Herz-Lungen-Wiederbelebung anhand einer Übungspuppe (Quelle: rbb)

- Erste Hilfe – aber richtig!

Durchschnittlich sieben Minuten dauert es, bis Rettungskräfte bei einem Notfall eintreffen. In ländlichen Gegenden kann es jedoch erheblich länger dauern. Da ist es wichtig, dass Menschen, die zufällig vor Ort sind, den Verletzten sofort helfen können. Erste Hilfe ist dann das Gebot der Minute.

Unter Erster Hilfe versteht man sofortige Hilfsmaßnahmen an Ort und Stelle des Notfalls, bevor der Betroffene in ärztliche Behandlung kommt. Einer aktuellen Umfrage des ADAC zufolge trauen es sich Dreiviertel der Befragten theoretisch zu, Erste Hilfe zu leisten. Doch im entscheidenden Augenblick zögern viele dann doch. Einer der Hauptgründe ist Experten zufolge die Angst, etwas falsch zu machen. Doch oft sind es nur wenige Handgriffe, die im Ernstfall über Leben oder Tod entscheiden können.

Bei der Hilfe am Verletzten kann als Gedankenstütze die ABC-Regel helfen. Mit ihr lassen sich die Vitalfunktionen des Patienten klären: A wie Atmung, B wie Bewusstsein, C wie Circulation (Englisch für Kreislauf).

Erste Hilfe: Irrtümer

Die Herz-Lungen-Wiederbelebung wird anhand einer Übungspuppe geübt (Quelle: rbb)

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Passieren kann es jeden Tag – plötzlich ist man unterwegs oder auch zu Hause in einen Unfall verwickelt. Viele wollen gerne helfen, wissen aber nicht wie.

Atmung

Durch die Atmung werden alle Zellen des Körpers mit lebensnotwendigem Sauerstoff versorgt. Gleichzeitig wird Kohlendioxid aus dem Körper ausgeschieden. Das Atemzentrum steuert die Atemtätigkeit und damit die Ein- und Ausatmung; es sitzt im verlängerten Rückenmark. Bei Bewusstlosigkeit erschlaffen jedoch die Muskeln. Liegt der Betroffene in Rückenlage, kann so die Zunge in den Hals zurücksinken und die Atemwege blockieren. Vor allem bei Bewusstlosen muss daher unbedingt geprüft werden, ob der Verunglückte noch atmet.

Um die Atmung zu kontrollieren, muss der Helfende den Hals des Patienten überstrecken und den Mund leicht öffnen. Dann neigt er den Kopf des Betroffenen nach hinten, und hebt gleichzeitig sein Kinn an – so legt er die Atemwege frei. Nun kann der Helfer die Atemkontrolle durch Sehen, Hören und Fühlen überprüfen: Er kann sehen, ob sich der Brustkorb hebt und senkt. Er kann hören, ob Atemgeräusche vorhanden sind. Er kann mit Ohr und Wange prüfen, ob Luftstrom des Betroffenen fühlbar ist. Die Atmung wird längstens zehn Sekunden kontrolliert.

Atmet der Patient wiederholt normal, wird er in die stabile Seitenlage gelegt und dann der Notruf verständigt! Dazu stellt der Helfer das Bein auf und legt die Hand des Patienten quer über den Brustkorb an die Wange. Dann dreht er die verletzte Person zu sich. Nun legt er – wie beim Bewusstlosen – die Atemwege frei, indem er den Kopf überstreckt und den Mund öffnet.

Bewusstsein

Ist der Patient ansprechbar oder ist er bewusstlos? Das Bewusstsein des Menschen zeichnet sich durch die Fähigkeit aus, sich räumlich/zeitlich zu orientieren, auf Fragen zur eigenen Person zu antworten und auf Reize (z.B. Schmerz) zu reagieren. Um herauszufinden, ob ein Patient bei Bewusstsein ist, kann man ihm Fragen stellen, auf die er eindeutig und kurz antworten kann, wie z.B. die Frage nach seinem Namen. Reagiert der Betroffene nicht, sollte man ihn an den Schultern rütteln.

Herz-Kreislauf

Wenn keine normale Atmung feststellbar ist oder daran Zweifel bestehen, muss der Helfer bei einer bewusstlosen Person von einem Kreislaufstillstand ausgehen. Dann muss er den Patienten umgehend wiederbeleben. Dafür kniet er neben ihm und platziert seine Hände über Kreuz auf dessen Brustkorb. Nun drückt er seine gestreckten Arme kräftig nach unten – das sollte möglichst schnell hintereinander und ohne Pause geschehen.

Auf 30 Mal Pressen folgen zwei Hübe Luft: Dafür hält der Helfer die Nase des Betroffenen zu und spendet ihm über den eigenen Mund Luft. Wer sich vor der Mund-zu-Mund-Beatmung scheut, kann sie nach neuesten Erkenntnissen auch auslassen. In jedem Fall sollte aber die Herzdruckmassage kontinuierlich durchgeführt werden, bis die Rettungskräfte am Unfallort eintreffen oder die Eigenatmung des Verletzten wieder eintritt.

Anzeichen für eine erfolgreiche Atemspende sind, wenn sich die Hautfarbe an Lippen, Fingern, Ohrläppchen normalisiert und sich Bewegungen im Bereich des Halses oder andere Bewegungen zeigen. Auch wenn die Atmung wieder eintritt, sollte immer wieder das Bewusstsein, die Atmung und der Puls kontrolliert werden. Bei erneutem Aussetzen der Atmung muss die Atemspende sofort wiederholt werden.

Beim Helfen sollte man jedoch auch den Selbstschutz nicht vergessen. Das heißt, man sollte sich selbst nie in Gefahr bringen, beispielsweise bei einem Autounfall auf einer befahrenen Straße. Bei Verkehrsunfällen ist dazu ein Warndreieck etwa 100 Meter vom Unfallort entfernt aufzustellen. Dann erst wird der Notruf 112 abgesetzt.

Empfehlenswert ist es, regelmäßig an einem Erste-Hilfe-Kurs teilzunehmen. Hier vermitteln professionelle Ausbilder in acht Doppelstunden, wie Laien in nahezu jedem Notfall in Freizeit und Beruf richtig helfen können. Autofahrern rät das DRK, die Kenntnisse in Erster Hilfe alle drei Jahre aufzufrischen. In den praxisnahen Erste-Hilfe-Lehrgängen lernen Interessierte, mit einfachsten Handgriffen Menschenleben zu retten. Neben dem DRK bieten fast alle Hilfsorganisationen (z.B. auch der Arbeiter Samariter Bund oder die Johanniter-Unfallhilfe) Kurse an. Die Kosten betragen zwischen 20 und 35 Euro.

Zudem bietet das DRK eine offizielle Rotkreuz-App. Mit der App "Erste Hilfe" des Deutschen Roten Kreuzes ist erstmalig die interaktive Begleitung in einer Notfallsituation per iPhone, iPad und Android-Smartphone möglich. Die App kann ebenso dazu benutzt werden, auf spielerische Weise das Verhalten in solch akuten Situationen zu üben. Im Programmteil "Der kleine Lebensretter" wird zusätzlich Hintergrundwissen zu den unterschiedlichsten Erste Hilfe-Themen vermittelt.

Filmbeitrag: Teresa Bechtold
Infotext: Beate Wagner

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