millionen Menschen in Deutschland mit sich herum - nur ein Bruchteil weiß davon. Bei der Systemerkrankung Arteriosklerose verkalken die Gefäße wichtiger Organe wie Gehirn, Herz und Niere. Die Arterienwände verdicken, Blutzellen werden vermehrt angeschwemmt, Cholesterine lagern sich ab. Irgendwann ist der Gefäßdurchmesser so stark eingeschränkt, dass das Blut schlechter durch die Adern fließt. Die Folge: Organe werden nur noch unzureichend mit Sauerstoff versorgt.

Die Ablagerungen an den Gefäßwänden sind typische Erscheinungen unserer modernen Zivilisation. Bis sich die Arteriosklerose mit Beschwerden bemerkbar macht, vergehen jedoch häufig Jahre und Jahrzehnte. Je nach betroffenem Versorgungsgebiet treten dann unterschiedliche Symptome auf: Es drohen die arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), das Bauchaortenaneurysma, also die sackartige Erweiterung der Bauchschlagader, mit dem Risiko der plötzlichen lebensbedrohlichen Blutung sowie der Herzinfarkt und der Schlaganfall.

Regelmäßige Checks für Risikogruppen

Wer schon einmal beispielsweise einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten hat, gehört zur sogenannten Risikogruppe. Diesen Patienten empfehlen Ärzte, in regelmäßigen Abständen einen Gefäß-Check beim Gefäßspezialisten durchführen zu lassen. Viele niedergelassene Ärzte bieten die Vorsorgeuntersuchung an, in den meisten Fällen übernehmen die Kassen die Kosten aber nicht. Auch Rauchern und Patienten mit hohen Blutfetten oder einer familiären Häufung von Schlaganfall, Herzinfarkt, oder Thrombosen wird zu einem Gefäß-Check geraten. Noch sinnvoller ist für alle diese Patienten, die Risikofaktoren für weitere Gefäßschäden zu minimieren. Dazu gehört, sich das Rauchen abzugewöhnen, sich gesund zu ernähren und einen gesunden Lebensstil mit wenig Alkohol, ausreichend Schlaf und viel Bewegung zu pflegen.

Beim Gefäß-Check begutachtet der sogenannte Angiologe mit der Farbduplex-Sonographie zunächst die Halsschlagader, genannt Karotisarterie. Mit diesem speziellen Gefäß-Ultraschall kann er die Fließgeschwindigkeit des Blutes in den Gefäßen messen, krankhafte Strömungsveränderungen entdecken und Gefäßverengungen sehen. Zudem misst er die Pulswellengeschwindigkeit. Denn mit zunehmender Verkalkung nimmt die Elastizität der Gefäße ab. Aktuelle Studien zeigen zudem: Wenn Ärzte die Wanddicke der Halsschlagadern sowie die der Beingefäße bestimmen, können sie auch eine zuverlässige Aussage über das Herzinfarktrisiko treffen. Denn ähnliche Verkalkungen liegen bei diesen Patienten meist auch im Bereich der Herzkranzgefäße vor.

Risiko Karotisstenose

An der großen Halsschlagader, die Karotis, entstehen Kalkablagerungen häufig an der Verzweigung in die innere und äußere Halsschlagader. Ist die innere Halsschlagader durch Ablagerungen verengt, fließt das Blut nur noch vermindert zum Gehirn. Zusätzlich können Gerinnsel aus der verkalkten Gefäßwand in das Gehirn verschleppt werden und ein Gehirngefäß verstopfen. Bei rund 30.000 Patienten in Deutschland folgt auf eine solche Karotisstenose ein Schlaganfall.

Insgesamt macht die Karotisstenose 15 Prozent aller Schlaganfallursachen aus. Die überwiegende Zahl an Schlaganfällen wird allerdings durch verengte Gefäße verursacht, die im Gehirn liegen.

Wichtig ist, dass der Gefäß-Check in einer Facharztpraxis erfolgt. Denn Ultraschallergebnisse zu interpretieren hängt maßgeblich auch von der Erfahrung und der Interpretation des jeweiligen Arztes ab. Nicht selten kommt es auch zu Fehleinschätzungen, man spricht vom "subjektiven Faktor" beim Ultraschall. Vor einer Operation sollte zudem eine weitere Kontrolluntersuchung stattfinden, die sogenannte Angiographie. Sie gilt als ,"Goldstandard" in der Diagnostik und gibt Auskunft zur Beschaffenheit und Ausdehnung der Stenose. Mithilfe der Angiographie wird der Stenosgrad bestimmt – davon hängt ab, ob eine Karotisstenose operiert wird oder nicht.

Therapiemöglichkeiten

Ist die Entscheidung für einen Operation gefallen, stehen dem Gefäßspezialisten zwei Therapiemöglichkeiten zur Auswahl. Beide Behandlungsoptionen haben das Ziel, bei Patienten mit verengter Halsschlagader die Gefahr eines Schlaganfalls zu minimieren. Die klassische Entfernung der Kalkablagerungen (Endarteriektomie) führen Ärzte seit fast 60 Jahren durch. In Deutschland werden jährlich mehr als 25.000 Menschen mit einer verengten Halsschlagader operiert. Dabei wird über einen Schnitt am Hals der betroffene Gefäßabschnitt freigelegt, anschließend klemmt der Operateur den Blutstrom ab. Dann schält er die Ablagerungen aus, verschließt das Gefäß wieder und öffnet den Blutstrom.

Bei dem sogenannten Stenting, dehnt der Operateur das verengte Gefäß mit einem dünnen Ballonkatheter auf und legt dann eine Gefäßstütze aus feinstem Draht ein, ein sogenannter Stent. Während die Endarteriektomie in Vollnarkose erfolgt, kann der Stent auch in örtlicher Betäubung verlegt werden. Ein weiterer Vorteil des Verfahrens ist, dass der Blutstrom nicht unterbrochen wird und kein Schnitt am Hals notwendig ist. Der Nachteil: Bei dem Katheterverfahren können sich Plaques lösen und an anderer Stelle einen Gefäßverschluss und damit einen Schlaganfall verursachen. Die Operateure legen als Schutz davor kleine Filter oder Ballons ein, die das gelöste Material auffangen.

Welche Therapie für wen?

Zahlreiche Studien belegen, dass die Einlage eines Stents ebenso effektiv eine Verengung der Halsschlader beheben kann wie die konventionelle Operation. Die Komplikationsraten des Stenting (Schlaganfallrate, Sterberate etc.) sind mit denen der klassischen Karotisoperation vergleichbar. Muss der Arzt sich für die eine oder andere Methode entscheiden, wird er Faktoren wie den Grad der Verengung, die Beschaffenheit des Kalkmaterials und die Begleiterkrankungen des Patienten mit berücksichtigen. Sowohl für den direkten Erfolg als auch für die Langzeitergebnisse ist das wichtig. Ältere Patienten scheinen jedoch eher von einer konventionellen Operation zu profitieren.

Patienten mit verengten Halsschlagadern, die (noch) keinen Eingriff brauchen, erhalten meist eine medikamentöse Therapie. Sie nehmen Arzneimittel, die das Blut verdünnen oder die Blutfettwerte reduzieren. Unerlässlich ist zudem der Verzicht auf Zigaretten, allzu üppige Mahlzeiten und die regelmäßige Kontrolle beim Internisten oder Kardiologen.


Text: Beate Wagner
Filmbeitrag: Erika Brettschneider

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