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Herbstzeit ist Erkältungszeit. Die harmlosen grippalen Infekte sind weit verbreitet: Durchschnittlich erkranken Erwachsene drei Mal pro Jahr, Kleinkinder haben bis zu zwölf Infekte und ein Kind im Vorschulalter mindestens sechs pro Jahr. Wie es zu den ständig wiederkehrenden Infekten kommt, scheint in der Bevölkerung jedoch weniger bekannt.
Erkältungen entstehen durch Kälte
Stimmt nicht, Verursacher von Infekten sind immer Viren und Bakterien. Während der kalten Monate haben die Erreger aber ein besonders leichtes Spiel, in den Organismus einzudringen. Denn trockene Heizungsluft verhindert, dass die Schleimhäute gut befeuchtet und durchblutet sind. Zudem löst das Zusammenspiel von Zellbotenstoffen bei Zimmertemperatur eine angemessene Immunreaktion aus. Bei Minusgraden gerät es hingegen aus dem Gleichgewicht.
Grippe und Erkältung sind eins
Die "echte Grippe" wird durch Influenzaviren ausgelöst und tritt hierzulande vor allem während der Wintermonate gehäuft auf. Eine Erkältung ist dagegen ein banaler Infekt und wird durch Rhino- und RS-Viren, aber auch Adeno- und andere Viren verursacht. Anders als bei der Erkältung fühlen sich die Betroffenen der "echten Grippe" plötzlich schwer krank, haben hohes Fieber, Reizhusten und starke Gliederschmerzen. Vor allem bei abwehrschwachen Menschen kann sie zu lebensgefährlichen Komplikationen führen. Jährlich sterben mehrere Tausend Menschen daran. Gegen die Grippe kann man sich jedes Jahr impfen lassen.

Küssen ist ansteckend
Falsch. Erreger von Erkältungen gelangen über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch. Sie werden millionenfach in Form von Minitröpfchen beim Niesen und Husten zum Nachbarn geschleudert und gelangen meist über dessen Atemwege in dessen Organismus. Über den Mund übertragene Erreger werden verschluckt und im Magen zerstört.
Sauna härtet auch kurzfristig ab
Nein, nur wer regelmäßig sauniert, zehrt langfristig von den thermischen Wechselreizen. Bereits nach einem Vierteljahr regelmäßiger Saunaanwendung lassen sich deutliche Effekte nachweisen – Saunagänger erkranken dann seltener, kürzer und weniger schwer als Nicht-Saunagänger. Allerdings ist Sauna nicht im akuten Krankheitsfall zu empfehlen. Denn die Hitze und die anschließenden kalten Duschen können bei bereits kranken Menschen das Immunsystem überfordern und die Erkältung verschlimmern. Insbesondere bei Fieber ist die Sauna tabu.
Ältere Menschen haben öfter Erkältungen
Stimmt nicht. Das Immunsystem entwickelt sich über die Jahre: Wird das Baby gestillt, ist es durch die spezifischen Antikörper in der Muttermilch geschützt. Danach muss das kindliche System alleine klar kommen, bis es im Alter von 10 bis 12 Jahren voll entwickelt ist. Kinder sind daher sehr infektanfällig, das immunologische Gedächtnis lernt jedoch mit jedem Infekt dazu. Zudem sind im fortgeschrittenen Alter viele Erreger schon bekannt und daher nicht mehr gefährlich.

Antibiotika werden es schon richten
Im Gegenteil: Ärzte in Praxis und Klinik wenden bis zu 70 Prozent der Antibiotika falsch an. Antibiotika helfen nur, wenn Bakterien Auslöser der Erkrankung sind – gegen Viren sind sie wirkungslos. Nur wenn der Arzt feststellt, dass bei der Erkältung auch (zusätzlich) eine bakterielle Infektion vorliegt, sind die Arzneien sinnvoll. Das Problem an dem flächendeckenden Einsatz der Antibiotika: Immer mehr Keime werden unempfindlich gegen die verfügbaren Medikamente.
In der Erkältungszeit nichts anfassen
Klar ist: Erreger gelangen über die Schleimhäute ins Innere des Körpers. Die Haut ist für sie eine undurchdringbare Barriere. Dennoch können Erreger, die sich über Stunden auf Flächen und an Türklinken halten, natürlich über die Hände und von dort zur Nasenschleimhaut gelangen. Häufiges Händewaschen ist daher sinnvoll. Das Desinfizieren der Haut ist im Alltag nicht zu empfehlen, es zerstört die natürliche Schutzschicht der Haut.
Heiße Zitrone lindert Erkältungen
Wenn Kranke das Gefühl haben, dass eine heiße Zitrone ihnen hilft, liegt das vor allem an dem "heißen Getränk". Das Vitamin C wird beim Erhitzen zerstört. Und es hilft dem Immunsystem weder vorbeugend noch in besonders hohen Dosen.

Gegen Erkältung ist man immun
Zwar baut das Abwehrsystem gegen fast alle viralen Eindringlinge nach dem Erstkontakt eine Immunität auf. Es dringen aber immer wieder Erreger ein, die das Immunsystem nicht erkennt. Erneute Infektionen sind also entweder durch neue unbekannte Viren verursacht oder durch ehemals bekannte und nun durch Genmutation veränderte Viren. Sie wandeln sich dabei so in ihrer Struktur, dass die Antikörper des Abwehrsystems sie nicht wiedererkennen und eine Infektion nicht sofort verhindern können.
Abhärten bringt nix
Stimmt nicht. Abhärten heißt aber nicht übertreiben. Eine ausgewogene Ernährung, reichlich Bewegung, viel frische Luft, ausreichend Schlaf, ein Gleichgewicht zwischen Beruf und Freizeit sowie persönliche Zufriedenheit stärken das Immunsystem nachhaltiger als so manches Training in der "Muckibude" oder eine 100ter Packung Multivitamintabletten.
Filmbeitrag: Ina Czycykowski
Infotext: Beate Wagner











