Eine spezielle Lupe zeigt die Besenreiser unter der Haut an (Quelle: rbb)

- Krampfadern: nicht nur ein ästhetisches, auch ein medizinisches Problem!

Schön sehen sie nicht aus, doch entfernt werden müssen sie nicht aus kosmetischen Gründen. Sie sind ein ernsthaftes Gesundheitsproblem – bei Frauen und Männern.

Nächtliche Wadenkrämpfe, ein Ziehen von der Wade bis hinein in den Oberschenkel und ständige Schmerzen: Krampfadern sind lange unsichtbar. Treten aber irgendwann akute Symptome auf, sollte man sich schnell um das Venenleiden kümmern. Denn Krampfadern sind medizinisch häufig viel ernster als gedacht und mitnichten nur ein kosmetisches Problem.

Grafische Darstellung: Erschlaffung der Venenklappen (Quelle: rbb)

Die langfristigen Folgen unbehandelter Krampfadern sind zahlreich: Es kann zu Stauungen des Blutes in den Ober- und Unterschenkeln kommen, zu juckenden Unterschenkelekzemen oder zu einer Thrombose. Auch Schwellungen und Verhärtungen des Gewebes und Verfärbungen der Haut sind nicht selten. Im schlimmsten Fall führen unbehandelte Krampfadern zu „offenen Beinen“.

Krampfadern entstehen, wenn die Gefäßklappen in den Venen funktionsuntüchtig werden. Durch die "undichten" Klappen kann das venöse Blut nicht mehr vollständig zum Herzen zurücktransportiert werden. Stattdessen staut es sich in den unteren Beinabschnitten. Mit der Zeit weiten sich die Gefäße, Wasser tritt aus dem Gewebe und Sauerstoff wird nicht mehr ausreichend transportiert.

Das Risiko für Krampfadern steigt mit der familiären Disposition, Übergewicht, der Einnahme der Pille, einer Schwangerschaft sowie durch Berufe, die stundenlanges Stehen und Sitzen erfordern. Auch moderne rüttelnde Sportgeräte wie zum Beispiel ein Powerplate können Krampfadern begünstigen. Die Diagnostik der Krampfadern erfolgt mithilfe von Ultraschall (Doppler- und Duplexsonografie). Dabei prüft der Arzt den Blutfluss in den Venen, die Dichtigkeit der Venenklappen und die Durchgängigkeit des tiefen Venensystems. Zudem sucht er nach Zeichen der fortgeschrittenen chronisch venösen Insuffizienz wie Ödeme und Hautveränderungen. Eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel ist nicht mehr notwendig.

Vorbeugend hilft regelmäßige Bewegung. Das stärkt die Muskulatur – und die natürliche Muskelpumpe. Sie sorgt dafür, dass venöses Blut aus den Beinen gegen die Schwerkraft besser zum Herzen zurücktransportiert wird. Ebenso können Schuhe mit gewölbten Schuhsohlen (MBT) Krampfadern vorbeugen. Wer zu der Venenproblematik neigt, sollte nicht rauchen, auf Langzeitflügen und bei stehenden Tätigkeiten feste Kompressionsstrümpfe tragen, regelmäßige Kneipp-Kuren durchführen und rotes Weinlaub-, Rosskastanien und Traubenkernextrakt zu sich nehmen.

Besenreiser können auf Krampfadern hinweisen

Versteckte Krampfadern können sich zudem durch Besenreiser zeigen. Das sind kleine erweiterte - und dadurch sichtbare – Venen der obersten Hautschicht. Sind sie sehr fein und oberflächlich, schimmern sie eher rot, dickere tiefer gelegene eher bläulich durch die Haut. Betroffen sind auch schon junge Menschen, aber die Häufigkeit der Besenreiser nimmt mit dem Alter zu. Zwei Drittel aller Frauen und ein Drittel der Männer sind von den unschönen "Gefäßbäumchen" betroffen.

Meist sind Besenreiser nur ein kosmetisches Problem und haben keinen Krankheitswert. Manche Experten bezweifeln sogar ganz einen Zusammenhang mit Krampfadern. Vor jeder kosmetischen Behandlung der oberflächlichen Besenreiser sollte jedoch immer mit dem Ultraschall abgeklärt werden, ob ein Venenleiden vorliegt.

Die Methode der ersten Wahl ist die Sklerosierung oder Verödung. Dabei wird das Verödungsmittel direkt in die Besenreiser eingespritzt. Sofort wird damit das Blut in der kleinen Vene verdrängt. Eine dauerhafte Wirkung entsteht erst später, denn das Verödungsmittel ist kein Klebstoff. Es ist eine Substanz, die eine Entzündung an der Venenwand hervorruft. Heilt diese Entzündung ab, hat das als Nebeneffekt zur Folge, dass die Gefäßwände verkleben.

Besenreiser (Quelle: rbb)

Dies dauert jedoch einige Wochen. Zunächst können die behandelten Stellen mit Blutergüssen und dunklen Flecken sogar schlimmer aussehen als vorher. Deshalb lassen viele eine Verödung erst jetzt im Herbst durchführen, wenn man wieder lange Hosen oder Strumpfhosen trägt. Medizinisch spricht jedoch nichts dagegen, sich im Sommer die Beine verschönern zu lassen. Allerdings gehört ein Sonnenschutz zur Nachbehandlung dazu, um die Haut der Beine nicht zusätzlich zu belasten.

Meist sind zwei bis drei Termine notwendig. Beim Folgetermin wird überprüft, ob man alle Äderchen der bereits behandelten Areale erwischt hat und bei Bedarf nachgespritzt. Die Ergebnisse sind umso besser, je rascher "hinterhergespritzt" wird. Wichtig ist auch, dass das geronnene Blut aus den Äderchen gedrückt wird. Das vermindert Verfärbungen der Haut. Denn belässt man das Blut in den Adern kann sich das Eisen aus dem Blutfarbstoff mit Sauerstoff verbinden und bildet eine rostähnliche Substanz. Und diese bräunlichen Flecken können im ungünstigen Fall dauerhaft die Beine "verzieren".

Kosten vor der Therapie besprechen

Die Kosten für eine Sklerosierung können von Praxis zu Praxis erheblich schwanken. Manche Praxen berechnen den Zeitaufwand nach Minuten, andere je nach Größe der zu behandelnden Fläche. Manche Ärzte behandeln pro Sitzung nur einen Teilbereich, andere versorgen in einer Sitzung das ganze Bein oder gar beide Beine. Erkundigen Sie sich im Vorgespräch genau nach dem jeweiligen Vorgehen, dann bleiben unschöne Überraschungen beim Abrechnen erspart. Mehrere Hundert Euro muss man jedoch für schöne Beine sicherlich einplanen.

Wenige Alternativen

Eine gute Alternative zur Sklerosierung gibt es genau genommen nicht. Laser eignet sich nur für sehr feine Äderchen und überschaubar große Areale. Viele Experten sehen dieses Verfahren kritisch, da die therapeutische Breite gering sei: Ist die Dosis zu niedrig kehren die Äderchen an der gleichen Stelle rasch zurück. Ist die Dosis zu hoch, können helle Streifen auf der Haut entstehen, da der Laser dann die Hautpigmente zerstört. Zudem ist eine Laserbehandlung wesentlich schmerzhafter als die Sklerosierung. Bei letzterer sind lediglich feine Nadelstiche zu ertragen. Unangenehmer ist allerdings oft das Herausdrücken des geronnenen Bluts. Eine Behandlung mit Radiowellen wird ebenfalls angeboten. Dabei werden die Äderchen durch Hitzeanwendung "verkocht". Das ist schonend und wenig schmerzhaft, jedoch teuer und aufwändig.

Ein Katheter (Quelle: rbb)

Was tun gegen Krampfadern?
Für die Behandlung halten Experten viele verschiedene Therapien bereit: von der Lasertherapie, Radiofrequenztherapie bis hin zur Verschäumung oder dem klassischen Stripping.

Wie funktioniert ein Stripping?
Zunächst verschließt der Chirurg die Vene in der Leiste – so fließt kaum noch Blut in ihr. Dann setzt er an der Innenseite des Beines mehrere Einstiche, um die erweiterte Vene Stück für Stück mit einer Sonde aus dem Bein herauszuziehen. Zuvor legt er auch die kleinen Seitenäste des Venensterns lahm. Dieser Eingriff wird meist ambulant und unter örtlicher Betäubung durchgeführt und dauert 30 Minuten bis 1 Stunde.

Im Vergleich zu früheren radikalen Eingriffen ist das Stripping heute ein schonendes Verfahren. Litten Betroffene früher unter extremem Wundschmerz, einem ausgeprägten Blutverlust und wurden die Gefäßklappen von der Leiste bis zum Sprunggelenk komplett entfernt, gibt es heute nur wenige Blutergüsse, kaum Wundschmerz. Die Patienten können zudem zwei Stunden nach der Operation nach Hause gehen. Die Behandlung wird von den gesetzlichen Krankenkassen ohne Einschränkung bezahlt.

Eine Verödungslösung wird in die Krampfadern injiziert (Quelle: rbb)

Wie funktioniert die Laser- oder Radiofrequenztherapie?

Bei der Endoluminalen Lasertherapie (EVLT) wird die Stammvene nicht herausgezogen, sondern durch den Laserstrahl verschweißt. Hierbei wird in örtlicher Betäubung unter Ultraschallkontrolle durch ein feines Glasfaserlichtkabel die Laserlichtenergie „minimalinvasiv“ in die Vene eingebracht. Es kommt zu einer Schrumpfung und letztlich zum Verschluss des Gefäßes.

Bei der Radiowellentherapie führen die Experten unter Ultraschallkontrolle in Kniehöhe oder am Unterschenkel einen winziger Hochfrequenzkatheter in die kranke Vene ein. Durch die Wärmeenergie schrumpft die Venenwand und die Vene verschließt sich. Die Behandlung kann ambulant unter lokaler Anästhesie durchgeführt werden. Beide Verfahren gelten als besonders schonend.

Anders als beim Stripping tragen aber nur die privaten Versicherungen die Kosten von 2000 Euro. Ob die Laserverfahren wirklich schonender sind als das Standardverfahren des Strippings, ist unter Experten umstritten. Klar ist, dass das Stripping einen entscheidenden Vorteil hat: Die Wahrscheinlichkeit, dass nach der Behandlung die Krampfadern wiederkommen, ist deutlich geringer. Eine Studie von 2011 hat gezeigt, dass bei 18 Prozent der mit Laser behandelten Personen die Krampfadern wiederkamen. Bei der Stripping-Methode war dies nur bei 1,3 Prozent der Patienten der Fall.

Verschäumungsmittel wird mit einer Spritze in eine Petrischale gegeben (Quelle: rbb)

Was passiert bei der Verschäumung?

Bei der Ultraschallgesteuerten Schaumsklerosierung wird ein dünner Katheter unter Ultraschallkontrolle in die Vene gelegt und hierüber anschließend ein spezieller Schaum mit dem Wirkstoff Aethoxysklerol in die Vene injiziert. Dieser bewirkt, dass die Vene wesentlich leichter verklebt und sich vollkommen verschließt. Der Körper baut die verklebten Venen in den folgenden Wochen ab, ohne dass Narben zurückbleiben.

Darüber hinaus ist die Schaumverödung beinahe schmerzfrei, schnell und ambulant durchführbar. Direkt nach der Behandlung geht der Patient für 20 bis 30 Minuten umher und trägt etwa eine Woche einen leichten Kompressionsstrumpf. Nach der Schaumverödung sind die Patienten weder arbeitsunfähig, noch müssen sie sich sportlich einschränken. Nur Wärme und direkte Sonnenbestrahlung sollte für zirka zwei Wochen gemieden werden.

Die Verschäumung ist umstritten, denn Ärzte können damit viel Geld verdienen: Der Wirkstoff kostet im Einkauf nur fünf Euro, der Aufwand für den Chirurg ist gering. Dennoch verlangen Ärzte für diese Behandlung bis zu 1500 Euro. Da die Verschäumung keinen großen Eingriff erfordert, eignet sie sich beispielsweise bei älteren Menschen mit offenen Beinen. Die gesetzlichen Kassen zahlen die Verschäumung daher auch nur bei fortgeschrittenen Venenleiden.

Filmbeiträge: Erika Brettschneider
Infotext: Beate Wagner

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