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Der Hallux valgus, auch Ballenzeh oder Überbein genannt, ist die am weitesten verbreitete Fußkrankheit. 10 Millionen Menschen in Deutschland leiden daran. Frauen sind dabei weitaus häufiger betroffen, im Verhältnis neun zu eins. Manchmal wird allerdings bei der Diagnose Hallux valgus zu schnell zu einer Operation geraten. Die Folgen können dramatisch sein, so wie im beschriebenen Fall der rbb Praxis.

Ein Fuß besteht aus 28 Knochen, etlichen Gelenken, Muskeln und mehr als 100 Bändern. Sie spannen sich rund um den Fuß wie die Streben eines Fensters. Werden die Bänder zu weich, geht der Fuß in die Breite, der Hallux valgus entsteht - eine Fehlstellung des Großzehengrundgelenkes. Ihm geht fast immer ein sogenannter Spreizfuß voraus. Dabei ist der vordere Teil des Fußes verbreitert.
Die Zehen können schmerzen, es bildet sich vermehrt Hornhaut. Wird der Ballen auf der Fußinnenseite dick und rot, während sich gleichzeitig der große Zeh zum Nachbarzeh dreht, hat sich aus dem Spreizfuß ein Hallux valgus entwickelt. Er geht mit weiteren zahlreiche Beschwerden einher: Von krampfartigen stechenden Schmerzen in Ruhe bis hin zu Laufproblemen selbst auf kürzesten Strecken oder einem entzündeten Schleimbeutel kann die schiefe Zehe das Leben erschweren.
Begünstigt wird die schiefe Zehe dadurch, dass meist Frauen jahrelang enge hohe Schuhe tragen. Auch Berufe, in denen Betroffene stundenlang stehen müssen, können zum Hallux valgus führen. Zur Diagnose empfiehlt sich ein Röntgenbild. Es zeigt, wie weit die Fehlstellung vorangeschritten ist und ob das Großzehengrundgelenk schon verändert ist.
Denn oft führt ein Hallux valgus zu einer Arthrose, da sich das Gelenk durch die Fehlstellung schneller abnutzt. Um Beschwerden zu lindern, können zunächst orthopädische Einlagen, Schaumstoffpolster, Nachtschienen und Bandagen ausprobiert werden. Sie entlasten den Vorfuß und nehmen den Druck. Die Hilfsmittel können einen Hallux valgus jedoch nicht rückgängig machen.

Hat sich der Zeh bereits zu stark verformt, kann nur eine Operation helfen, um die Fehlstellung zu korrigieren. In der Literatur sind mehr als 100 Varianten von Hallux valgus-Operationen beschrieben. Von der Entfernung des Knochenvorsprungs über die Umstellung (Osteotomie) des Mittelfußknochens bis hin zur Versteifungsoperation ist alles möglich.
Wann welches Verfahren infrage kommt, hängt unter anderem davon ab, wie stark der Hallux valgus ausgeprägt ist. Durch den Eingriff wird der Zeh wieder begradigt. In vielen Fällen verschwinden dann die Beschwerden. Die Heilung dauert im Normalfall sechs bis acht Wochen. Im Anschluss an die Operation trägt der Patient meist einen belastungsschonenden Schuh, damit er sich während der Genesung bewegen kann.
Experten raten nur zu einer korrigierenden Operation des Hallux valgus, wenn medizinische Beschwerden vorliegen. Bei rein kosmetischen Problemen warnen sie hingegen vor vorschnellen Eingriffen. Je nach Methode sind bei der Operation nicht nur die Knochen, sondern auch Weichteile wie Sehnen, Muskeln und Schleimbeutel betroffen.
Eine intensive Belastung ist erst nach drei bis sechs Monaten möglich. Monatelang müssen die Betroffenen zudem einen Spezialschuh tragen. Und nicht immer bringt ein Eingriff die gewünschte Beschwerdefreiheit. Kleine Fehlstellung des Großzehs, die keine Beschwerden verursachen, sollten daher nicht unbedingt operiert werden.
Filmbeitrag: Dagmar Bednarek
Infotext: Beate Wagner









