Stethoskop hört ein Stoffherz ab, Quelle: imago

- Neue Therapien bei Herzschwäche

Die Therapie-Empfehlungen bei Herzschwäche haben sich grundlegend geändert. Lange Zeit hat man den Betroffenen "Sportverbot" erteilt. Heute weiß man: Bewegung ist wichtig, auch bei Patienten mit schwachem Herzen. Die Basistherapie besteht bislang hauptsächlich aus Medikamenten. Nun kann eine ganz neue Therapie das Herz zusätzlich kräftigen: Die so genannte Vagusstimulation unterstützt die Pumpfunktion mit Strom.

Die Herzschwäche ist in Deutschland weit verbreitet. Die Zahl der Patienten schätzen Experten auf zwei bis drei Millionen. Jedes Jahr müssen hierzulande fast 400.000 Menschen deshalb ins Krankenhaus. Etwa 50.000 Patienten mit Herzschwäche sterben pro Jahr. Trotz intensiver Forschungsbemühungen gehört die Erkrankung damit zu den drei häufigsten Todesursachen in Deutschland.

Prinzipiell ist die Herzschwäche keine eigenständige Krankheit, sondern die Folge anderer Herzerkrankungen. In den meisten Fällen entwickelt sie sich schleichend über Jahrzehnte. In etwa zwei Drittel der Fälle geht eine koronare Herzkrankheit (KHK) voraus – meist infolge eines oder mehrerer Herzinfarkte und einem über Jahre erhöhten, unzureichend behandelten Blutdruck.

Ist hauptsächlich die linke Herzhälfte betroffen, sprechen Ärzte von einer Linksherzinsuffizienz. Betrifft die Krankheit vor allem die rechte Herzhälfte, heißt die Herzschwäche Rechtsherzinsuffizienz. Die Kombination aus beidem wird globale Herzinsuffizienz genannt.

Bei der Herzinsuffizienz ist das Herz nicht mehr in der Lage, ausreichend Blut in den Kreislauf zu pumpen. So kommt es über lange Zeit zu einem Rückwärts- oder Vorwärtsversagen des Herzens. Unter Rückwärtsversagen verstehen Experten, dass sich das Blut, welches aus dem Körperkreislauf zum Herz zurückfließt, wegen der mangelnden Pumpfunktion des Herzens zurückstaut. Dadurch steigt der Druck in den Blutgefäßen, Flüssigkeit wird vermehrt aus den Gefäßen in das Gewebe gedrückt. Der Patient registriert Wassereinlagerungen in der Lunge oder in den Beinen.
Von Vorwärtsversagen sprechen Ärzte, wenn die Pumpfunktion nicht ausreicht, um die Muskeln und Organe im Körper ausreichend mit sauerstoffreichem Blut zu versorgen. In der Folge kommt es zu Atemnot schon bei geringer Belastung oder sogar in Ruhe. Betroffene fühlen sich die schwach und müde.

Zudem können bei einer Herzschwäche folgende Beschwerden auftreten: trockener Reizhusten, Schwindel, stark ansteigende Herzfrequenz, Sauerstoffmangel. Im fortgeschritten Stadium führt die Herzschwäche zu einer schweren Beeinträchtigung des Alltags und kann tödlich verlaufen, wenn die Patienten nichts dagegen tun.

Entscheidend für den Verlauf der Erkrankung ist aber auch das Geschlecht des Patienten. Lange hat sich niemand so recht dafür interessiert, dass es Unterschiede zwischen kranken Männern und kranken Frauen gibt. Zwar wissen Ärzte mittlerweile durchaus, dass Frauen ähnlich oft wie Männer Probleme am Herzen haben. Dass Frauen aber beispielsweise auch bei der Herzschwäche unter anderen Symptomen leiden, ist selbst vielen Medizinern bis heute unbekannt. Während Männer meist unter einer Störungen der Pumpfunktion leiden, weisen Frauen eher ein stark gedehntes Herz auf.

Auch die Risikofaktoren für die Herzinsuffizienz sind unterschiedlich: Bei Männern verkalken die großen Adern des Körpers und am Herzen rund 10 Jahre eher als bei Frauen. Die Arteriosklerose gilt daher als typisches Risiko der männlichen Herzinsuffizienz. Frauen haben vorher oft einen Bluthochdruck und einen Diabetes. Rauchen schadet ihnen zudem nachweislich noch mehr als Männern. Eine begleitende Niereninsuffizienz ist bei Frauen oft schwerer ausgeprägt.

Quelle: imago

Frauenherzen müssen anders untersucht werden

Die Diagnostik klappt bei dem schwachen und starken Geschlecht unterschiedlich gut. Denn einerseits diagnostizieren Ärzte bei Frauen oft fälschlicherweise Probleme an der Lunge statt am Herzen. Bei Frauen wird die Diagnose Herzschwäche oft erst gestellt, wenn die Beschwerden bereits stark ausgeprägt sind. Andererseits ist zum Beispiel das so genannte Elektrokardiogramm (EKG) bei Frauen weniger aussagekräftig.

Weibliche Herzen sind besser mithilfe der so genannten Echokardiografie durchschaubar. Mediziner setzen dennoch den sehr viel ergiebigeren Ultraschall bei Frauen seltener ein als bei Männern. Ähnlich ist die Situation mit der Herzkatheteruntersuchung. Ärzte schieben dabei einen dünnen Schlauch durch das Gefäßsystem bis in das Herz und prüfen die Funktion der Herzkranzgefäße, des Herzmuskels und der Herzklappen. Bei Frauen wird die Untersuchung immer noch sehr viel seltener eingesetzt als bei Männern.

Eine gute Hilfe auf dem Weg zur richtigen Diagnose ist die Röntgenuntersuchung. So lässt sich messen, ob das Herz vergrößert ist und es bereits eine Stauung in den Gefäßen gibt. Ohne Röntgenstrahlung zeigt das Herz-MRT wie stark die Herzwand als Folge des chronisch erhöhten Drucks im Herzen bereits verdickt ist. Auch können die Kardiologen damit akute von chronischen Herzmuskelschäden unterscheiden und beurteilen, ob der gesamte Herzmuskel oder nur Teile erkrankt sind. Anhand des MRT-Befundes können sie entscheiden, ob die Schädigung möglicherweise behandelbar ist oder das Herzmuskelgewebe irreversibel geschädigt ist.

Die Therapie der Herzschwäche ist immer individuell

Die Therapie der Herzschwäche besteht bei beiden Geschlechtern einerseits aus Medikamenten, die das überflüssige Wasser ausschwemmen und entwässern. Zudem gibt es verschiedene Herz stärkende Medikamente. Doch auch hier gibt es mitunter Probleme. Denn obwohl Frauen im Schnitt kleiner, leichter und weniger muskulös sind, nehmen sie die gleichen Arzneien wie Männer, meist sogar ähnlich dosiert. Häufige Folge: mehr Nebenwirkungen, Komplikationen und Überdosierungen.

Die letzte Option für Patienten mit einer ausgeprägten Herzinsuffizienz ist immer die Herztransplantation. Doch sie steht nur wenigen Patienten offen. Seit kurzem aber gibt es neue Hoffnung für schwer herzkranke Patienten: In einigen Fällen führt die Erkrankung nämlich nicht nur zu einer Pumpschwäche, sondern durch den vergrößerten und überdehnten Herzmuskel auch bei etwa jedem Zweiten zu einer erheblichen Störung der elektrischen Erregungsausbreitung im Herzen. Die verschiedenen Abschnitte der Herzkammerwand ziehen sich dann nicht mehr gleichzeitig zusammen, sondern zeitversetzt.

im Röntgenbild sichtbar: der implantierte ICD, der kleine "Notarzt" unter der Haut bei einem Patienten mit Herzschwäche, Quelle: rbb

Neue Behandlung für schwerkranke Herzpatienten

Den davon betroffenen Patienten kann die Elektrotherapie des Herzens helfen.

Zu der Elektrotherapie des Herzens gehört beispielsweise die Cardiale Resynchronisationstherapie (CRT) sowie die Vagusstimulation. Die CRT wurde speziell für Patienten mit Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen entwickelt, die trotz medikamentöser Therapie symptomatisch bleiben. Mit einem speziellen Schrittmachersystem wird die Schlagabfolge der rechten und linken Herzkammer wieder aufeinander abgestimmt. Es kommt zu einer deutlichen Verbesserung der Pumpleistung des Herzens. Mehrere Studien haben erwiesen, dass die CRT die Überlebensprognose bessert.

Die Vagusstimulation soll das vegetative Nervensystem beeinflussen, also das Zusammenspiel von beruhigendem Parasympathikus und aktivierendem Sympathikus. Bei einer schweren Herzinsuffizienz ist der Sympathikus immer maximal aktiviert – die Patienten befinden sich im Dauerstress. Das schädigt das Herz zusätzlich. Durch die Vagusstimulation tritt der Parasympathikus in den Vordergund.

Für die Vagusstimulation implantiert der Arzt dem Patienten im Bereich des Brustkorbs einen kleinen schrittmacherähnlichen Impulsgeber unter die Haut. Von dort führt ein Draht bis zum Vagusnerv am Hals. Wird der Nerv durch die künstlich verabreichten Impulse aktiviert, beruhigt sich das Herz, es wird entlastet. Ziel des Eingriffs ist die Abnahme der Herzleistung sowie Zunahme der Pumpleistung. Dann verbessern sich die Lebensqualität und die körperliche Belastbarkeit deutlich.

Grafik: Menschliches Herz mit verstopftem Gefäß (Quelle: rbb)

Was können Patienten mit ausgeprägter Herzschwäche selbst tun?

Wichtig ist, die Risikofaktoren wie Rauchen, eine ungesunde fette Ernährung oder Übergewicht auszuschalten und sich viel zu bewegen. Anders als früher vermutet empfehlen Experten Patienten mit Herzschwäche heute Sport oder ein spezielles Ausdauertraining.

Denn Studien zu körperlichem Training zeigen, dass Sport die Leistungsfähigkeit bei einer Herzschwäche je nach Trainingsumfang um bis zu 25 Prozent verbessern kann. Fast jeder dritte Krankenhausaufenthalt lässt sich durch Bewegung einsparen. Außerdem sterben ein Drittel weniger Patienten,

Vor dem Training sollten die Patienten jedoch in der kardiologischen Sprechstunde unbedingt überprüfen lassen, ob die aktuelle medikamentöse Behandlung tatsächlich optimal auf die jeweilige Herzschwäche abgestimmt ist. Außerdem ist ein Belastungstest erforderlich, um die momentane Belastbarkeit zu überprüfen und den maximalen Puls unter körperlicher Anstrengung zu bestimmen. Auch sollten die ersten sportlichen Einheiten stationär unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Ausdauersport: Radfahren, Quelle: dpa

Welche Sportarten sind bei Herzschwäche zu empfehlen?

Patienten mit Herzschwäche sollten einen Sport auswählen, der keinen zu großen Kraftaufwand erfordert. Ideal sind je nach Intensität beispielsweise Spazierengehen, längeres Wandern, Nordic-Walking, Radfahren und bei gut trainierten Patienten auch Skilanglauf. Zu meiden sind Sportarten, die eine hohe muskuläre Belastungen erfordern: Liegestütze, Hanteltraining oder ähnliches. Denn diese Bewegungen erfordern eine Pressatmung, bei der im Brustkorb der Druck steigt. Das kann die akute Pumpleistung des Herzens verschlechtern. Kommt es im Training zu Herzrhythmusstörungen, Schwindel oder starker Atemnot, ist der Sport sofort abzubrechen.

Ideal für weniger gut belastbare Patienten stellt das so genannte Intervalltraining dar. Dabei handelt es sich um einen Wechsel von Belastung über etwa 20 Sekunden und der Entlastung von etwa 40 Sekunden. So kann ein Effekt auf die periphere Muskulatur erzielt werden, ohne das Herz zu sehr zu fordern. .

Auch in der Physiotherapie können Menschen mit schwer ausgeprägter Herzschwäche Linderung finden: Menschen, die durch Herzschwäche, Asthma oder eine chronische Bronchitis Luftnot haben, neigen zu einer extrem flachen Atmung. Experten sprechen von der so genannten Cheyne-Stokes-Atmung. Abhilfe schafft ein Atemtrainer. Mit ihm atmen die Betroffenen gegen einen Widerstand – die Atmung wird wieder regelmäßig und tief. Das tiefe Einatmen ist auch bei Patienten mit Herzschwäche ein wichtiger Bestandteil für die Regeneration.

Filmbeiträge: Cornelia Fischer-Börold
Infotext: Beate Wagner

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