Untersuchung der Augen (Quelle: rbb)

- Plötzlich blind - Gefährliche Augenparasiten durch Kontaktlinsen

Etwa 3,4 Millionen Menschen in Deutschland tragen Kontaktlinsen. Die kleinen Linsen aus modernen Kunststoffen haben für die Träger einige Vorteile: ein freies Blickfeld und keine störende Brille auf der Nase. Doch die Linsen sind auch besonders anfällig für Bakterien, Pilze, Viren und Parasiten. Als besonders gefährlich gilt die Akanthamöbe. Wird das Auge nach einer Infektion nicht rechtzeitig behandelt, droht Erblindung.

Meist beginnt alles ganz harmlos: Das Auge ist rot, gereizt, juckt und tränt. Der unbedarfte Kontaktlinsenträger denkt an eine Bindehautentzündung. Doch er sollte die Beschwerden nicht auf die leichte Schulter nehmen: Es kann auch eine gefährliche Infektion dahinterstecken.

Kontaktlinsen sind eine innovative Erfindung aus den 1970er Jahren. 1976 kamen die ersten sauerstoffdurchlässigen formstabilen Kontaktlinsen auf den Markt. Im Durchmesser zwischen acht und zehn Millimetern klein schwimmen sie beweglich auf einem Tränenfilm. Längst gibt es alle möglichen Varianten: harte und weiche Linsen, Einmallinsen, farbige und besonders sauerstoffdurchlässige Exemplare oder solche für Menschen mit Hornhautkrümmung.

Doch ganz gleich, welches Modell Kontaktlinsenträger verwenden: Wenn sie nicht akribisch auf die Hygiene achten, haben sie nicht lange Freude damit. Denn Kontaktlinsen sind besonders anfällig für Bakterien, Pilze oder Viren.

Extrem gefährlich ist beispielsweise die Akanthamöbe. Amöben sind primitive, zellkernhaltige Einzeller, die im Gegensatz zu den ebenfalls einzelligen Bakterien dem Tierreich zugeordnet werden. Die Akanthamöben kommen weltweit in Erde, Sand, Staub und Wasser vor. Die Erreger können in die Hornhaut des Auges eindringen, sich dort einnisten und gefährliche Entzündungen hervorrufen. Neunzig Prozent der Infizierten sind Träger weicher Kontaktlinsen, die diese zu lange benutzen, sie beim Baden tragen oder mit Leitungswasser reinigen.

Ärztliche Untersuchung der Augen (Quelle: rbb)

Keine Infektion darf verschleppt werden

Schätzungsweise 4000 Kontaktlinsenträger erleiden jedes Jahr eine sklerosierende Keratitis. In etwa fünf Prozent der Fälle handelt es sich um eine Akanthamöben-Infektion. Das ist eine sehr schmerzhafte Hornhautentzündung des Auges, die nicht selten einen stationären Aufenthalt nötig macht. Die Entzündung entsteht, wenn die Parasiten in die Hornhaut des Auges eindringen. Das Problem: Je länger die Krankheit unbehandelt fortschreitet, desto gefährlicher ist sie für den Patienten. Bereits nach drei Wochen drohen bleibende Sehbeeinträchtigungen, später sogar die Erblindung.

Neben den starken Beschwerden, die jedoch oft aber erst nach vier oder fünf Wochen einsetzen, vergehen bei der sklerosierenden Keratitis typischerweise zudem oft Monate, bis eine eindeutige Diagnose gestellt ist. Zwei Drittel dieser Infektionen werden zunächst nicht erkannt. Daher passiert es häufig, dass die Patienten zunächst eine falsche Behandlung bekommen und beispielsweise mit kortisonhaltigen Medikamenten behandelt werden.

Nicht nur die Nebenwirkungen dieser Therapie können dann das Auge zusätzlich angreifen. Vor allem führt die verschleppte Diagnose dazu, dass die Amöben sich einkapseln – und sich so regelrecht unangreifbar machen.
Selbst für Experten ist die Akanthamöben-Keratitis schwer zu diagnostizieren. Denn die Hornhautentzündung bei Kontaktlinsenträgern ist symptomatisch nur schwer von bakteriellen Infektionen zu unterscheiden. Oft verwechseln Augenärzte die Entzündung auch mit einer Herpes-Infektion. In schlimmen Fällen vergeht so viel kostbare Behandlungszeit, dass die Ärzte die angegriffene Hornhaut nicht halten können – und fremde Hornhaut transplantieren müssen. Bei einer unklaren Keratitis sollten sich behandelnde Ärzte der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) zufolge daher rechtzeitig an eine kompetente universitäre Einrichtung wenden. Seit 2011 gibt es an der Universität Homburg/Saar ein Deutsches Register, das bundesweit Fälle von Akanthamöbenkeratitis sammelt. Bisher sind 130 Patienten gemeldet worden.

Verschiedene Kontaktlinsenmittel (Quelle: rbb)

Den Nachweis bringt nur eine Gewebprobe

Für den sicheren Nachweis einer Akanthamöbenkeratitis muss eine Gewebeprobe ins
Speziallabor geschickt werden. Die Diagnose wird dann mikroskopisch aus dem befallenen Gewebe gestellt.

Die Therapie bei Akanthamöben-Infektion ist langwierig. Ist die Ursache erkannt, hilft häufig eine Kombinations-Therapie mit drei Medikamenten. Allerdings kann die Behandlung selbst bei frühzeitiger Diagnose bis zu einem Jahr dauern. Als wirkungsvoll hat sich eine Art Schocktherapie erwiesen, bei der sich die Patienten zunächst Tag und Nacht viertelstündlich Medikamente ins Auge tropft. Schlägt die medikamentöse Therapie nicht an, bleibt die Möglichkeit einer Kältetherapie oder einer Hornhauttransplantation.

Frau setzt vor Spiegel Kontaktlinsen ein (Quelle: rbb)

Um erst gar nicht mit den Erregern in Berührung zu kommen, sollten Kontaktlinsenträger penibel darauf achten, dass sie ihre Linsen ordnungsgemäß pflegen. Für weiche Kontaktlinsen bedeutet das: Leitungswasser ist tabu! Denn darin tummeln sich die Akanthamöben. Werden die weichen Linsen damit gewaschen, bleiben die Erreger daran haften. Bei harten Linsen ist die Gefahr weniger groß.

Harte Linsen sollten sogar am besten mit Leitungswasser gereinigt werden. Denn sie müssen ohnehin richtig abgerieben werden, um sauber zu werden. Wichtig ist anschließend die richtige Aufbewahrungslösung – Träger harter Linsen sollten keine Kombinationslösung verwenden. Denn sie schadet der Bindehaut im Auge auf Dauer. Wichtig außerdem für Kontaktlinsenträger: Sie sollten zwei Mal im Jahr beim Augenarzt eine Kontrolle durchführen lassen!

Filmbeitrag: Sybille Seitz
Infotext: Beate Wagner

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