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Heftige Schmerzen schießen ganz plötzlich vom Gesäß bis in die Beine. Dann ist der größte menschliche Nerv – der Ischias - unter Druck geraten. Wie es dazu kommt und was dann hilft, zeigt die rbb Praxis.
Wenn heftige Schmerzen vom Gesäß bis in die Beine ziehen, weiß jeder, was Sache ist: Ischias! Genaugenommen ist dieser Ausspruch aber keine Krankheit, sondern eine Kurzbezeichnung für den Ischiasnerv. Dieser größte menschliche Nerv ist breit wie ein Finger. Der Nervus ischiadicus entspringt im Nervengeflecht des Rückenmarks. Er setzt sich wie alle peripheren Nerven aus mehreren Nervenwurzeln zusammen, sie verlassen das Rückenmark auf verschiedenen Höhen. Dort treten sie durch kleine Öffnungen an der Seite der Wirbelsäule und bilden ein Nervengeflecht. Der Ischiasnerv läuft von dort beidseitig durch das Gesäß auf die Rückseite des Oberschenkels bis hinunter zu den Fußsohlen. Ohne ihn könnte man nicht laufen, denn er leitet die Empfindungen der Füße weiter zu Rückenmark und Gehirn.
Wird der Ischiasnerv gereizt, strahlt der Schmerz vom Rücken meist in ein Bein aus. Die Beschwerden können stechend oder brennend sein, wie ein Elektroschock. Die Ursachen können ganz unterschiedlich sein. Denn der medizinische Begriff "Ischialgie" heißt zunächst nur: Der Ischiasnerv tut weh. Bei gleichzeitig bestehenden Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule spricht man von einer Lumboischialgie. Der Übergang zwischen diesen beiden Symptomkomplexen ist fließend.
Eine häufige Ursache für eine Ischialgie sind Bandscheibenvorfälle im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule. Der gereizte Ischias wird dann mit einer konservativen Therapie gelindert: Spritzen, welche die Muskulatur lockern und Wärme, um die Schmerzen zu lindern. Die entlastende Lagerung in einem Stufenbett verringert zudem die Zugbelastung auf den Ischiasnerv. Auch lernen Betroffene schmerzarme Bewegungsabläufe schon in der Akutphase.
Die Bandscheiben ziehen sich nach einigen Wochen meist von selbst in ihre ursprüngliche Position zurück. In etwa fünf Prozent der Fälle bleibt weiterhin ein Druck an der Nervenwurzel bestehen. Dann muss der Experte abwägen, ob ein operativer Eingriff an der Bandscheibe nötig wird.

Das Risiko für bandscheibenbedingte Ischialgien ist erhöht, wenn folgende Faktoren vorliegen: zunehmendes Alter, Übergewicht, mangelnde körperliche Kondition, degenerative Prozesse an der Wirbelsäule, Verletzungen der Wirbelsäule, Schwerarbeit (z.B. Heben schwerer Lasten) und eine monotone Körperhaltung (Sitzen oder Stehen).
Nicht selten stecken hinter Ischiasschmerzen aber auch fehl belastete und dadurch verkürzte Muskeln. Ein üblicher Verdächtiger ist beispielsweise der Piriformis-Muskel. Er gehört zu den inneren Hüftmuskeln und bewirkt, dass der Oberschenken abgespreizt und nach außen gedreht wird. Wird der Piriformis falsch belastet, verdickt er. Langfristig verkürzt er sich und beengt den Ischiasnerv an der Durchtrittsstelle vom Becken zum Bein. Die häufigsten Fehlbelastungen sind ständiges, bewegungsloses Sitzen und Stehen, häufiges vornüber gebeugtes Arbeiten und Überanstrengungen vor allem beim Joggen.
Nach Abklingen der akuten Schmerzsymptomatik sind die physikalische Therapie und die gezielte Krankengymnastik wichtige Therapieelemente. Um einem verkürzten Muskel beizukommen, muss er beispielsweise durch eine vorsichtige Dehnung wie beim Yoga wieder in seinen ursprünglichen Zustand gebracht werden. Zudem hilft es generell, die Muskulatur zu kräftigen.
Text: Beate Wagner
Filmbeitrag: Carola Welt







