Training, um wieder sicherer auf den Beinen zu stehen (Quelle: rbb)

- Steckt hinter chronischen Knochenschmerzen Osteoporose?

Wenn der Rücken schmerzt, Wirbel oder andere Knochen brechen und die Körperhaltung immer gebeugter wird, kann eine Osteoporose dafür verantwortlich sein. Der sogenannte Knochenschwund betrifft vor allem Frauen. Die rbb Praxis zeigt moderne Diagnoseverfahren, damit es zu einer individuell sinnvollen Therapie kommen kann.

Insgesamt haben etwa 6,3 Millionen Deutsche Knochenschwund. Rückenschmerzen sind meist der erste Hinweis auf eine solche Osteoporose. Weniger auffällige Symptome sind Größenverlust, ein Rundrücken oder Muskelverspannungen mit folgender Schonhaltung.

Die Osteoporose entsteht, weil der Körper mit dem Alter an Knochenmasse verliert, ab dem 40. Lebensjahr jedes Jahr etwa 0,5 Prozent. Bei Osteoporose ist dieser Prozess deutlich beschleunigt. Die filigrane Mikroarchitektur des Knochens wird zerstört, es kommt zu winzigen Rissen in der tragenden Struktur. Schließlich reicht ein Stolpern, um einen Oberschenkelknochen zum Bersten zu bringen. Zudem gibt es verschiedene Sonderformen des Knochenschwundes, begünstigt zum Beispiel durch bestimmte Medikamente wie Protonenpumpenhemmer.

Besonders häufig leiden Frauen nach den Wechseljahren unter Osteoporose. Denn durch das abnehmende Östrogen wird der Knochen nicht mehr vor dem allzu raschen Abbau geschützt. Etwa eine von fünf deutschen Frauen im Alter von 80 Jahren hat schwache Knochen. Das Risiko steigt ab dem 50. Lebensjahr. Begünstigt wird die altersbedingte Osteoporose durch genetische Veranlagung, eine kalziumarme Ernährung und Bewegungsmangel.

Um die Krankheit rechtzeitig zu erkennen, können Experten bei Verdacht ein individuelles Risikoprofil berechnen. Dabei werden Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Größe, die Anzahl bisheriger Brüche, Hüftbrüche in der Familie, Knochendichte, Medikamente, Gewicht und der Genuss von Zigaretten und Alkohol miteinander in Beziehung gesetzt.

Lange Zeit galt der Knochendichtewert als der wichtigste Parameter, der über eine Therapie entschied. Heute ist die Knochendichtemessung immer noch ein wichtiger Parameter, aber nicht allein entscheidend. Sollte sich ein auffälliger Wert ergeben, ist das nur ein Hinweis auf eine Osteoporose.

Bei der Knochendichtemessung (Osteodensitometrie, kurz DXA) werden schwache Röntgenstrahlen durch die Knochen der Wirbelsäule und des Oberschenkelhalses geleitet und so der Mineralsalzgehalt des Knochens bestimmt. Je poröser die Knochen sind, desto mehr Röntgenstrahlen durchdringen sie. Ist die Knochendichte niedrig, können Medikamente vorbeugend sinnvoll sein.

Das gängigste Osteoporose-Präparat sind so genannte Bisphosphonate, die täglich als Tablette eingenommen werden müssen. Der Wirkstoff hemmt die Knochenfresszellen (Osteoklasten), der gesteigerte Knochenabbau wird verlangsamt. Der poröse Knochen stabilisiert sich, die Gefahr für Knochenbrüche sinkt. Die Gabe ist nicht ohne Risiko, denn die Medikamente können Knochennekrosen auslösen, speziell der Kieferknochen ist gefährdet.

Seit 2010 ist das Medikament Denosumab in Deutschland zugelassen. Der biotechnologisch hergestellte Antikörper bindet und inaktiviert einen Botenstoff, der den Knochenabbau fördert. In Studien mit Frauen nach dem Wechsel erhöhte sich die Knochendichte und das Bruchrisiko sank. Für viele Patienten ist Denosumab verlockend, weil das High-Tech-Medikament nur zwei Mal jährlich injiziert werden muss. Allerdings sei das patentgeschützte Präparat noch sehr teuer.

Zudem gibt es weitere Therapien, die gerade in Studien getestet werden. So zum Beispiel der Wirkstoff Sclerostin (SOST), ein Hemmer übermäßiger Knochenbildung. Die evidenzbasierte Leitlinie des Dachverbandes Osteologie (DVO) klassifiziert zudem das sogenannte Strontiumranelat neben den Bisphosphonaten als eine geeignete Therapieoption bei Osteoporose nach den Wechseljahren.

Das wirksamste Mittel zur Vorbeugung von Osteoporose gibt es gratis: körperliches Training beispielsweise im Fitnessstudio. Geeignet sind auch Nordic-Walking, Aerobic oder Ballsportarten Das verbessert das Zusammenspiel der Muskeln und somit auch die Balance, die folgenschwere Stürze verhindern kann.

Grafik: eingedrückte Wirbelkörper (Quelle: rbb)

Wer seine Knochen vorbeugend stärken will, sollte zudem auf eine gesunde Ernährung setzen. Dazu zählt eine calciumreiche Ernährung mit vielen Milchprodukten, frischem Gemüse, Mineralwässer mit hohem Kalziumgehalt und Fisch. Der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zufolge sollte die tägliche Calcium-Zufuhrempfehlung bei 1000 mg liegen – am besten über die natürliche Nahrung und nicht als Tablette zugeführt.

Spaziergänge an der frischen Luft fördern die Bildung von Vitamin-D, dem Calcium-Kurier. Das aber reicht oft nicht, Experten empfehlen vor allem in den dunklen Monaten zusätzliche Vitamin D-Tabletten. Umstritten ist die Dosis, es gibt 1000, 2000 oder 4000 Einheiten über zehn bis 14 Tage. Nebenwirkungen der Vitamin D-Tabletten treten erst ab 8000 Einheiten/Tag über längere Zeit auf. Dazu gehören Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Muskelschmerzen.



Text: Beate Wagner
Filmbeitrag: Bert Ostberg

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